Bitte warten...

Silvester-Vorfälle in Stuttgart Festnahme eines Tatverdächtigen

Möglicherweise ist es in Stuttgart in der Silvesternacht zu mehr sexuellen Belästigungen gekommen als bislang angenommen. Erst jetzt wurde bekannt, dass es noch in der Nacht zu einer Festnahme kam.

Feuerwerk und feiernde Menschen auf dem Schlossplatz

Feiernde Menschen an Silvester auf dem Schlossplatz

Laut Polizei seien bislang "ein gutes Dutzend" Anzeigen eingegangen. Das Vorgehen der Täter sei stets vergleichbar gewesen, heißt es in einer Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft vom Donnerstag: Die Frauen wurden "aus der Gruppe heraus" am Weitergehen gehindert, bedrängt und unsittlich berührt. In manchen Fällen seien dabei Handtaschen oder Handys geraubt worden. Ob es einen Zusammenhang der Fälle gibt, müsse noch ermittelt werden.

Polizei: "Vom Vertuschen kann keine Rede sein"

Ein 20-Jähriger sitze in Untersuchungshaft, bestätigte die Staatsanwaltschaft Stuttgart am Donnerstag einen Bericht der "Bild"-Zeitung. Ihm werde sexuelle Nötigung, Widerstand gegen die Polizei und Beleidigung vorgeworfen. Ein Polizeisprecher sagte, die Festnahme sei "aus ermittlungstaktischen Gründen" erst sieben Tage nach den Ereignissen bekannt gegeben worden. "Vom Vertuschen kann keine Rede sein", betonte er.

Nach den derzeit bundesweit diskutierten Attacken in Köln war in Stuttgart zunächst nur von Übergriffen von rund 15 Männern auf zwei 18-jährige Frauen aus Ulm die Rede gewesen. Ob der 20-Jährige auch an dieser Tat beteiligt gewesen ist, sei noch nicht geklärt, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Noch gehe man von zwei unabhängigen Taten und Tätergruppen aus. Der 20-Jährige soll in einer Gruppe zwei 16- und 18-jährige Frauen sexuell genötigt haben.

Erst Tage später Anzeige erstattet

Zu denen, die erst Tage später eine Anzeige erstatten, gehört auch eine junge Frau aus Stuttgart. Sie habe zum Jahresbeginn mit ihren Freundinnen nicht nur Silvester sondern auch ihren 18. Geburtstag gefeiert, erzählt sie dem SWR. Gegen 1.00 Uhr seien sie auf dem Schlossplatz von fünf Männern umzingelt worden. Einer der Männer habe ihrer Freundin an den Intimbereich gegriffen, sie selbst sei am Bauch angefasst worden. Sie hätten Angst gehabt und schließlich wegrennen können.

"Auch mal seine Geschichte erzählen"

Anschließend hätte sie sich - ebenso wie ihre Freundinnen - unwohl mit der Situation gefühlt und über das Geschehen nicht reden wollen, berichtet die junge Frau weiter: "Wenn man sagt, dass das offensichtlich Flüchtlinge oder Ausländer waren, dass man gleich als Nazi oder als Rassist dasteht." Doch in den Familien der Frauen wurde in den vergangenen Tagen viel darüber gesprochen - genauso wie über die Geschehnisse in Köln. Dies habe schließlich zu der Entscheidung geführt, Anzeige zu erstatten: "Weil wir in den Nachrichten gehört haben, dass viele Frauen jetzt zur Polizei gegangen sind. Und jetzt, wo immer mehr Fälle aufkommen, dass man da auch was dagegen machen kann und auch mal seine Geschichte erzählen kann."

Aktuell in Baden-Württemberg