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SWR-Recherche zu Funklöchern an Bahnstrecken Notruf würde auf 60 Kilometern ins Leere gehen

Im Notruf-System der Bahn in Baden-Württemberg gibt es Sicherheitsmängel. Das belegen Recherchen des SWR. Betroffen sind auch eingleisige Strecken - eine Parallele zum Unglück in Bayern.

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5:38 min | Do, 25.2.2016 | 20:15 Uhr | Zur Sache Baden-Württemberg! | SWR Fernsehen BW

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Funklöcher in Baden-Württemberg

Sicherheitsmängel im Notrufsystem der Bahn?

Nach der Zugkatastrophe von Bad Aibling fragen Experten nach Sicherheitsmängeln im Notrufsystem der Deutschen Bahn. Sogenannte Funklöcher, die zum Unfall beigetragen haben könnten, gibt es auch in Baden-Württemberg.

Nach Recherchen des SWR-Fernsehmagazins "Zur Sache Baden-Württemberg" hat das digitale Notrufsystem der Bahn in Baden-Württemberg derzeit 52 Funklöcher. Der für Notrufe vorgesehene GSM-R-Funk ist demnach zurzeit auf fast 60 Kilometern unterbrochen. Das belegen Unterlagen der Deutschen Bahn, die dem SWR vorliegen. Bei extremen Gefahren können Lokführer deshalb nicht sofort per Funk informiert werden. Diese Sicherheitslücke ist der Bahn offenbar bereits seit mehreren Jahren bekannt.

Belegen lässt sich ein solches Funkloch beispielsweise auf der viel befahrenen Rheintalstrecke zwischen Achern und Offenburg. Dort sind Geschwindigkeiten von bis zu 250 km/h zugelassen. Von Funklöchern betroffen ist laut DB-Unterlagen auch die Strecke Stuttgart-Ulm: Hier bestehen seit 2009 fünf Funklöcher auf einer Länge von 400 bis 800 Metern. Auch etliche eingleisige Strecken im Land sind betroffen.

Bahn: Auf 99 Prozent der Strecke ist der Funkempfang ausreichend

Nach Auskunft der Bahn ist der digitale Notfallfunk, mit dem die Lokführer vom Fahrdienstleiter informiert werden können, auf 330 Schienen-Kilometern in Deutschland nicht verfügbar. Ein Bahnsprecher sagte in Stuttgart, auf 99 Prozent des 33.000 Kilometer langen Bahnstreckennetzes sei der Funkempfang aber ausreichend. Die EU-weite Vorgabe liege bei 95 Prozent. Nach Angaben des Sprechers bestätigte das Eisenbahnbundesamt als Aufsichtsbehörde, es sei kein Bahnunfall bekannt, der auf Sicherheitsmängel im Funkverkehr zurückzuführen sei.

Verkehrsminister Hermann schaltet sich ein

Dennoch haben die Informationen über Funklöcher Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) alarmiert. Ein Sprecher seines Ministeriums bestätigte am Donnerstag, dass ein Treffen mit der Bahn vereinbart worden sei: "Der Minister möchte bald möglichst wissen, wie der Stand ist und wie die Bahn mit dem Thema umgeht."

Parallelen zum Unglück in Bayern

Auf der eingleisigen Strecke zwischen Bad Aibling und Kolbermoor in Bayern starben kürzlich bei einer Kollision von zwei Zügen elf Menschen. Um die Katastrophe in letzter Sekunde zu verhindern, hatte ein Fahrdienstleiter im Stellwerk nach Angaben der Polizei per Funk zwei Notrufe an die Lokführer abgegeben, die jedoch ins Leere gingen. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft, ob ein Funkloch der Grund dafür war.

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