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Umfrage zur Grundschulempfehlung in BW Antworten von Eltern überraschen

Seit 2012 dürfen Eltern in Baden-Württemberg entscheiden, auf welche Schule sie ihr Kind nach der Grundschule schicken. Eine Umfrage zur abgeschafften Grundschulempfehlung überrascht.

Drei Grundschulkinder mit bunten Schulranzen auf dem Rücken

Seit 2012 gibt es in Baden-Württemberg keine verbindliche Grundschulempfehlung mehr

Ein Meinungsforschungsinstitut befragte 500 Eltern schulpflichtiger Kinder, wie sie darüber denken, dass es nach der vierten Klasse keine verpflichtende Grundschulempfehlung für weiterführende Schulen mehr gibt. Laut der repräsentativen Untersuchung würden 60 Prozent der Befragten diese Entscheidung lieber dem Lehrer überlassen.

Der Landeselternbeirat (LEB) interpretiert das Ergebnis so, dass Eltern mangels Informationen, die sie für ihre Entscheidung bräuchten, verunsichert seien. Dies führe zum Teil zu der Ablehnung. "Hier muss die Kultusverwaltung dringend nachlegen", sagte LEB-Chef Carsten Rees. Dessen Verband hatte jahrelang dafür gekämpft, dass die verpflichtende Empfehlung abgeschafft wird.

Der Landeschef des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Gerhard Brand, nannte den von Grün-Rot eingeführten Vorrang der Elternmeinung "einen Segen" für die Grundschullehrer. Denn der Druck der Eltern auf sie sei zuvor bereits in der zweiten Klasse sehr hoch gewesen. Die Eltern wünschten eine Empfehlung für das Gymnasium, zumindest aber für die Realschule. Jetzt könnten die Lehrer wieder in Ruhe arbeiten.

Für die Studie des Meinungsforschungsinstituts Mentefactum in Zusammenarbeit mit TNS Emnid waren vom 15. Januar bis zum 3. Februar 500 Eltern schulpflichtiger Kinder in Baden-Württemberg telefonisch befragt worden. Die Umfrage hat der Versandhändler Jako-O in Auftrag gegeben.

Schulempfehlung gibt es noch, aber ohne Verpflichtung

Die Fünftklässler des Schuljahres 2012/13 waren die ersten, die nicht mehr vom Votum der Grundschullehrer abhängig waren. Eine Empfehlung gibt es weiterhin, aber sie ist nicht mehr verbindlich.

Nach den Vorgaben soll das Kind im vierten Schuljahr in den Fächern Deutsch und Mathematik einen Notendurchschnitt von mindestens 3,0 haben, um für die Realschule empfohlen zu werden. Eine Empfehlung für das Gymnasium setzt in diesen Fächern einen Schnitt von mindestens 2,5 voraus. Bei der Anmeldung auf der weiterführenden Schule müssen die Eltern keine Auskunft über die Grundschulempfehlung geben.

Wolf: Mehr Sitzenbleiber ohne verbindliche Empfehlung

CDU-Fraktionschef und Spitzenkandidat Guido Wolf hatte kürzlich moniert, dass die Schulen noch unter der "völlig unvorbereiteten" Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung litten. Er bezog sich auf eine Antwort des Kultusministeriums auf eine CDU-Anfrage. Darin ist die Rede von einer seit 2012 auf das sechsfache angestiegenen Sitzenbleiberquote in der fünften Klasse der Realschule. Wolf nannte dies ein "Ergebnis rücksichtsloser ideologischer Bildungspolitik auf dem Rücken der Kinder".

Nach Auffassung des Kultusministeriums ist die zunehmende Vielfalt der Schülerschaft der Grund dafür, dass tendenziell immer mehr Schüler in den weiterführenden Schulen nicht versetzt werde.

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