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Streit in BW um Akzeptanz Sexueller Vielfalt Auseinandersetzungen bei Bildungsplan-Demos

Im Streit über den Bildungsplan der grün-roten Landesregierung haben am Sonntag in Stuttgart wieder tausende Gegner und Befürworter demonstriert. Es kam zu Festnahmen und Rangeleien.

Ein Polizist und ein Demonstrant

Die Polizei versuchte eine Eskalation zu vermeiden

Nach Polizeiangaben war die Stimmung aufgeheizt, die Demonstranten provozierten sich gegenseitig. Die Polizei hat nach eigenen Angaben 25 Menschen festgenommen. Ihnen drohen nun Anzeigen, teils wegen schwerer Körperverletzung. Es sei zu "einzelnen Scharmützeln zwischen Linken und mutmaßlichen Personen, die der rechten Szene zugeordnet werden können" gekommen. Diese gehörten teilweise gar nicht zur Demonstration, wie der Polizeisprecher betonte. "Es gibt Leute, die nur dafür anreisen, und Grund für die Konfrontation suchen." Zahlreiche Platzwunden mussten ärztlich versorgt werden.

Bereits während der Demonstration kam es zu Rangeleien. Teilnehmer der Gegendemonstration für Vielfalt und Toleranz errichteten eine Straßenblockade, um die Demonstranten des Aktionsbündnisses "Für Ehe und Familie - Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder!" an ihrem Marsch zu hindern. Nach der Aufforderung der Polizei machten sie jedoch den Weg frei. Zweimal setzte die Polizei auch Pfefferspray ein, als Demonstranten Blockaden überstiegen und Teilnehmer der "Demo für alle" mit Algen beschmissen. Diese mussten danach von Sanitätern versorgt werden.

Rund 5.000 demonstrierten gegen sexuelle Vielfalt

Zu einer Kundgebung samt Demonstrationszug gegen den Bildungsplan hatte das Aktionsbündnis "Für Ehe und Familie - Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder!" aufgerufen. Dem folgten rund 5.000 Menschen. Im Flyer des Aktionsbündnisses steht: "Ehe und Familie werden zu einer simplen sexuellen Variante unter vielen herabgewürdigt."

Die Demonstranten richten sich gegen den Bildungsplan, der 2016 an den Schulen eingeführt werden soll. Dieser sieht vor, dass vom kommenden Schuljahr an im Unterricht stärker über das Thema sexuelle Vielfalt gesprochen wird. Dadurch soll die Diskriminierung von Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung in der Gesellschaft unterbunden werden. Dagegen hat es schon mehrfach Proteste gegeben.


"Wir stehen heute ein für das, auf dem unser Zusammenleben weltweit beruht: der Ehe als Lebensbund zwischen Mann und Frau und für die Familie", sagte Hedwig Beverfoerde, Moderatorin der "Demo für alle" unter lautem Pfeifen der Gegner auf dem Schillerplatz. Das Aktionsbündnis aus 30 Verbänden und Privatpersonen wehre sich gegen den Versuch, die Ehe umzudefinieren und zu öffnen. Christoph Scharnweber von "Zukunft-Verantwortung-Lernen" sagte, die Wähler dürften nicht zulassen, dass Grün-Rot nach der Landtagswahl in fünf Monaten "die Politik in Baden-Württemberg weiter prägen" könne.

Gegendemos für ein buntes Stuttgart

Parallel zur Kundgebung auf dem Schillerplatz demonstrierten etwa 400 Menschen unter anderem auf Einladung der Jugendverbände von Grünen und Linken für die Gleichberechtigung und ein buntes Stuttgart. Auf dem Marktplatz etwa forderten das Bündnis "No pegida" und die Linksjugend unter dem Motto "Regenbogen für alle" Akzeptanz und Aufklärung. Am Schlossplatz zeigte ein Bündnis mit Grüner Jugend, Jusos und Antifa Flagge für ein vielfältiges Stuttgart. Alfonso Pantisano von der Berliner Initiative "Enough is Enough" machte deutlich: "Kein Bildungsplan, keine Therapie und keine Erziehung wird Menschen jemals homosexuell machen." Wer sich weigere, das zu begreifen, lebe in einer Zeit, in der die Welt noch als Scheibe galt.

Gegendemonstranten der Gegner des grün-roten Bildungsplans haben am 11.10.2015 in Stuttgart (Baden-Württemberg) eine Regenbogenflagge mit der Aufschrift "Vielfalt" vom Staatstheater herabgelassen.

Gegendemo für sexuelle Vielfalt (im Vordergrund) - im Hintergrund die Gegner der Bildungsplans

Ministerium weist Vorwürfe zurück

Das Kultusministerium wies im Vorfeld der Proteste die Vorwürfe der Bildungsplan-Kritiker zurück und betonte, dass die Beteiligung der Öffentlichkeit bei der Reform der Bildungspläne eine zentrale Rolle spiele. "In der aktuellen Anhörungsphase, die noch bis Ende Oktober läuft, hat beispielsweise jeder interessierte Bürger die Möglichkeit, Kritik zu äußern und Anregungen einzubringen. Diese Eingaben werden systematisch ausgewertet und gegebenenfalls aufgegriffen", erklärte ein Sprecher des Kultusministeriums am Sonntag.

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