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Porsche-Prozess wegen VW-Übernahmeschlacht Wiedeking ist sich keiner Schuld bewusst

Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking steht vor dem Stuttgarter Landgericht. Er soll bei der geplatzten VW-Übernahme Anleger getäuscht haben - für Wiedeking eine "absurde Verschwörungstheorie".

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2:27 min | Do, 22.10.2015 | 19:30 Uhr | SWR Fernsehen BW

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Ex-Porsche-Chef angeklagt

Wiedeking beteuert seine Unschuld

Dem ehemaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wird seit Donnerstag vor dem Stuttgarter Landgericht der Prozess gemacht. Er soll versucht haben, den Kurs der VW-Aktie zu beeinflussen.

Wiedeking nutzte den ersten Prozesstag für eine mehr als einstündige Erklärung. Darin wies er die Vorwürfe der Anklage ("Marktmanipulation nach dem Wertpapierhandelsgesetz") zurück - und rechnete darüber hinaus mit dem früheren VW-Patriarch Ferdinand Piëch ab.

Die Staatsanwaltschaft halte es für möglich, dass er sich mit Piëch verschworen habe, so Wiedeking - dabei habe dieser einst über ihn geäußert, er lasse sich sein Lebenswerk nicht von einem angestellten Manager ruinieren. "Die mir unterstellte Nähe zu Ferdinand Piëch, ich betone das ausdrücklich, schmerzt mich richtig", sagte Wiedeking.

Haben Porsche-Manager bei VW-Übernahme getäuscht?

Wiedeking soll im Laufe des Jahres 2008 gemeinsam mit dem ebenfalls angeklagten Ex-Finanzchef von Porsche, Holger Härter, versucht haben, durch geschicktes Streuen von Falschinformationen den Kurs der VW-Aktie in ihrem Sinne zu beeinflussen. In Pressemitteilungen, Zeitungsinterviews und Statements sollen die beiden Porsche-Manager und ihre Sprecher dementiert haben, die Aufstockung der Anteile auf 75 Prozent anzustreben. Die Dementis hätten den Kurs gedämpft und andere Anleger davon abgehalten, VW-Aktien zu kaufen.

Wiedeking sagte, das sei eine "fernliegende und absurde Verschwörungstheorie." Tatsächlich sei über die Strategie länger diskutiert worden - sie habe aber nur mit dem Segen der Familien Porsche und Piëch realisiert werden können, die die Porsche-Holding kontrollieren. Einen Beschluss des Aufsichtsrates dazu habe es aber erst Ende Oktober 2008 gegeben. Zuvor habe Piëch sich im Ringen um den Einfluss Porsches auf den viel größeren Wolfsburger Konzern lange gesträubt, schilderte Wiedeking weiter.

Ex-Finanzchef Härter ergänzte, es habe nie einen Geheimplan zur VW-Übernahme gegeben. Der Einstieg sei damals notwendig gewesen, um die bestehenden Kooperationen abzusichern. Um die schrittweise Aufstockung der Beteiligung einigermaßen planbar zu machen, hatte sich Porsche mit Finanzinstrumenten gegen hohe Kursschwankungen abgesichert. Diese Optionen hätten die Kosten für den Beteiligungserwerb kalkulierbar gemacht, sagte Härter.

VW-Aktie stieg in ungeahnte Höhen

Am 26. Oktober 2008 räumte die Porsche-Führung die Übernahmepläne dann öffentlich ein. Eine entsprechende Pressemitteilung war aus Sicht der Staatsanwaltschaft aber unvollständig, weil sie große finanzielle Risiken für den damaligen Übernahmepoker nicht enthielt. Denn als der Kurs der VW-Aktie im Herbst 2008 einbrach, habe Porsche bis zu sechs Milliarden Euro für die Optionen nachschießen müssen, erklärten die Strafverfolger. Die Enthüllung des Übernahmeplans habe den Kurs deshalb nach oben treiben sollen.

Und so kam es dann auch: Im Glauben, VW-Aktien würden knapp, griffen Anleger beherzt zu und trieben den Kurs so nach oben - am Ende bis auf über 1.000 Euro. Vor allem amerikanische Hedgefonds hatten aber auf einen fallenden VW-Aktienkurs gewettet und machten hohe Verluste. Im Publikum bei dem Prozess saßen deshalb zahlreiche Anwälte, unter ihnen auch Vertreter dieser Fonds. Dem Strafprozess wird eine gewisse Signalwirkung für parallel laufende Zivilverfahren zugerechnet, bei denen Anlegervertreter auf mehr als fünf Milliarden Euro Schadenersatz klagen.

Wiedeking warf der Staatsanwaltschaft Schützenhilfe für diese Vertreter hochspekulativer Anlagen vor, welche die Finanzkrise mitverursacht hätten. "Dass gerade diese 'Spezialisten' von der Staatsanwaltschaft zu Opfern stilisiert werden, kann ich nicht nachvollziehen", sagte Wiedeking.

Prozess beginnt sieben Jahre nach der geplatzten Übernahme

Bis Wiedeking und Härter auf der Anklagebank Platz nehmen mussten, vergingen einige Jahre. 2012 hatte das Stuttgarter Landgericht eine Klage gegen die beiden gar nicht erst angenommen. Es hielt den Vorwurf für schwer nachweisbar. Erst nach einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft entschied das Oberlandesgericht, den Prozess doch eröffnen zu lassen. 26 Verhandlungstage sind vorerst angesetzt, um den ehemaligen Übernahmekrimi um VW aufzuklären. Ein Mammutverfahren also, bei dem auch wichtige Zeugen aus dem damaligen Aufsichtsrat - allen voran VW-Patriarch Ferdinand Piëch und sein Cousin Wolfgang Porsche sowie Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück - noch eine Rolle spielen könnten. Ob sie jedoch aussagen, ist fraglich: Nach Meinung der Wiedeking-Verteidiger können sie sich auf ein Zeugnisverweigerungsrecht berufen, weil vor Kurzem erst ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe zur Marktmanipulation bei der Porsche-VW-Übernahme gegen sie eingestellt wurde und sie sich mit Äußerungen sonst selbst belasten könnten.

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