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Nach schwerer Krankheit Früherer Ministerpräsident Späth gestorben

Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth ist im Alter von 78 Jahren verstorben. Politiker aller Couleur trauern um den ehemaligen Landesvater.

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2:26 min | Fr, 18.3.2016 | 19:30 Uhr | SWR Fernsehen BW

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Früherer Ministerpräsident

Lothar Späth ist tot

Quirlig und voller Ideen: So kannte man Lothar Späth als baden-württembergischen Ministerpräsidenten. Nun ist das "Cleverle" gestorben. Über alle Parteien hinweg ist die Trauer groß.

Den Tod Späths bestätigte am Freitagvormittag das Staatsministerium in Stuttgart. Der Politiker starb nach Angaben der CDU-Nordwürttemberg am Freitagmorgen nach schwerer Krankheit. Späth lebte seit einigen Wochen in einem Pflegeheim nahe Stuttgart. Der gebürtige Sigmaringer soll an Demenz und Alzheimer gelitten haben.

Der CDU-Politiker Späth regierte Baden-Württemberg von 1978 bis 1991. Er beerbte damals Hans Filbinger als Ministerpräsidenten, der damals wegen seiner Rolle als Militärrichter im Dritten Reich zurücktreten musste. 1968 wurde Späth erstmals in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt, 1972 wurde er Fraktionsvorsitzender. 1978 wurde er von Filbinger zum Innenminister ernannt, bevor er diesen als Regierungschef beerbte.

Auch nach seinem Ausscheiden aus der Politik 1991 war er in der Öffentlichkeit und der Wirtschaft stets aktiv. In Thüringen hatte Späth sich mit dem Umbau und der Sanierung von Jenoptik befasst. Seit einigen Jahren hatte Späth auf öffentliche Auftritte aber zunehmend verzichtet. "Er hat sich ins Privatleben zurückgezogen", sagte eine CDU-Sprecherin unlängst im baden-württembergischen Wahlkampf.

Baden-Württemberg und Deutschland trauern

Baden-Württemberg habe durch den Tod von Lothar Späth eine herausragende und prägende Persönlichkeit verloren, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Freitag. "Er war ein Visionär im besten Sinne, weltoffen, mit Weitblick, mutig und bürgernah". Das "Cleverle" habe das Land weit nach vorne gebracht und modernisiert, so Kretschmann weiter.

Das sieht auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) so: "Seine politischen Erfolge und sein langjähriges Engagement für die Menschen unseres Landes brachten ihm über Parteigrenzen hinweg großen Respekt und Anerkennung ein. Mit Lothar Späth verliert unser Land einen bedeutenden Politiker."

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte auch die Lebensleistung von Späth: Als Ministerpräsident von Baden-Württemberg habe sich Späth bleibende Verdienste erworben. "Mit eigenständigen und zuweilen unbequemen Standpunkten vertrat er konsequent die Interessen seiner Landsleute", schrieb Gauck am Freitag. "Lothar Späth hat sich um unser Land verdient gemacht. Wir werden ihn nicht vergessen."

Christdemokraten trauern um "herausragende Persönlichkeit"

Einer von Späths Amtsnachfolgern, der heutige EU-Digital-Kommissar Günther Oettinger, drückte seine Trauer via "Twitter" aus: "Ich bin sehr traurig. Lothar Späth war in meinem Leben einer meiner wichtigsten Ratgeber. Deutschland verliert eine herausragende Persönlichkeit. Er hat für BW als MP & Vordenker viele innovative Projekte entwickelt, die für Wettbewerbsfähigkeit Landes entscheid sind." Ex-Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) sagte den "Stuttgarter Nachrichten": "Ich verliere einen sehr guten Freund."

Auch CDU-Landeschef Thomas Strobl würdigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur die innovativen Ideen des früheren Landesvaters: "Lothar Späth hat das Land Baden-Württemberg in einem modernen und zukunftsweisenden Sinne erfolgreich und positiv geprägt. Er war mir lange persönlich ein liebevoller und kluger Ratgeber. Ich bin sehr traurig."

Politiker aller Couleur würdigen Späths Lebensleistung

Der FDP-Fraktionschef im baden-württembergischen Landtag Hans-Ulrich Rülke sagte, er trauere um einen ganz Großen der Landespolitik: "Lothar Späth war vielleicht der größte Ministerpräsident, den es je in Baden-Württemberg gab."

Auch SPD-Landeschef Nils Schmid bedauert den Tod des Landespolitikers Späth: "Es war ein viel zu früher Tod. Er war ein wahres Energiebündel der Landespolitik und hat Weichen dafür gestellt, dass Baden-Württemberg zum Innovationsland werden konnte."

Bundesrat würdigt "großartige Verdienste" in Ost und West

Auch der Bundesrat gedachte Freitag Späth. Dieser habe sich "großartige Verdienste" um sein Bundesland erworben, sagte Bundesratspräsident Stanislaw Tillich (CDU) am Freitag während einer Sitzung der Länderkammer. Auch beim Aufbau der ostdeutschen Bundesländer sei man ihm "zu großem Dank verpflichtet", das gelte für Sachsen, aber auch für Thüringen und das Unternehmen Jenoptik. "Wir teilen die Trauer der Angehörigen um Lothar Späth." Er sei "ein großartiger Politiker der Bundesrepublik Deutschland" gewesen.

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