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Kirchentag in Stuttgart Appelle für Frieden und Flüchtlinge

Internationale Themen haben den vorletzten Tag des Kirchentags geprägt. Kofi Annan setzte sich für Flüchtlinge ein, Steinmeier erinnerte an Verantwortung - und Menschen bildeten eine Friedenskette.

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1:00 min | Sa, 6.6.2015 | 18:00 Uhr | SWR Fernsehen BW

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Stuttgart

Kirchentags-Diskussion um Krieg und Frieden

Der frühere UN-Generalsekretär Annan und Außenminister Steinmeier waren zu Gast beim Kirchentag in Stuttgart. Es ging um Krisen und Kriege in der Welt - wie bei einer weiteren Aktion.

Annan sagte am Samstag auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart, die zahlreichen Konflikte etwa in Syrien oder in der Ukraine verlangten ein internationales Eingreifen, um Zivilisten zu schützen und Friedenslösungen zu erreichen. Der UN-Sicherheitsrat, aber auch die Weltbank oder der Weltwährungsfonds arbeiteten jedoch noch immer in ihren Strukturen aus der Nachkriegszeit. Damit seien sie nicht in der Lage, auf die neuen Konflikte zu reagieren.

"Ich bitte Sie, diesen Weg der Menschlichkeit weiterzugehen"

Annan rief auch zu einer menschlichen Flüchtlingspolitik auf. Das Zuwanderungsproblem könne nicht einfach mit höheren Zäunen oder einer Politik der Abschottung gelöst werden.

Deutschland sei in dieser Frage vergleichsweise offen und habe viele Migranten aufgenommen, die vor Gewalt und Armut geflohen seien. "Ich bitte Sie dringend, diesen Weg der Menschlichkeit weiterzugehen", appellierte Annan.

Welt aus den Fugen?

"Die Welt ist aus den Fugen - Wer übernimmt Verantwortung in Krisen und Konflikten?" - unter dieser Überschrift diskutierten Annan, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Bischof Nick Baines aus Großbritannien vor mehr als 10.000 Zuhörern in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle.

Mit großer Leidenschaft forderte Steinmeier ein starkes Engagement Deutschlands für den Frieden in der Welt. Vor 70 Jahren sei Deutschland der Brandstifter der Welt gewesen und müsse heute besonders zur Stiftung von Ordnung in der Welt beitragen.

Angesichts zahlreicher neuer Kriege und Konflikte hätten viele Menschen das Gefühl, die Welt sei aus den Fugen geraten. Rückzug und Resignation seien jedoch keine Lösung, rief Steinmeier den Zuhörern zu. Die Suche nach Frieden sei immer anstrengend, voller Risiko, oft von Zweifeln begleitet. Aber, so Steinmeier, Heraushalten sei keine Alternative. Am Ende trügen wir Verantwortung für unser Handeln wie für unser Nicht-Handeln.

Protestaktionen gegen Krieg

Demonstranten reihen sich am 06.06.2015 in Stuttgart (Baden-Württemberg) am Rande des Evangelischen Kirchentags zu einer Friedenskette zusammen.

Aktion für den Frieden: Menschenkette in Stuttgart

Um Krieg und Gewalt ging es auch bei der "Menschenkette für den Frieden", die mehrere hundert Besucher des Kirchentags am Samstag in der Stuttgarter Innenstadt schlossen. Unter dem Motto "We love your faces, but not your bases!" hatten mehrere Organisationen und Friedensinitiativen zum Protest gegen die Stuttgarter US-Kommandozentralen Africom und Eucom aufgerufen.

"Von Stuttgart darf kein Krieg ausgehen", riefen die Organisatoren. Auch die Theologin Margot Käßmann reihte sich ein. Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland kritisierte, dass das Thema Frieden beim Glaubensfest in Stuttgart keine größere Rolle gespielt habe.

Die Menschenkette war - trotz geringerer Beteiligung als von den Organisatoren erhofft - die größte Friedensaktion auf dem Kirchentag, allerdings nicht im offiziellen Programm. Später gab es noch am Standort der US-Streitkräfte eine Protestaktion gegen Krieg. 

Parallel zum Kirchentag demonstrierten nach Polizeiangaben am Samstagnachmittag rund 2.000 S21-Gegner im Bereich um den Stuttgarter Hauptbahnhof. Einige der Demonstranten zeigten sich über die Teilnehmerzahl enttäuscht, sie hatten sich mehr Zulauf von Seiten der Kirchentags-Besucher erhofft.

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0:34 min | Sa, 6.6.2015 | 18:00 Uhr | SWR Fernsehen BW

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Stuttgart

Demonstration gegen S21 beim Kirchentag

Mehrere tausend Menschen haben am Samstag während des Deutschen Evangelischen Kirchentags gegen das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 demonstriert.

Kirchentag 2017 in Berlin und Wittenberg

Zum fünftägigen Kirchentag, der am Sonntag mit einem Gottesdienst zu Ende geht, kamen nach Angaben der Veranstalter 97.000 Dauerbesucher, zusätzlich wurden 37.000 Tageskarten verkauft. Das sind 20.000 Teilnehmer weniger als vor zwei Jahren in Hamburg.

Bereits vor dem Abschlussgottesdienst wurde am Samstag die Staffel an die Städte Berlin und Wittenberg übergeben. Dort findet im Jahr 2017 der nächste Evangelische Kirchentag statt. Im Mittelpunkt wird dann das 500-Jahr-Jubiläum der Reformation stehen.

SWR4 und das ZDF übertragen den Abschlussgottesdienst des Kirchentags am Sonntag live zwischen 10.00 Uhr und 11.30 Uhr.

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