Bitte warten...

Studie zur Gemeinschaftsschule in BW Entscheidend ist, wer an der Tafel steht

Seit drei Jahren gibt es in Baden-Württemberg Gemeinschaftsschulen. Für die Opposition sind sie so etwas wie der Untergang des Bildungsbürgertums - Experten sehen das differenzierter.

Um das Video abspielen zu können, benötigen Sie Javascript. Bitte aktivieren Sie dies in Ihrem Browser.

1:12 min | Mi, 20.1.2016 | 18:00 Uhr | SWR Fernsehen BW

Mehr Info

Studie zur Gemeinschaftsschule

Auf die Lehrer kommt es an

Lernen Kinder in der Gemeinschaftsschule besser oder schlechter? Darüber streiten sich Politiker seit langem. Wissenschaftler der Universität Tübingen beantworten die Frage.

Wissenschaftler der Unis Tübingen und Heidelberg haben in den vergangenen beiden Jahren etwa 4.000 Schüler und 2.000 Lehrer in Gemeinschaftsschulen befragt und den Unterricht eng begleitet. Am Mittwoch präsentierten die Forscher ihre Erkenntnisse: Die Gemeinschaftsschule motiviert Schüler demnach nicht mehr, aber auch nicht weniger als andere Schulformen. Außerdem sei die Qualität des Unterrichts an Gemeinschaftsschulen vergleichbar mit der an herkömmlichen Schulen. Vor allem der hohe Anspruch ans eigenständige Lernen könne schwächere Schüler jedoch überfordern.

Unter dem Strich kommt die Studie zu dem Ergebnis: Wenn die Förderung und die Rahmenbedingungen stimmen, können Schüler von der Gemeinschaftsschule stark profitieren. Entscheidend sei nach wie vor, wer an der Tafel stehe, so die Forscher. Laut ihrer Untersuchung droht die Arbeit an Gemeinschaftsschulen deren Lehrer zu überfordern. Deshalb empfehlen die Wissenschaftler dem Kultusministerium, über eine veränderte Bemessung der Lehrerarbeitszeit und weitere Unterstützung der Pädagogen nachzudenken.

Dem will der zuständige Minister Andreas Stoch (SPD) zumindest teilweise nachkommen: Er versprach, Fortbildung, Beratung und digitale Bildungsplattformen für die Lehrer auszubauen. Die verpflichtende Unterrichtszeit der Pädagogen zu reduzieren, schloss er aber auch mit Blick auf Lehrermangel aus. Für eine völlig neue Schulform sei die Entwicklung der Gemeinschaftsschule aber ohnehin beachtlich. Die Studie sei kein Komplettverriss, aber auch keine Heiligsprechung, so Stoch.

Ärger über Teilbericht

Anders sah es noch im vergangenen August aus. Damals war ein Teilbericht über die Geschwister-Scholl-Gemeinschaftsschule in Tübingen öffentlich geworden und hatte große Wellen geschlagen. Einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) zufolge hatte sich die zentrale Idee des individuellen Lernens als ineffektiv herausgestellt. Deswegen hatte Stoch sogar gegen die Zeitung geklagt.

Die grün-rote Landesregierung hat die neue Schulart zum Schuljahr 2012/2013 eingeführt, um den Bildungserfolg der Schüler von der sozialen Herkunft abzukoppeln. In einer Gemeinschaftsschule werden Kinder mit Empfehlung für Werkreal-, Realschule und Gymnasium zusammen unterrichtet. Die Schulart bietet zwingend die Klassenstufen fünf bis zehn an, kann aber auch die Grundschule und/oder einen gymnasialen Zug von Klasse 11 bis 13 umfassen. Im Schuljahr 2015/16 gibt es in Baden-Württemberg 271 Gemeinschaftsschulen.

Aktuell in Baden-Württemberg