Bitte warten...

Missbrauchsfälle in Brüdergemeinde Korntal Aufarbeitung liegt endgültig auf Eis

Die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in den Heimen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal ist wohl endgültig gescheitert. Die Gemeinde lehnt einen neuen "Chefaufklärer" ab.

Brüdergemeinde Korntal

Vorerst keine Aufarbeitung in Korntaler Brüdergemeinde

Die Brüdergemeinde brach den Dialog mit den mutmaßlichen Opfern am Dienstag ab. Einen von den Opfern gewünschten "Chefaufklärer" werde die Gemeinde nicht befürworten oder gar bezahlen, teilte der Pressesprecher der Brüdergemeinde mit. Eine gemeinsame Aufarbeitung der Vorwürfe ist damit nach mehr als einem Jahr des Ringens um die Bedingungen in weite Ferne gerückt.

Bei dem "Chefaufklärer" handelt es sich um den Juristen Ulrich Weber aus Regensburg, der als Wunschkandidat der Betroffenen gilt. Opfervertreter Detlev Zander hatte der Brüdergemeinde am Montag Gespräche über diese Zusammenarbeit angeboten, nachdem das wissenschaftliche Team um die Landshuter Professorin Mechthild Wolff seinen Rückzug erklärt hatte. Die Beteiligten begründeten ihre Entscheidung mit dem offen geäußerten Misstrauen der ehemaligen Heimkinder gegenüber dem Team und seiner Leiterin. Auch deren Kritik an dem Projekt selbst habe dazu geführt.

Streit über Aufarbeitung gärt lange

"Ohne Sie, die während Ihres Aufenthalts in den Kinderheimen von Missbrauch, Misshandlung und anderen Unrechtstaten betroffen waren, ist Aufarbeitung nicht möglich", schrieben Wissenschaftlerin Wolff und ihr Team an die Betroffenen. In den vergangenen Wochen war es immer wieder zu Auseinandersetzungen über Art und Leitung der Aufarbeitung gekommen. Darüber hatten sich zudem einige der ehemaligen Heimkinder zerstritten.

Die Brüdergemeinde nahm die Entscheidung von Wolffs Kommission mit "großer Enttäuschung" zur Kenntnis. "So wird eine große Chance vorerst vertan, die Geschehnisse in den Kinderheimen unabhängig aufzuklären." Es sei aber auch klar, dass gegen den Willen der Betroffenen keine Aufklärung möglich sei, hieß es in einer Pressemitteilung der Brüdergemeinde.

In den Kinderheimen der Gemeinde sollen nach Angaben der Opfervertreter zwischen 1959 und 1975 Kinder sexuell missbraucht, misshandelt und gedemütigt worden sein. Die Brüdergemeinde geht davon aus, dass einiges davon stimmt.

Aktuell in Baden-Württemberg