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Massiver Stickoxid-Ausstoß Mercedes-C-Klasse-Autos in der Kritik

Wegen extrem hoher Abgaswerte geht die Deutsche Umwelthilfe gegen die Mercedes C-Klasse 220 CDI BlueTec vor. Die Stickoxid-Grenzwerte würden gerade bei innerstädtischem Tempo massiv überschritten.

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1:30 min | Di, 2.2.2016 | 19:30 Uhr | SWR Fernsehen BW

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Streit um Abgaswerte

Umwelthilfe will Mercedes-Rückruf erreichen

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) legt im Streit mit Daimler um angeblich erhöhte Abgaswerte nach. Der eingetragene Verein hat nach eigenen Angaben den Entzug der Typgenehmigung oder einen Rückruf für die Mercedes C-Klasse 220 CDi beim Kraftfahrtbundesamt (KBA) beantragt.

Von Martin Thiel, SWR Umweltredaktion

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat beim Kraftfahrtbundesamt den Entzug der Typgenehmigung für die Mercedes C-Klasse 220 CDI BlueTec beantragt. Auch sollten alle bereits zugelassenen Fahrzeuge des Modells zurückgerufen werden. Der Grund: Messungen des holländischen TÜVs hatten ergeben, dass ausgerechnet das C-Klasse Modell 220 CDI BlueTec, das der Euro-6-Norm entspricht, die schlechtesten Abgaswerte aufzeigte. Bei innerstädtischen Geschwindigkeiten wurden Grenzwert-Überschreitungen bei Stickoxiden (NO2) um mehr als das Zehnfache gemessen.

DUH: Einfahrt in die Umweltzone verbieten

Die NO2-Belastung in der Atemluft wird für mehr als 10.000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich gemacht. Deshalb fordert die DUH Städte mit einer hohen NO2-Belastung wie Stuttgart auf, der Mercedes C-Klasse 220 CDI BlueTec die Einfahrt in die Umweltzonen zu verbieten, sobald die Temperaturen unter zehn Grad fallen.

Vorwurf: Mercedes schaltet die Abgasreinigung ab

Denn: Die Abgasreinigung dieses Fahrzeugtyps werde bei Temperaturen unter zehn Grad Celsius faktisch abgeschalten, wirft Jürgen Resch, der Bundesgeschäftsführer der DUH, Mercedes vor. Diese Temperaturen entsprechen aber den typischen mitteleuropäischen Jahresdurchschnittstemperaturen. Das sei vorsätzliche Körperverletzung mit Todesfolge in vielen Tausend Fällen, so Resch.

Nach Auffassung der DUH verstößt Mercedes gegen die EU-Zulassungsvorschrift für Diesel-Pkw, die eine funktionierende Emissionsminderung bei normalen Temperaturen verlangt. Der Vorwurf der DUH: Mercedes benutzt eine Abschalteinrichtung, die für Ausnahmefälle zulässig ist, um Bauteile bei extrem Bedingungen zu schützen.

Hermann will neue Gespräche mit Daimler

Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sagte mit Blick auf die Vorwürfe, Daimler habe in Gesprächen mit seinem Ministerium versichert, dass es keine Betrugsmanöver gebe. Weil man die Vorwürfe aber ernst nehme, werde man erneut das Gespräch suchen und um Aufklärung bitten. Trotzdem geht Hermann nach eigener Aussage nicht davon aus, dass die Firmen im Land betrügen.

Das Kraftfahrtbundesamt muss nun prüfen ob das C-Klasse-Modell eine erlaubte oder verbotene Abschalteinrichtung in seiner Motorsteuersoftware hat. Die Behörde erklärte, sie führe wegen der VW-Abgasmanipulation "eigene umfangreiche Untersuchungen bei mehr als 50 Fahrzeugen der marktbestimmenden Hersteller durch". Die Untersuchungen dauerten noch an, ein Gesamtergebnis liege noch nicht vor.

Online-Fassung: Thurit Kriener

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