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Universität Freiburg Doping-Kommission hat sich aufgelöst

Die Freiburger Doping-Kommission gibt nach mehr als acht Jahren Aufklärungsarbeit auf: Nach dem Ablauf eines Ultimatums erklärte sie am Dienstagmorgen ihren Rücktritt.

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2:07 min | Di, 1.3.2016 | 19:30 Uhr | SWR Fernsehen BW

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Doping-Kommission der Uni Freiburg

Mitglieder treten geschlossen zurück

Die Doping-Untersuchungskommission der Universität Freiburg ist am Dienstag überraschend zurückgetreten. Zur Begründung erklärten die Mitglieder, der Rektor der Hochschule behindere ihre Ermittlungsarbeit.

 Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer

Hans-Jochen Schiewer, Rektor der Uni Freiburg

Die "Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin" protestierte damit gegen die angebliche Einschränkung ihrer Unabhängigkeit durch den Rektor der Universität, Hans-Jochen Schiewer. Ein Kompromissvorschlag Schiewers bewertete die Kommission als nicht weitgehend genug.

Die Doping-Kommission unter der Leitung der Kriminologin Letizia Paoli war 2007 ins Leben gerufen worden. Sie hatte zum Ziel, die Geschichte der skandalumwitterten Sportmedizin an der Freiburger Universität unter ihren ehemaligen Professoren Joseph Keul und Armin Klümper zu untersuchen.

Kommission: Neue Geschäftsordnung ist zu akzeptieren

In einem Schreiben hatten die fünf Kommissionsmitglieder vom Freiburger Uni-Rektor Schiewer verlangt, die neue Geschäftsordnung zu akzeptieren. Dabei gehe es unter anderem darum, der Kommission das Recht zu sichern, sich ohne Abstimmung mit der Universität öffentlich zu äußern und die Kommissionsergebnisse nicht strikt vertraulich zu behandeln. Rektor Schiewer sei diesem Wunsch nicht gefolgt, sondern habe nur Gespräche angeboten.

Rücktrittsandrohung ohne Unterschrift von Paoli

Das reichte den Kommissionsmitgliedern nun offenbar nicht aus. Gebe es kein Einlenken des Rektors, werde die Kommission am Dienstag zurücktreten, hatte ein Mitglied gegenüber dem SWR das Ultimatum begründet. Die Rücktrittsandrohung haben alle fünf Kommissionsmitglieder unterschrieben, aber nicht deren Vorsitzende Letizia Paoli.

Ultimatum ohne konkreten Auslöser

Mann mit Brille im Portrait

Der Pharmakologe und Doping-Experte Fritz Sörgel

"Ich bin erst ein Jahr mit dabei, aber auch mir geht schon die Geduld mit der Uni-Leitung verloren. Ich kann vor allem die Verständnislosigkeit der Kollegin und Kollegen verstehen, die schon länger dabei sind", sagte Kommissionsmitglied Fritz Sörgel dem Sportinformationsdienst SID. Einen konkreten Auslöser des Ultimatums habe es nicht gegeben, sagte Sörgel: "Die Uni berücksichtigt fortgesetzt nicht unsere Wünsche und beantwortet Fragen nicht."

Universität bietet Gespräch an

Die Universität hatte der Kommission am vergangenen Freitagabend ein Gesprächsangebot unterbreitet. "Die Universität Freiburg hat die inhaltliche Unabhängigkeit der Evaluierungskommission stets gewahrt und wird sie stets sicherstellen", schrieb Schiewer in einem Brief an deren Mitglieder. "Ich möchte erneut betonen, dass die Universität Freiburg die Arbeit der Evaluierungskommission schätzt und auf die Übergabe eines fundierten Abschlussberichts baut."

Deutscher Olympischer Sportbund: Rückzug ist verpasste Chance

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) sagte, es sei bedauerlich, dass die Uniklinik und die Kommission nicht zusammengefunden hätten, um die Doping-Vergangenheit der Freiburger Uniklinik endgültig aufzuklären. Es sei eine verpasste Gelegenheit, sich auch nachhaltig mit der Vergangenheit im Westen auseinanderzusetzen.

Hintergrund Doping-Kommission:
Die Kommission war vor neun Jahren mit dem Ziel ins Leben gerufen worden, die Geschichte der skandalumwitterten Freiburger Sportmedizin unter ihren ehemaligen Professoren Joseph Keul und Armin Klümper zu untersuchen. Sie bestand aus sechs führenden Anti-Doping-Experten dreier Länder: Letizia Paoli (Belgien) - die Leiterin hatte bereits mehrfach mit Rücktritt gedroht -, Hans Hoppeler (Schweiz), Perikles Simon (Mainz), Gerhard Treutlein (Heidelberg), Hellmut Mahler (Düsseldorf) und Fritz Sörgel (Nürnberg). Das Gremium hatte unter Leitung der Kriminologin Paoli wiederholt massive Behinderungen durch die Uni Freiburg beklagt. Diese hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

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