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Massiver Abbau bei General Electric Mehr als 1.000 Stellen in akuter Gefahr

Dramatischer Kahlschlag beim Kraftwerkskonzern General Electric: Im ehemaligen Mannheimer Alstom-Werk sollen 1.066 Stellen gestrichen werden. Auch in Stuttgart wird massiv abgebaut.

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1:16 min | Mi, 13.1.2016 | 16:00 Uhr | SWR Fernsehen BW

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Ehemaliges Alstom-Werk in Mannheim

Mitarbeiter protestieren gegen Jobverlust

General Electric, der Besitzer des ehemaligen Alstom-Werks in Mannheim, will 1.066 Arbeitsplätze abbauen. Dagegen hat die Belegschaft am Mittwoch lautstark protestiert.

Bei den Mitarbeitern von General Electric geht die Angst um. Seit der US-Konzern im vergangenen Jahr die Energiesparte des französischen Alstom-Konzerns übernommen hat, fürchten viele Beschäftigte um ihren Job. Und das offenbar zu Recht: In den vergangenen Tagen haben sich laut Gewerkschaft die Anzeichen dafür verdichtet, dass GE einen massiven Stellenabbau vor allem am Standort Mannheim plant.

Bei einer Betriebsversammlung am Mittwoch wurden nach SWR-Informationen erstmals konkrete Zahlen genannt. Demnach plant GE allein in Mannheim den Abbau von 1.066 Stellen in den kommenden zwei Jahren. Noch arbeiten hier etwa 1.800 Menschen. Nach der Versammlung starteten die Mitarbeiter zu einer großen Protestkundgebung vom Werkstor im Stadtteil Käfertal zum Mannheimer Marktplatz.

Produktion in Mannheim soll komplett geschlossen werden

Plakat mit Protest gegen Stellenabbau

Das Ende einer langen Geschichte?

Laut Reinhold Götz von der Mannheimer IG Metall soll der gesamte Bereich der Produktion in Mannheim geschlossen werden; weitere Bereiche wie etwa Service würden "rasiert". Für den Gewerkschafter eine klare Kampfansage. Götz kündigte massiven und monatelangen Widerstand "mit allen ökonomischen, juristischen, politischen und tariflichen Mitteln" an. Es werde Auseinandersetzungen geben, wie man sie in Mannheim in den vergangenen Jahrzehnten nicht erlebt habe.

Europaweit 6.500 Arbeitsplätze bedroht, in Stuttgart 255

In ganz Europa will GE sogar 6.500 Stellen streichen. Das bestätigte ein GE-Sprecher in Paris. In Deutschland sind nach Angaben des Unternehmens bis zu 1.700 Arbeitsplätze betroffen; neben Mannheim sind das die Standorte Stuttgart, Bexbach im Saarland und Wiesbaden. In Stuttgart sollen laut IG Metall 255 von 380 Arbeitsplätzen abgebaut werden. Auch dort protestierten am Mittwoch laut Gewerkschaft mehr als 200 Beschäftigte gegen die Pläne. Das Unternehmen hat in Europa rund 35.000 Mitarbeiter. GE wolle seine Geschäfte in Deutschland an das gegenwärtige Marktumfeld der europäischen Energieerzeugung anpassen, hieß es. Vor allem die Stromerzeugung mit Gas- und Dampfturbinen sei in den vergangenen Jahren signifikant zurückgegangen.

Mannheims OB in "großer Sorge"

Kundgebung bei Alstom im Jahr 2005

Protestkundgebungen haben bei Alstom schon Tradition (hier im Jahr 2005)

Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) betrachtet die aktuellen Entwicklung nach eigenen Angaben "mit großer Sorge" und sprach von einer "Katastrophe". Die Arbeitnehmerseite habe gemeinsam mit der IG Metall ein "konstruktives Zukunftskonzept" erarbeitet. Es sei "bedauerlich, dass General Electric darauf nicht eingegangen ist", so Kurz.

Der Oberbürgermeister hatte im Vorfeld Gespräche mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und dem baden-württembergischen Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) über die Zukunft des Konzerns geführt. Gabriel selbst hatte das Alstom-Werk im vergangenen Jahr besucht und sich dort äußerst optimistisch gezeigt.

Das Mannheimer Alstom-Werk hat eine lange Geschichte - und mehrfach den Besitzer gewechselt. Mannheim war ursprünglich Stammsitz der deutschen BBC. Nach der Übernahme durch den schwedisch-schweizerischen ABB-Konzern gehörte es jahrelang zum französischen Alstom-Konzern, bevor schließlich GE einstieg. Zeitweise arbeiteten im Mannheimer Werk fast 10.000 Menschen.
Zuletzt hatten rund 800 Alstom-Mitarbeiter im Juni 2015 bei einer Protestkundgebung auf ihre Situation aufmerksam gemacht.

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