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Neue Vorwürfe gegen Freiburger Sportmedizin Uni Freiburg will "Forschungsskandal" aufklären

Die Kommission, die die Dopingvergangenheit der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg unter die Lupe nimmt, hat offenbar einen weiteren handfesten Skandal ausgegraben. Die Universität Freiburg will für Aufklärung sorgen.

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1:07 min | Do, 7.1.2016 | 18:00 Uhr | SWR Fernsehen BW

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Evaluierungskommission legt Bericht vor

Neue Vorwürfe gegen Freiburger Sportmediziner

Einmal mehr werden schwere Vorwürfe gegen die Universität Freiburg und ihr ehemaliges Institut für Sportmedizin erhoben. Vier Wissenschaftler stehen unter Verdacht Forschungsdaten manipuliert und falsch publiziert haben.

Dem Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten von vier Akademikern soll nachgegangen werden. "Die Universität Freiburg wird nach Prüfung aller Fakten jedes wissenschaftliche Fehlverhalten schonungslos aufdecken und öffentlich machen", hieß es in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme.

Die mit der Aufklärung der Doping-Vergangenheit beauftragte Kommission unter Leitung von Letizia Paoli hatte am Mittwoch in einer Pressemitteilung auf einen "Forschungsskandal" hingewiesen: Bei ihren Untersuchungen seien zahlreiche sportmedizinische Arbeiten mit zum Teil erheblichen wissenschaftlichen Mängeln entdeckt worden. "Dies ist eine neue Dimension wissenschaftlichen Fehlverhaltens mit möglicherweise gravierenden Folgen für das Fach Sportmedizin und den gesamten betroffenen Wissenschaftsbetrieb", betonte sie.

Einige der Arbeiten aus den Jahren nach 1980 beruhten wohl auf Fälschungen von Daten und Plagiaten. Originaldaten aus ursprünglichen Arbeiten seien weggelassen worden, wissenschaftliche Arbeiten "mit geringfügigen Änderungen ohne entsprechenden Hinweis mehrfach in unterschiedlichen Fachzeitschriften publiziert" worden. Zudem seien fehlerhafte Publikationen die Grundlage für erfolgreiche Bewerbungen auf Lehrstühle und Forschungsanträge gewesen. Ob ein Zusammenhang zu der Doping-Vergangenheit der Universität besteht, teilte die Kommission nicht mit.

Universität kritisiert Kommissionsvorsitzende

Ein Sprecher der Universität sagte im Gespräch mit der "Badischen Zeitung" (Mittwochsausgabe), dass die Kommissionsvorsitzende Paoli "entgegen der vertraglichen Vereinbarungen" mit ihren Erkenntnissen an die Öffentlichkeit getreten sei. Ursprünglich hatten Kommission und Universität vereinbart, erst nach Abschluss der Untersuchungen Details zu veröffentlichen.

Kommission fordert zur Mithilfe auf

Die Kommission bat alle Wissenschaftler, die in die Forschungsarbeiten der Abteilung Sportmedizin von 1980 bis 2000 involviert waren, sich umgehend zu melden. Außerdem solle eine spezielle Task Force eingesetzt werden, um die entsprechenden Autoren und Co-Autoren zu überprüfen. Denn: "Es kann nicht Aufgabe der Evaluationskommission sein, das vorliegende Fehlverhalten zu beurteilen", sagte Paoli.

Das Universitätsrektorat, das Wissenschaftsministerium und der Wissenschaftsrat seien mit einem 16-seitigen Kurzbericht bereits informiert worden, der die Dimensionen zumindest erkennen lässt. Ein ausführlicher Bericht solle folgen.

Im Juni 2007 war die Kommission zur Untersuchung der Doping-Vorwürfe gegen Sportmediziner der Universität Freiburg eingesetzt worden. Der Abschlussbericht soll in den kommenden Wochen vorgelegt werden.

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