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Urteil im Schweizer FlowTex-Prozess Mehrere Monate Haft für "Big Manni"

Für einen der größten Betrugsfälle Deutschlands, den FlowTex-Skandal, gibt es jetzt auch ein Gerichtsurteil aus der Schweiz: "Big Manni" und seine Exfrau müssen ins Gefängnis - sie länger als er.

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1:24 min | Do, 28.1.2016 | 19:30 Uhr | SWR Fernsehen BW

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FlowTex-Skandal

Schmider muss wieder hinter Gitter

Der ehemalige FlowTex-Geschäftsführer Schmider muss erneut ins Gefängnis - wegen Geldwäsche. Vor 15 Jahren sorgte Schmider für einen der größten Skandale der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

14 Monate Freiheitsstrafe für Manfred Schmider, samt einer Geldbuße von 120 Tagessätzen à 200 Franken (umgerechnet rund 180 Euro). So lautet die Strafe für "Big Manni". Von den 14 Monaten muss er sieben absitzen. Seine Exfrau erhielt 36 Monate Haft mit mindestens zwölf Monate Vollzug. Außerdem muss sie ebenfalls eine Geldstrafe von 260 Tagessätzen à 200 Franken zahlen.

Beide wurden wegen bandenmäßiger Geldwäscherei verurteilt. Die beiden Kinder wurden freigesprochen. Damit blieb das Bezirksgericht Frauenfeld im Schweizer Kanton Thurgau unter den Forderungen des Staatsanwalts. Der hatte für Schmider 42 Monate Gefängnis und für die Exfrau sogar 65 Monate Haft beantragt - die Verteidiger hatten Freispruch für alle Angeklagten gefordert.

Luxusgüter, Gemälde und ein Mega-Diamant

Mehr als 160 Millionen Euro sollen die Schmiders nach dem Auffliegen des FlowTex-Skandals besessen haben, zahlreiche Vermögenswerte wurden laut Staatsanwalt in die Schweiz verschoben. Während des Prozesses ging es um beachtliche Beträge und Transaktionen: Etwa um eine Millionenvilla im Schweizer Edel-Kurort St. Moritz, mehrere Bilder von Marc Chagall, eine Luxusyacht, diversen Schmuck - darunter einen 51 Karat schweren Diamanten - sowie um eine Bareinzahlung in Millionenhöhe auf ein Bankkonto einer Bank in St. Gallen.

Der FlowTex-Skandal
Manfred Schmider hatte in den 90er Jahren in den USA sogenannte Horizontalbohrmaschinen entdeckt. Die ermöglichen es, Rohre unter Straßen zu verlegen, ohne dass die Teerdecke aufgerissen werden muss. Schmiders Firma FlowTex mit Sitz in Ettlingen verkaufte solche Horizontalbohrmaschinen an Investoren, um sie dann zurückzuleasen (Sale-Lease-Back-Geschäfte).

Der Trick: Den Investoren wurden Maschinen verkauft, die es nur auf dem Papier gab. Statt 3.000 Bohrmaschinen hatte FlowTex nicht einmal 300. Für die Kontrollen wurden ständig die Seriennummern geändert und Typenschilder ummontiert. Dieses Schneeballsystem funktionierte über Jahre - auch weil Schmider beste Kontakte zur Politik, den Behörden und den Wirtschaftsprüfern unterhielt.

Schmider war dadurch unantastbar, bis der Betrug 1999 aufflog. Schmider saß insgesamt sieben Jahre in Deutschland im Gefängnis, bevor er 2007 vorzeitig entlassen wurde. 

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