Bitte warten...

XXXL-Skandal bei Mann Mobilia Arbeitsgericht gibt Betriebsrat Recht

Die Freistellung von 99 Beschäftigten der XXXL-Lutz Gruppe in Mannheim beschäftigt auch das Arbeitsgericht. Jetzt gibt es eine erste Entscheidung. Der Betriebsrat wertet sie als Erfolg.

Um das Video abspielen zu können, benötigen Sie Javascript. Bitte aktivieren Sie dies in Ihrem Browser.

1:06 min

Mehr Info

Streit um Freistellungen bei XXXL

Betriebsrat verbucht Etappensieg

Monika Regelin

Der Streit um die Freistellung von 99 Mitarbeitern bei Mann Mobilia in Mannheim dauert an. Aber vor dem Arbeitsgericht verbuchte der Betriebsrat einen ersten Erfolg.

Der Betriebsrat kann demnach an seinem bisherigen Standort bleiben. In der vergangenen Woche hatte die Geschäftsleitung angekündigt, der Betriebsrat müsse sein Büro räumen und in andere Räume außerhalb des Firmengeländes umziehen. Begründet wurde das damit, dass die Räume wegen Umbauarbeiten nicht mehr genutzt werden könnten. Diese Entscheidung hat das Arbeitsgericht Mannheim jetzt gekippt.

Gewerkschaft begrüßt Gerichtsentscheidung

Ver.di-Sekretär Stephan Weis-Will begrüßte die Entscheidung. Am Mannheimer XXXL-Standort seien nach wie vor Fuhrparkmitarbeiter beschäftigt, die nicht von der Freistellung betroffen seien. Über die Frage, ob die Freistellung der 99 Mitarbeiter gegen geltendes Arbeitsrecht verstößt, verhandelt das Arbeitsgericht am 16. Februar.

Wie der Betriebsrat am Dienstag mitteilte, gab es über die jeweiligen Anwälte inzwischen Kontakt zur Geschäftsleitung in Würzburg. Als positives Zeichen werte man diesen ersten Kontakt seit Beginn des Skandals aber nicht, hieß es von Seiten des Betriebsrats. Dass es vor der Verhandlung am Arbeitsgericht Gespräche geben wird, sei unwahrscheinlich, sagte Ver.di-Sekretär Stephan Weis-Will.

OB Kurz erinnert an Unternehmens-Leitsätze

Mannheims OB Peter Kurz

Mannheims Oberbürgermeister Kurz mischt sich ein (Archiv)

Vergangene Woche hatte sich Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) mit einem Brief an die Geschäftsführung von XXXL Mann Mobilia gewandt. In seinem Schreiben erinnerte Kurz explizit an die Unternehmensphilosophie der Möbelhaus-Gruppe. Dort heißt es, dass deren Mitarbeiter die tragenden Säulen des Unternehmens seien und man jedem einzelnen mit Respekt begegne. Kurz schrieb, dass die Vorgehensweise des Konzerns diesen Leitsätzen widerspreche. Darüber sei man überrascht und irritiert.

Das Vorgehen der XXXL Gruppe sei am Wirtschaftsstandort Mannheim ein bisher einmaliger Vorgang. Kurz forderte die Geschäftsführung auf, die Entscheidung zu überdenken. Der Oberbürgermeister hatte sich am Donnerstag mit Vertretern des Betriebsrates und von ver.di getroffen, um sich über die Entwicklungen am Standort zu informieren.

Um das Video abspielen zu können, benötigen Sie Javascript. Bitte aktivieren Sie dies in Ihrem Browser.

0:31 min

Mehr Info

Solidarischer Beistand

Unterstützung für die Nachbarn

Monika Regelin

Mitarbeiter von General Electric in Mannheim protestieren - auf dem Weg zu ihrer eigenen Demonstration - mit Mann-Mobilia-Mitarbeitern

Solidarischer Protest von General Electric-Mitarbeitern

Die freigestellten Mitarbeiter bekamen am Donnerstag auch von anderer Seite solidarische Unterstützung. Rund 300 Mitarbeiter von General Electric protestierten gemeinsam mit 60 Mann-Mobilia-Mitarbeitern direkt vor dem Möbelhaus auf dem Parkplatz. Anschließend fuhren die Mitarbeiter von General Electric mit sechs Bussen weiter nach Stuttgart, wo sie am Nachmittag für ihr eigenes Anliegen demonstrieren wollten. Der US-Konzern General Electric will in Baden-Württemberg rund 1.250 Stellen abbauen, davon mehr als 1.000 in Mannheim.

Protest und Platzverweis

Schon am Mittwochmorgen hatten fast alle der knapp 100 betroffenen Mann-Mobilia-Mitarbeiter auf dem Gelände des Unternehmens protestiert. Laut einem Ver.di-Sprecher sei aber nach kurzer Zeit ein Vertreter der Lagerleitung erschienen und habe die Demonstranten vom Gelände verwiesen. Die Proteste wurden daraufhin auf dem Bürgersteig vor dem Möbelhaus weitergeführt.

Die freigestellten Mitarbeiter des Mannheimer Möbelhauses Mann Mobilia protestieren im Morgengrauen.

Die freigestellten Mitarbeiter protestieren im Morgengrauen vor der Filiale

Am Mittwoch wurde außerdem bekannt, dass der Betriebsrat seine Büros im Möbelhaus räumen und in andere Räumlichkeiten abseits des Geländes umziehen soll. "Eine Schweinerei", kommentierte der ver.di-Sprecher. Der Betriebsrat müsse am Standort bleiben, um für die Mitarbeiter da zu sein.

99 Mitarbeiter freigestellt

Die Möbelhauskette hatte 99 Beschäftigte aus der Verwaltung des Mannheimer Zentrallagers am Montag ohne Vorankündigung freigestellt, als diese zur Arbeit erschienen waren. Ver.di-Sekretär Stephan Weis-Will sprach am Dienstag gegenüber dem SWR von einem "Riesenskandal". Die Gewerkschaft kündigte an, eine einstweilige Verfügung zu beantragen. Der Schritt des Möbelhauses verstoße klar gegen das Betriebsverfassungsgesetz. "Der Betriebsrat hätte vorab informiert werden müssen."

Unternehmen spricht von unhaltbaren Zuständen in der Abteilung


Die XXXL Unternehmensgruppe betreibt nach eigenen Angaben in Deutschland 37 Einrichtungshäuser mit insgesamt mehr als 10.500 Mitarbeitern. Das Unternehmen sei in acht europäischen Ländern aktiv und gehöre zu den größten Möbelhändlern der Welt.

Die XXXL-Gruppe mit Sitz in Würzburg begründete ihr Vorgehen damit, dass die betroffene Abteilung seit langem absolut ineffizient gearbeitet habe. "Wir hatten dort unhaltbare Zustände", sagte ein Sprecher. Tausende Aufträge seien mitten im Weihnachtsgeschäft nicht oder verspätet bearbeitet worden, Liefertermine hätten nicht eingehalten werden können. Man habe den Mitarbeitern ihre Freistellung erst am Montagmorgen mitgeteilt, um weitere Beeinträchtigungen der Auftragsabwicklung zu vermeiden.

Aktuell in Baden-Württemberg