Bitte warten...

SWR-Interview zum Tod von David Bowie "Uns bleibt wahnsinnig viel"

Der Tod von David Bowie erschüttert die Musikwelt. Über seine Bedeutung in der Musikgeschichte hat SWR1-Reporterin Martina Senghas mit Udo Dahmen, dem Leiter der Mannheimer Popakademie, gesprochen.

Der Leiter des Fachbereichs Populäre Musik der Popakademie Baden-Württemberg, Udo Dahmen, aufgenommen am 10.07.2013 in Mannheim (Baden-Württemberg).

Udo Dahmen (Archivbild)

"David Bowie hat natürlich eine ganz zentrale Rolle. Er ist einer der wenigen, die es geschafft haben, seit den 60er-Jahren präsent zu sein. Und zwar auf ganz unterschiedliche Weise. Einmal als Künstler, natürlich mit einer Vielzahl von Alben, gleichzeitig aber auch als Schauspieler und ich würde ihn als einen der ganz großen Konzeptionisten der Popmusik bezeichnen."

Denn Davie Bowie, so der Pop-Experte Udo Dahmen, habe sehr sehr unterschiedliche Alben eingespielt. Und immer wenn man dachte, das also ist jetzt der typische David Bowie, habe er mit dieser Rolle gebrochen und sich neuen Bereichen zugewandt.

"Er war ein sehr wandelbarer Musiker, nicht nur in seiner musikalischen, sondern auch in seiner visuellen Erscheinung". So habe er mit der Kunstfigur "Ziggy Stardust" in den 70er Jahren ein Alter Ego präsentiert - "eine Mixtur aus Glam-Rock, Rock-Star und Astronaut". Es folgten japanisch inspirierte Outfits und den Auftritten als Gentleman, als der er sich vor allem in den letzten Jahren präsentiert habe.

Musikalische Wechsel und neue Identitäten

Mit Titeln wie "Heroes" hat sich der Brite ins kollektive Gedächtnis eingesungen. Sich wirklich vereinnahmen lassen hat er sich aber nie. Schon nach dem ersten Hype um ihn in den 70er Jahren hat er einen Haken geschlagen und ist nach Berlin geflohen - übrigens auch um mit seinem massiven Drogenproblem fertig zu werden.

"Gemeinsam mit Iggy Pop hat er damals eine Wohnung bewohnt und hat dort drei Alben zusammen gestellt, aus denen auch der wunderbare Titel "Heroes" hervorgegangen ist", so Dahmen. Später dann auch die Mitarbeit bei "Christiane F. - die Kinder vom Bahnhof Zoo", wo Bowie nicht nur musikalisch, sondern auch persönlich vertreten war. "Und immer wieder war Berlin für ihn auch Anlaufstelle, um sich neue Kicks zu holen."

Unnahbar und aristokratisch

David Bowie war wild und kühl, sanft und sphärisch und bei allem wirkte er immer irgendwie ein bisschen aristokratisch. Nicht umsonst wurde er "The Duke (Herzog)" genannt. Er hinterlässt ein großes musikalisches Werk und erst vor kurzem hat er mit seinem neuen Album "Black Star" noch ein Stück dazugefügt.

Die Trauer in der Musikwelt um seinen Tod sei groß, sagt Dahmen. "Auf der anderen Seite ist es natürlich so, dass gerade von David Bowie uns wahnsinnig viel bleibt und er hat ein Manifest gesetzt mit "Black Star", das ihn wieder mal von allen Fesseln befreit hat und möglicherweise auch als testamentarische Hinterlassenschaft wichtig ist."

Aktuell in Baden-Württemberg