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Porträt Lothar Späth Das Cleverle und Stehaufmännchen

Fast 13 Jahre lang regierte Lothar Späth Baden-Württemberg. Nicht nur sein Start als bundesweit jüngster Ministerpräsident sorgte für Aufsehen, sondern auch sein Rücktritt.

Der gebürtige Sigmaringer, der in Ilsfeld bei Heilbronn aufwuchs, hat ein bewegtes Leben gelebt - eines, das sogar ihn selbst in Erstaunen versetzte, wie Späth einmal feststellte: Er habe "sicherlich viele Fehler" gemacht, aber auch "ein paar vernünftige Entscheidungen getroffen".


Als er das sagte, hatte der CDU-Politiker die größten Stürme seines Lebens lange schon überstanden - nicht ohne Narben und Blessuren, aber doch im Innersten unbeschadet.

Als "Cleverle" wurde Lothar Späth schon in der Frühzeit seiner Karriere gerne tituliert. Später, als die Winde rauer wurden, sprach man von dem "Stehaufmännchen". Ein Weggefährte früher Jahre beschrieb einmal die herausragenden Eigenschaften des umtriebigen Politikers und erfolgreichen Unternehmers: "Er ist außergewöhnlich schnell in seinen Gedanken, er sieht Zusammenhänge sehr früh und ist ein ganz gewandter Verhandler."

Vom Finanzreferenten bis zum Nachfolger von Filbinger

Seine berufliche Laufbahn begann 1960 in Bietigheim (später Bietigheim-Bissingen) nahe Stuttgart. Dort war Lothar Späth zunächst Leiter der Gemeinnützigen Baugenossenschaft der Stadt, dann Finanzreferent und später Bürgermeister, bevor er zur gewerkschaftseigenen Baugesellschaft Neue Heimat wechselte.

Manfred Rommel und Lothar Späth

Späth (r) wird 1978 zum Ministerpräsidenten gewählt. Mitbewerber Rommel gratuliert ihm im Landtag.

Seit 1968 saß er für die CDU im Stuttgarter Landtag und stieg schließlich vollständig in die Landespolitik ein: Er wurde Fraktionschef, Innenminister und im August 1978 - nach dem Sturz von Hans Filbinger (CDU) - mit 40 Jahren Ministerpräsident.

Lothar Späth war das Gegenmodell zum leutseligen "Landesvater" Filbinger: ein Macher, der dem Land einen rasanten Modernisierungskurs verordnete, und quasi ein Vorsitzender der "Baden-Württemberg AG": "Ich glaube, dass dieser Regierungsstil für Baden-Württemberg erfolgreich war, vor allem, was die Wirtschaft, die Arbeitsplätze und die Zukunftsorientierung des deutschen Südwestens angeht", bilanzierte Späth einmal.

Viele Ideen fürs Land und viele Schulden

Tatsächlich managte er erfolgreich den Strukturwandel in Baden-Württemberg: Kunst, Kultur und Wissenschaft blühten unter seiner engagierten Führung auf. Geld spielte für ihn keine Rolle, wichtig war die zündende Idee, die treffende Schlagzeile. Der Preis für den Erfolg: ein immer bedrohlicher wachsender Schuldenberg. Und 1989 der erste Tiefschlag auf dem CDU-Parteitag in Bremen: Die Delegierten straften Späth für einen "Putsch"-Versuch einer Handvoll Christdemokraten gegen Kanzler Helmut Kohl ab und wählten ihn nicht erneut ins CDU-Präsidium.

"Traumschiff-Affäre" zwingt Späth zum Rücktritt

Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth.

Wegen der "Traumschiff-Affäre" trat Späth am 13. Januar 1991 als Regierungschef zurück.

Seine politische Karriere endete 1991 im Strudel der so genannten Traumschiff-Affäre: Auslöser war sein distanzloser Umgang mit Reichen und Einflussreichen; er nutzte mehr als 550 von Firmen bezahlte Reisen auf Luxusjachten und zu Traumstränden. Die eigene Partei glaubt seinen Beteuerungen nicht mehr, dass er nicht bestechlich sei.

Lothar Späth zog die Konsequenzen und trat als Ministerpräsident zurück.

Nach der Politik: Berater, Jenoptik-Chef und Investmentbanker

Für lange Zeit verschwand Späth völlig von der politischen Bühne, erst Jahre später gab er noch einmal ein paar kurze Gastspiele als Ratgeber und kurzzeitiger Ministeranwärter in Berlin. Schlagzeilen aber machte er weiterhin: jetzt als erfolgreicher Unternehmer und Sanierer ostdeutscher Industriebrachen, als Chef von Jenoptik und zuletzt als Investmentbanker. Nebenher betätigte er sich noch als Talkmaster, Vortragsreisender und Kulturförderer - ein "Hansdampf" noch im Alter, einer, der es zuhause nie lange aushielt, wie er einmal zugab: "Dieses Internationale war schon ein Stück weit meine Welt." Im März 2014 hatte Späth bekanntgegeben, dass er und seine Frau nach 51 Ehejahren getrennte Wege gehen.

Ministerpräsidenten Baden-Württemberg

Die früheren baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (l-r), Stefan Mappus, Günther Oettinger und Lothar Späth (alle CDU)


Autor: Jürgen Schmitz, SWR Landespolitik / Onlinefassung: Biggi Hoffmann

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