Bitte warten...

Kampf gegen "Ransomware" in BW Wenn Kriminelle den Rechner sperren

Lösegeld fordern, nachdem eine Schadsoftware wichtige Daten verschlüsselt oder Zugänge gesperrt hat. Das ist die neueste Masche der Cyberkriminellen. Das LKA verzeichnet eine rapiden Anstieg solcher Fälle.

Computer mit Alarm-Fehlermeldung

Trojaner kommen oft über präparierte Anhänge ins System

Immer häufiger versuchen Kriminelle mit sogenannter Ransomware auf Computern von Unternehmen Geld zu erpressen. "Ransom" heißt auf englisch "Lösegeld", denn diese Schadsoftware infiziert Computer, sperrt Daten oder Zugänge und verlangt dann Geld dafür, sie wieder zu entsperren. Im Jahr 2014 gab es laut Landeskriminalamt (LKA) Baden-Württemberg rund 200 solcher Fälle, 2015 waren es etwa 600, der Anstieg setzt sich in diesem Jahr fort.

Üblicherweise forderten Erpresser mehrere tausend Euro von Firmen, teilweise sei das aber abhängig von der Unternehmensgröße, sagte LKA-Präsident Ralf Michelfelder der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Die Forderungen werden ihm zufolge meist in der digitalen Währung Bitcoin gestellt.

Zuletzt warnte unter anderem das Polizeipräsidium Tuttlingen Firmen vor Bewerbungs-E-Mails, die sich als Trojaner mit dem Namen "Goldeneye" entpuppten. Die Täter versuchen mit der Aktion, von den Opfern Geld für ein Passwort zur Entschlüsselung der Dateien zu erpressen.

"Unser besonderes Anliegen ist es, den Mittelstand zu beraten. Da ist das größte Risiko vorhanden, weil da viel mit Treu und Glauben läuft", sagte Michelfelder. "Wir haben in diesem Jahr bereits 500 Fälle gehabt, in denen sich Betroffene an uns gewandt haben." Allerdings meldeten etliche Betriebe eine Attacke nicht bei der Polizei.

LKA bundesweit federführend

Das baden-württembergische Landeskriminalamt hat derzeit den Vorsitz einer bundesweiten Projektgruppe zum Schutz der kritischen Infrastruktur. Dies sind Einrichtungen und Unternehmen, deren Ausfall die öffentliche Sicherheit beeinträchtigt oder Versorgungsengpässe auslöst - etwa Energieversorger, Transport- und Telekommunikationsunternehmen, Krankenhäuser und staatliche Institutionen.

"Wir sehen im Cybercrime eine ganz große Bedrohung für die Wirtschaft und die Gesellschaft gleichermaßen", sagte der LKA-Chef. "Die Motive sind unter anderem Erpressung, Wirtschaftsspionage, Sabotage oder staatliche gesteuerte Angriffe." Jährlich gibt es nach Angaben des LKA 20.000 Fälle in Baden-Württemberg, bei denen das Internet das Tatmittel ist. Die Zahlen sind laut LKA nur die "Spitze des Eisbergs".

IT-Sicherheit für Unternehmen immer wichtiger

Die IT-Sicherheit müsse in Unternehmen Chefsache sein, schließlich nähmen die Bedrohungen und Angriffe stetig zu, sagte der Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages, Wolfgang Grenke. "Nicht erst seit den bekanntgewordenen Hacker-Angriffen auf die Telekom-Router oder den Industriekonzern Thyssenkrupp ist das Thema IT-Sicherheit ganz oben auf der Agenda unserer Unternehmen."

Aktuell in Baden-Württemberg