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Streit in Evangelischer Landeskirche Baden Gleichgeschlechtliche Trauungen

Männer können Männer, Frauen können Frauen heiraten - standesamtlich, aber auch in der evangelischen Landeskirche Baden. Doch die Kirchengemeinden tun sich noch schwer damit.

Im April hat die evangelische Landessynode die neue Richtlinie beschlossen. Nach einer "erneuten intensiven theologischen Beschäftigung erkennt die Landessynode die Gleichwertigkeit (…) von gleichgeschlechtlicher Liebe, Sexualität und Partnerschaft an, die verantwortlich vor Gott gelebt werden," heißt es in dem Beschluss vom April. Und das solle auch im Handeln der Kirche seinen Ausdruck finden. Ob ein Pfarrer lesbische oder schwule Paare segnen will, bleibt allerdings ihm überlassen.

Nicht jede Pfarrei will Schwule und Lesben segnen

In vielen Kirchengemeinden wird das Thema seitdem heiß diskutiert. St. Georgen-Tennenbronn will ihm sogar eine eigene Gemeindeversammlung widmen. Der Villinger Dekan Wolfgang Rüter Ebel sagt: "Wir haben im evangelischen Kirchenbezirk Villingen gut 20 Pfarreien. Da kann ich auf jeden Fall eine Handvoll ganz klar nennen, die deutlich gesagt haben, ich mach das gerne. Und dann gibt es sicher nochmal so zehn, wo ich es nicht genau weiß. Und ich will als Dekan auch keine schwarze und weiße Liste führen an der Stelle. Sondern ich will das ganz deutlich auch einfach offen lassen und auch erst einmal noch die Bewegung abwarten, wie es sich entwickelt."

Nicht jedes Paar will den Segen der Kirche

Von konkreten Anfragen schwuler oder lesbischer Paare nach einer Trauung weiß Rüter Ebel in seinem Kirchenbezirk nichts. Das sei wohl auch eher ein Thema der Großstädte. "Vielleicht ist es so, dass die Betreffenden erst auch nochmal abwarten. Oder es ist auch so, dass viele gleichgeschlechtlich liebende Menschen im Grunde sich auch in den letzten Jahren von Kirche eher verabschiedet haben, weil sie da nicht willkommen waren."

Aufgebrachte Kommentare im Internet

Auf der Website der evangelischen Landeskirche Baden wird der Beschluss der Synode heftig kritisiert. Eine Clara S. schreibt unter der Überschrift "Bibelblinde Badenser": "Der Beschluss wird in Zukunft keinen Bestand haben, sei es dadurch, dass die Badische Landeskirche durch Selbstzerstörung in der Bedeutungslosigkeit verschwindet oder eine organisatorische Alternative entsteht." Die Gegner homosexueller Trauungen leiten ihre Ablehnung aus der Bibel ab. Das wurde schon vor zwei Jahren deutlich, als landesweit Unterschriften gesammelt wurden für eine Petition gegen die sexuelle Vielfalt im neuen Landesbildungsplan.

Ethik nicht von einzelnen Bibelstellen ableiten

Dekan Wolfgang Rüter Ebel weiß natürlich um die unterschiedlichen Auslegungen der Bibel, und sagt, es gebe eine Handvoll Bibelstellen, die immer genannt würden. An den meisten davon ginge es darum, dass da in der Sexualität Gewalt ausgeübt werde, von Erwachsenen gegenüber Jungs beispielsweise, was natürlich hetero- wie homosexuell zu verurteilen sei. Es blieben aber ein, zwei Stellen übrig, da gehe es tatsächlich um Homosexualität. Sein Gedanke dazu: man könne nicht von einzelnen Bibelstellen eine ganze Ethik ableiten, es fänden sich in der Bibel für alles pro und contra Bibelstellen.

Rüter Ebel spricht von Barmherzigkeit und Liebe zu den Menschen, und wird deshalb in seiner Villinger Johannesgemeinde Trauungen gleichgeschlechtlicher Lebenspartner vornehmen, wenn danach gefragt wird. Wenn andere Pfarrer sich weigern, sei das in Ordnung, meint der Dekan. Die Glaubens- und Gewissensfreiheit sei ein hohes Gut.

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