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Polizei in BW rüstet sich für Fastnacht Närrisch und sicher - geht das zusammen?

Fastnacht geht in die heiße Phase. Menschenmassen in Städten - Situationen, auf die auch die Polizei nach den Silvesterübergriffen reagiert. Man rüstet sich: mit mehr Personal - und per Facebook und Twitter.

Von Samantha Maier

Polizist vor kostümierten Menschen

Mehr Polizei an Karneval (Sujetbild)

Für eine konkrete Gefahrenlage an Fastnacht gibt es im Stuttgarter Innenministerium derzeit keine Hinweise. Eine abstrakte Gefahr sei aber da. "Abstrakt heißt, dass generell die Gefahr besteht, dass es zum Anschlag kommen kann", sagt Ministeriumssprecher Carsten Dehner. Und man habe nach Silvester die Situation Fastnacht neu eingeschätzt. Nachdem Gruppen von Männern in Erscheinung getreten sind, nachdem es Kriminalität durch Gruppen von ausländischen Männern gab. Nach sexuellen Übergriffen auf Frauen.

Das Innenministerium hat reagiert, einen Plan aufgesetzt, als Richtlinie für die Polizeipräsidien vor Ort, die die Bevölkerung schützen werden, wenn die Narren los sind. Verstärkt Präsenz zeigen, Einsatz von mobiler Videoüberwachung, Aussprechen von Platzverweisen, Bereithalten von Interventionskräften.

Sicherheitskonzept von Polizei, Stadt und Zunft

Und man setze auf die Kooperation von Polizei, Gemeinden und Veranstaltern von Umzügen. "In den vergangenen Jahren lag der Schwerpunkt der Polizei eher darauf, den Verkehr zu regeln", so Dehner. Ab diesem Jahr gehe es verstärkt um die Sicherheit vor Anschlägen.

In Köln waren Frauen in der Silvesternacht vor allem vor dem Hauptbahnhof massiv belästigt worden. Die im Fokus der Ermittlungen stehenden Menschen stammen nach Angaben der Polizei größtenteils aus nordafrikanischen Ländern. Zudem gab es Dutzende Diebstähle und Körperverletzungen.

"Klar, zu hundert Prozent kann man nicht ausschließen, dass es zu einer Straftat kommt", sagt der Sprecher. Das hänge auch damit zusammen, dass grade an Fastnacht viel Alkohol getrunken werde und dadurch die Hemmschwelle zum Beispiel für Sexualdelikte sinke. Aus Sicht des Ministeriumssprechers können sich die Leute, die auf Fastnachtsveranstaltungen gehen, aber sicher fühlen.

Hat die Polizei so viel Personal?

Sicher närrisch unterwegs sein - in Zeiten, in denen die Polizei immer wieder vor Personalmangel warnt? "Wir schaffen es ja immer wieder, unmögliches möglich zu machen", sagt Rüdiger Seidenspinner, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei dem SWR. "Wir haben nicht nur Fastnacht, sondern auch andere Veranstaltungen. Da gehört auch dazu, zu überlegen, worauf wir verzichten können. Wir können ja nicht hergehen und sagen, wir machen das nicht. Das ist unsere Aufgabe", so Seidenspinner. 1,3 Millionen Überstunden habe die Polizei des Landes derzeit angehäuft - durch Einsätze wie an Fastnacht kommen noch einige dazu, meint Seidenspinner.

Auch in Stuttgart werden mehr Einsatzkräfte als sonst vor Ort sein, wenn am Fastnachtsdienstag tausende zum Umzug in die Innenstadt kommen. "Wir sind sowohl uniformiert als auch in zivil unterwegs", sagt Thomas Ulmer, Sprecher der Stuttgarter Polizei. "Die Zivilkräfte sind natürlich entlang der Umzugsstrecke unterwegs, aber auch in dem Bereich hinter dem Umzug." Auf Straßen und Plätze, um schnell zu erkennen, wo eine Gefahr bestehen könnte.

Im Ernstfall schnelle Informationen über Facebook und Twitter

Und Polizeipräsidien wie jenes in Stuttgart setzen auf die Sozialen Medien, um die Bevölkerung zu informieren und im Notfall auch zu warnen. Stuttgart war das erste Präsidium des Landes, das Facebook und Twitter nutzte. Mit den Demonstrationen um Stuttgart 21 fing es an. So weit sind noch nicht alle Polizeipräsidien in Baden-Württemberg.

Neben Stuttgart sind auch Karlsruhe, Konstanz und Mannheim aktiv. Auch sie wollen an Fastnacht über diese Kanäle informieren und Kontakt zur Bevölkerung halten. Einen einheitlichen Hashtag gebe es dafür nicht, heißt es aus dem Innenministerium. Aber in der Regel würden die Schlagworte Polizei und die jeweilige Stadt verwendet. Für die Stuttgarter Polizei eine Möglichkeit, auch junge Leute zu erreichen.

"Dann wird das eine glückselige Fasnet"

Grundsätzlich könne man aber zum Beispiel die sexuellen Übergriffe von Köln in der Silvesternacht nicht mit der Fastnacht in Stuttgart vergleichen. "Wir sprechen hier von einer geordneten Veranstaltung, wo Menschen am Rande von Straßenumzügen stehen", so Ulmer.

Präventiv rät er dazu, Gerätenummern von zum Beispiel Smartphones zuhause zu notieren. So könne man die Geräte orten, wenn sie geklaut werden und sie aus der Ferne abschalten, damit sie für Diebe nicht mehr nutzbar sind. Geld nicht im Geldbeutel in der Handtasche haben, sondern woanders am Körper. Und Seidenspinner von der Gewerkschaft der Polizei meint: "Wenn alle ihren gesunden Menschenverstand einschalten, dann wird das eine glückselige Fasnet."

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