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Doping-Aufklärung in Freiburg Uni-Rektor wusste seit Monaten Bescheid

Nach dem Aus der Freiburger Doping-Untersuchungskommission und dem Bekanntwerden der Doppelrolle von Rechtsanwalt Schmid, will Rektor Schiewer keine Konsequenzen ziehen.

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1:31 min

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Schiewer wusste von umstrittenem Anwalt

Interessenskonflikt im Freiburger Dopingskandal: Universitäts-Rektor Schiewer soll seit längerem gewusst haben, dass der vom Rektorat beauftragte Anwalt früher auch den umstrittenen Sportmediziner Klümper vertreten hat.

Der Freiburger Rechtsanwalt Wolfgang Schmid wurde vom Rektorat engagiert, um neben anderen das Gutachten des Wissenschaftlers Andreas Singler über die Doping-Verstrickungen von Armin Klümper in rechtlicher Hinsicht zu bewerten. Im Juni 2015 teilte Schmid dem Rektor mit, er habe in den 90er Jahren anwaltlich für Armin Klümper gearbeitet. Schiewer nahm es zur Kenntnis, tat nichts und ließ Wolfgang Schmid weiter Doping-Gutachten bewerten, anstatt ihn gleich von dieser Aufgabe wegen Befangenheit zu entbinden.

Doping-Aufklärer deckt Doppelrolle auf

Erst der betroffene Doping-Aufklärer Andreas Singler fand vor wenigen Tagen heraus, dass sein Prüfer der frühere Klümper-Anwalt Schmid war. Dass das so nicht hätte laufen dürfen, gab Rektor Schiewer am Mittwoch zu: "Ich muss gestehen, das war eine Fehleinschätzung meinerseits dann dem nicht weiter nachgegangen zu sein. Ich kann nur sagen, dass ich aus heutiger Sicht unachtsam war dem nicht sofort nachzugehen und das haben wir jetzt natürlich getan, als wir den Hinweis von Herrn Singler Ende Februar bekommen haben." 

Viele Pannen und Streitigkeiten im Zuge der Doping-Aufklärung, vor kurzem der Rücktritt der Doping-Kommission, jetzt der Befangenheitsskandal – der Imageschaden für die Universität über Jahre ist immens. Denkt Rektor Schiewer darüber nach, persönlich Verantwortung zu übernehmen und selbst Konsequenzen zu ziehen?

Welche Konsequenzen werden gezogen?

"Warum sollte ich deswegen zurücktreten?", fragt Schiewer. „Ich habe den Fehler zugegeben und mich auch bei Herrn Singler dafür entschuldigt. Herr Singler hat die Entschuldigung auch angenommen.“  

Das bestätigt Andreas Singler, der allerdings nicht fassen kann, dass mit Wissen des Rektors ein früherer Klümper-Anwalt seine Gutachten rechtlich abgeklopft hat. "Sozusagen Begutachtung unter Feinden", so Andreas Singler, das gehe gar nicht. "Insgesamt ist die Sache natürlich nicht zu Ende aufgeklärt. Da gibt es noch viele Fragen, gerade in Bezug auf die Darstellung von Herrn Schmid", fügt er weiter an. Wegen dieser und anderer Vorgänge habe er schließlich vor Kurzem angeregt, dass ein Untersuchungsausschuss im Landtag eingerichtet werde. 

Panne oder Vertuschung?

Sollte die Beschäftigung des früheren Klümper-Anwalts Schmid vertuscht werden oder war es nur eine über Monate verschleierte Panne? Dafür gebe es keine Beweise, so Singler gegenüber dem SWR.

Rektor Schiewer will unterdessen weitermachen wie bisher. Glaubwürdigkeitsprobleme sehe er nicht, trotz aller Pannen und einem verheerenden Bild, das in der Öffentlichkeit entstanden ist. Und so hält er daran fest, eine universitäre Forschungsstelle einzurichten, die die Arbeit der zurückgetretenen Kommission fortführen soll.

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