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Störfall in AKW Fessenheim Offenbar schwerer Unfall vertuscht

Im französischen Atomkraftwerk Fessenheim hat sich im Frühjahr 2014 ein Unfall ereignet. Von einer Überschwemmung war die Rede. Jetzt stellt sich heraus, es war offenbar einer der dramatischsten Unfälle, die es in Westeuropa gegeben hat.

AKW in Fessenheim.

Wurde im AKW Fessenheim 2014 ein schwerer Unfall vertuscht? (Archivbild)

Die Betreiberfirma EdF und die französische Atomaufsicht ASN hatten das Ereignis als harmlose Überschwemmung im nicht-nuklearen Bereich des Kraftwerks dargestellt. Doch Recherchen von WDR und "Süddeutscher Zeitung" belegen nun: Der Unfall war gravierender als bislang bekannt.

Die französische Atomaufsicht habe den Vorfall vom 9. April 2014 gegenüber der Internationalen Atomenergiebehörde heruntergespielt, teilten die Medien am Freitag mit. Sie berufen sich auf ein Schreiben der ASN an den Leiter des Kraftwerks nahe der Grenze zu Baden-Württemberg wenige Tage nach dem Zwischenfall.

Demnach waren rund 3.000 Liter Wasser beim Befüllen eines Kühlwasserbehälters übergelaufen. Sie hatten sich über mehrere Etagen des Kraftwerks verteilt. Dabei sei Wasser in die Schaltkästen in sicherheitsrelevante Anlagen gelang und habe die Elektrik beschädigt. Die Steuerstäbe im Reaktorblock seien zeitweise nicht zu bewegen gewesen und das System zum schnellen Abschalten des Reaktors sei ausgefallen, hieß es in dem Schreiben. Ein Krisenstab habe entschieden, den Reaktor durch Einleitung von Bor ins Kühlwasser notfallmäßig herunterzufahren.

Reaktorexperte: Kein vergleichbarer Vorfall in Westeuropa

Nach Einschätzung des deutschen Nuklear-Sicherheitsexperten Manfred Mertins hat die Mannschaft den Reaktor quasi blind gefahren. Eine vergleichbare Situation habe es seiner Meinung nach in Westeuropa bislang noch nicht gegeben.

Die Atomaufsicht hatte damals in einer Pressemitteilung erklärt, dass der Wassereinbruch in Schaltkästen im nicht-nuklearen Teil der Anlage eines der zwei separaten Elektroniksysteme für die Notabschaltung beschädigt habe. Sie betonte jedoch, dass das zweite System weiterhin funktionierte und damit die Funktion stets sichergestellt gewesen sei. Auf eine Anfrage am Donnerstagabend reagierte die Behörde zunächst nicht.

Trinationaler Atomschutzverband geschockt

Nach dem Vertuschen eines größeren Störfalls im AKW Fessenheim ist auch der Trinationale Atomschutzverband TRAS alarmiert. Das Vertrauen in die Französische Atomaufsicht sei erschüttert, so die Freiburger Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik, die auch Mitglied im TRAS-Vorstand ist.

Das AKW Fessenheim im Elsass ist das älteste Atomkraftwerk Frankreichs. Atomkraftgegner fordern schon lange, es so schnell wie möglich zu schließen.

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