Bitte warten...

Selbstverteidigung für Baden-Württemberger? Kleiner Waffenschein ist begehrt

In Baden-Württemberg werden seit dem Jahresbeginn deutlich mehr Anträge auf den Kleinen Waffenschein gestellt als bisher. Das Innenministerium warnt deutlich vor dieser Art der Selbstverteidigung.

Ein Kleiner Waffenschein liegt zwischen einer Schreckschuss-Pistole "Walther P22", einem Magazin und einer Knallpatrone.

Seit Silvester werden auffällig viele Kleine Waffenscheine beantragt

Nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht gibt es in Stuttgart und anderen Städten im Land eine Antragsflut zum Kleinen Waffenschein. Eine Sprecherin der Landeshauptstadt sagte, dass seit Jahresbeginn 50 Anträge eingegangen seien - etwa für Schreckschuss- oder Reizstoffwaffen. In Stuttgart wurden im gesamten vergangenen Jahr 221 Kleine Waffenscheine beantragt.

In Ulm seien seit den Übergriffen in Köln acht Anträge gestellt und bewilligt worden, berichtet Rainer Türke, Abteilungsleiter Sicherheit, Ordnung und Gewerbe der Stadt. Als Begründungen für den Kleinen Waffenschein würden die Themen Einbruch, die Silvesterübergriffe und Terrorismus genannt. Im vergangenen Jahr wurden in Ulm 24 Anträge gestellt - "aber was in den letzten beiden Wochen lief, ist schon fast ein explosionsartiger Anstieg", sagt der Behördenchef.

Nachfrage auch in Karlsruhe

Nach Auskunft der Stadt Karlsruhe sind im Januar acht Kleine Waffenscheine ausgestellt worden, rund 30 weitere Anträge würden derzeit bearbeitet. Im ganzen Jahr 2015 wurden 145 Scheine erteilt, etwa doppelt so viele wie in den Vorjahren. "Derzeit ist davon auszugehen, dass diese steigende Tendenz weiter anhält", sagte die Sprecherin. Ob die Gründe in den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln und Stuttgart zu finden sind, wollte sie nicht kommentieren.

Der Kleine Waffenschein erlaubt das verdeckte Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen. Man muss dafür mindestens 18 Jahre alt sein, seine Zuverlässigkeit und die persönliche Eignung nachweisen. Geeignet ist zum Beispiel nicht, wer geschäftsunfähig, psychisch krank oder Alkoholiker ist. In Baden-Württemberg wurden im vergangenen Jahr rund 43.000 Kleine Waffenscheine ausgestellt.

Innenministerium warnt vor Waffen zur Selbstverteidigung

Ein Sprecher des Innenministeriums warnte, es sei nicht sinnvoll, dass sich Bürger vermehrt mit Waffen ausstatten. Sie könnten schwere oder lebensbedrohliche Verletzungen verursachen. Erfahrungen der Polizei zeigten außerdem, dass Waffen und Gegenstände zur Selbstverteidigung oft gegen den eingesetzt würden, der sich schützen möchte. In einem Konfliktfall könnten Waffen die Lage eskalieren lassen. Die Polizei empfiehlt deshalb: "In Konfliktsituationen ist es besser, auf sich aufmerksam zu machen und die Polizei zu Hilfe zu rufen."

Auch der Ulmer Behördenchef für Sicherheit sagt: "Wir weisen jeden Antragsteller darauf hin: Es bringt überhaupt nichts, um die eigene Sicherheit zu erhöhen. Es bewirkt in der Regel, dass die Aggressivität noch gesteigert wird."

Aktuell in Baden-Württemberg