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Ehemaliger Helfer in Heidelberger Flüchtlingsunterkunft Bundeswehr und AfD ziehen Konsequenzen

Die Bundeswehr hat einen freiwilligen Helfer des Heidelberger Registrierzentrums entlassen. Außerdem laufen gegen das AfD-Mitglied Ermittlungen seiner Partei. Grund waren fragwürdige Äußerungen.

Arbeiter reinigen in Heidelberg (Baden-Württemberg) in einer Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände des Patrick-Henry-Village die Gehwege.

Das Registrierzentrum in der Ex-US-Wohnsiedlung Patrick-Henry-Village

In einem Interview mit den "Stuttgarter Nachrichten" hatte der Kirchheimer AfD-Landtagskandidat Günter Lenhardt erklärt: "Dem Flüchtling ist es doch egal, an welcher Grenze, an der griechischen oder an der deutschen, er stirbt." Wenn bewaffnete Grenzkontrollen gefordert würden, frage er sich: "Wozu ist eine Waffe da, wenn nicht zum Schießen?" Er hatte sich zum umstrittenen Zitat von AfD-Parteichefin Frauke Petry geäußert, die sich im "Mannheimer Morgen" dafür ausgesprochen hatte, Flüchtlinge notfalls mit Waffengewalt am Grenzübertritt zu hindern.

Röntgenapparat bedient

Lenhardt hatte im Heidelberger Registrierzentrum (Patrick-Henry-Village) einen mobilen Röntgenapparat der Bundeswehr bedient. Ein Bundeswehrsprecher hatte mitgeteilt: "In der Bundeswehr gibt es ein Verbot, sich als Soldat politisch zu äußern". Lenhardt, Stabsunteroffizier der Reserve, tat es trotzdem. Konsequenz: Am Donnerstag hat ihn die Bundeswehr vom Dienst im Heidelberger Registrierzentrum freigestellt. "Die Disziplinarermittlungen gehen weiter", sagte ein Bundeswehr-Sprecher in Stuttgart.

AfD leitet Ermittlungen ein

Der Landesverband der rechtskonservativen Alternative für Deutschland (AfD) teilte mit, Lenhardt, der im AfD-Kreisverbandes Esslingen als Sprecher fungiert, sei am Mittwoch von seinen Parteiämtern zurückgetreten. Zugleich sei gegen Lenhardt ein parteiinternes Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte AfD-Landesprecher Lothar Maier.

Lenhardt bedauert Äußerungen

Lenhardt bedauert seine Worte nach AfD-Angaben inzwischen. Es sei ihm darum gegangen, festzustellen, dass die Aussagen von Frauke Petry und dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) zur Grenzsicherung sich von der Sache her nicht unterscheiden. "Mit dem einzigen Unterschied, dass Petry die deutsche und Palmer die europäische Grenze schützen will, wozu im Extremfall auch der Einsatz von Waffen gehöre. Die Worte waren missverständlich gewählt. Ich bitte um Entschuldigung, wenn sich dadurch jemand angegriffen fühlen sollte", sagte er laut einer vom AfD-Kreisverband Esslingen verbreiteten Mitteilung.

Partei distanziert sich

Der gesamte Kreisverband Esslingen distanziere sich "von allen Versuchen, einen Zusammenhang zwischen dem dienstlichen Tragen einer Schusswaffe zur Selbstverteidigung und deren Gebrauch gegen Flüchtlinge herzustellen", hieß es in der Mitteilung weiter.

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