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Kritik an Sicherheitsdiensten nach Handgranatenwurf Insider erhebt schwere Vorwürfe

Nach dem Handgranatenwurf auf den Wachdienst eines Flüchtlingsheims in Villingen-Schwenningen steht die Security-Firma in der Kritik. Ein Insider berichtet dem SWR, wie Mitarbeiter angeblich um ihren Lohn betrogen werden.

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2:16 min | Fr, 12.2.2016 | 19:30 Uhr | SWR Fernsehen BW

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Sicherheitsfirmen in der Kritik

Großer Betrug um Löhne?

Zwei Insider beschuldigen die Firma, auf deren Wach-Container in Villingen-Schwenningen eine Handgranate geworfen wurde, ihre Angestellten massiv um Löhne betrogen zu haben. 

Die Polizei hat mehrere Security-Firmen im Schwarzwald-Baar-Kreis durchsucht und nach Informationen des Südwestrundfunks (SWR) dabei auch zahlreiche Unterlagen beschlagnahmt. Den Recherchen des SWR zufolge sollen sich die Sicherheitsunternehmen unerlaubt abgesprochen haben, wer welches Flüchtlingsheim übernimmt, damit alle am großen Geschäft beteiligt sein können.

Ein Informant aus der Security-Szene erhebt nun schwere Vorwürfe gegen die Firma, auf die die Handgranate geworfen wurde. Das Unternehmen soll seine Angestellten massiv um Löhne betrogen haben: "Es herrscht Krieg zwischen den Unternehmen, das ist wie ein kalter Krieg." Mitarbeiter in Subunternehmen bekämen ihren Lohn nicht rechtzeitig und seien dann natürlich verärgert. Es würden die Löhne benutzt, um die Leute unter Druck zu setzen. "Sie benutzen Propaganda, wie 'bei mir kommt der Lohn rechtzeitig', um Leute auf andere Unternehmen zu bringen", so der Insider weiter.

Frust eines Mitarbeiters als Motiv?

Der Informant ist in der Security-Branche tätig, beteuert aber, mit dem Angriff nichts zu tun zu haben. Seine Berichte über die angeblichen Machenschaften der betroffenen Security-Firma werfen aber die Frage auf: Könnte ein um sein Lohn betrogener Mitarbeiter in seinem Frust die Handgranate geworfen haben? Die Firma, die Ziel des Anschlags war, streitet die Vorwürfe jedoch vehement ab. Sie bestätigt aber, die Polizei ermittle weiter, habe sämtliche Lohn- und Vertragsunterlagen beschlagnahmt.

Am 29. Januar war eine mit Sprengstoff gefüllte Granate vor dem Container der Wachleute eines Flüchtlingsheims in Villingen-Schwenningen aufgeschlagen, aber nicht explodiert. Verletzt wurde niemand.

Neue Gerüchte über Auftragstäter aus dem Ausland

Für die Kontrolle der Sicherheitsdienste ist das Regierungspräsidium Freiburg zuständig. "Wir haben über die Verträge hinaus vier Personen in jeder Erstaufnahmeeinrichtung bei uns vor Ort, die ständig mit den Sicherheitsdiensten in Kontakt sind und ständig eine Kontrolle haben", sagt Matthias Henrich, stellvertretender Pressereferent des Regierungspräsidiums. "Das heißt wir haben echt vor Ort ein Auge drauf, was die da machen, und wie es läuft." Über die Gehälter könne das Regierungspräsidium nichts sagen, weil das Sache des Unternehmens sei, wie es das mit seinen Mitarbeitern regele.

All das könnte erklären, warum die Firma zum Ziel des Anschlags wurde. Ob tatsächlich die vier Festgenommenen dahinter stecken, ist fragwürdig. Dem SWR wurde von verschiedenen Personen aus der Sicherheitsbranche bestätigt, dass die Polizei weiter auf Hochtouren ermittelt - trotz der Festnahmen. Das würde auch zu den neuesten Gerüchten passen: nämlich, dass bisher unbekannte Täter aus dem Ausland für den Handgranatenwurf angeheuert worden sein sollen.

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