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Mannheimer Prozess um tödliches Liebesspiel Richter krank, Verhandlung ausgesetzt

Der Amtsgerichtsprozess um ein tödliches Liebesspiel, bei dem eine Frau an einer Gurke erstickte, wird bis auf weiteres ausgesetzt. Wann der Prozess fortgesetzt wird, steht nicht fest.

Gebäude des Amtsgerichts Mannheim aus Froschperspektive

Prozess vor dem Amtsgericht Mannheim

Das Mannheimer Amtsgericht teilte per Mail mit, die Hauptverhandlung könne am Freitag nicht stattfinden, da der Vorsitzende Richter erkrankt sei. Zur Dauer der Erkrankung könne man nichts sagen. Es sei unklar, wann die Hauptverhandlung fortgesetzt wird. Sollte sie mehr als drei Wochen unterbrochen werden, müsste sie neu beginnen, so das Gericht.

Salatgurke in Hals gesteckt

Auftakt des Prozesses war am Dienstag (23.2.16). Angeklagt ist ein Mann, der sich wegen fahrlässiger Tötung verantworten muss. Laut Staatsanwaltschaft hatte der Mann seiner 46 Jahre alten Freundin im Sommer vor zwei Jahren in seiner Wohnung in Mannheim beim Liebesspiel eine halbe Salatgurke in den Rachen gesteckt. Die Frau sei damit einverstanden gewesen, wie der Angeklagte am Dienstag vor Gericht erklärte.

"Übliche Sexualspielart"

Solche Sexualpraktiken gehörten zu den üblichen Spielarten des Paares, sagte der gelernte Versicherungskaufmann vor Gericht. Seine Freundin sei durch Würgen, beziehungsweise Atemnot sexuell erregt worden. Diesen Zustand habe er bei ihr aber immer nur höchstens fünf bis zehn Sekunden herbeigeführt. Am Tatabend im Sommer 2014 sei er dann aber abgelenkt worden - und zwar durch Brandgeruch aus der Küche. Ursache war nach Angaben des Mannes Essen auf dem Herd, das er vergessen hatte.

Auf Balkon Zigarette geraucht

Der Mann habe in dem Moment keine Gefahr für die Frau wahrgenommen, so der Angeklagte. Deshalb sei er in die Küche gelaufen, um das Essen vom Herd zu nehmen. Danach habe er auf dem Balkon noch eine Zigarette geraucht und sei dann zurück zu seiner Freundin. Sie sei zu diesem Zeitpunkt – rund zehn Minuten nachdem er sie alleine gelassen hatte – bereits bewusstlos gewesen. Sie sei offenbar nicht in der Lage gewesen, die tief in ihrem Rachen steckende Salatgurke selbst zu entfernen.

Starker Alkoholkonsum

Ein Grund dafür könnte der starke Alkoholkonsum der Frau an dem Tag gewesen sein. Später wurde ein Wert von 2,8 Promille gemessen, beim Angeklagten knapp 2,4 Promille. Vor dem Liebesspiel hatte das Paar nach Angaben des Mannes drei Liter Wein getrunken und dazu noch Schnaps. Der Angeklagte hatte zunächst die Polizei alarmiert und war mit der Rettungsleitstelle verbunden worden. Dort landete er aber zunächst in der Warteschleife. Der Mitarbeiter der Leitstelle gab dem Mann schließlich Anweisungen, wie er die Atmung der Frau wieder in Gang bringen könnte. Ohne Erfolg.

Frau starb im Krankenhaus

Auch die Notärztin konnte später nicht mehr helfen. Die Frau kam nicht mehr zu sich und starb zwei Wochen später im Krankenhaus. Der 46 Jahre alte gebürtige Münchener sagte am Dienstag vor Gericht, er sei alkoholabhängig und leide an einer psychischen Störung. Der Richter geht derzeit von einer fahrlässigen Tötung aus – mit einem Strafrahmen zwischen einer Geldstrafe und bis zu fünf Jahren Haft.

Familie des Opfers fordert Geld

Vor Gericht kam am Dienstag auch ein laufendes Zivilverfahren gegen den Mann zur Sprache. Darin fordert die Familie des Opfers 100.000 Euro von dem Angeklagten. Ob es sich dabei um eine Schmerzensgeldforderung handelt, ist unklar. Dieser Zivilprozess ruht laut Gericht aber bis nach der Urteilsverkündung des Prozesses um die fahrlässige Tötung.

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