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Ermittlungen an Uniklinikum Heidelberg Ärzte tricksten im Kampf um Spenderherzen

Das Universitätsklinikum Heidelberg räumt Manipulationen der Warteliste im Herztransplantationszentrum ein. Es geht offenbar um 33 Fälle in den Jahren 2010 und 2011.

Ärzte und Assistenten stehen am 15.01.2010 in einem Operationssaal einer deutschen Klinik (Illustration zum Thema Operationen).

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen bestätigt (Symbolbild)

Laut Pressestelle des Uniklinikums soll die Dokumentation den Gesundheitszustand der Patienten schlechter dargestellt haben. Beim Testverfahren zur Feststellung der Dringlichkeit einer Transplantation wurde ein Wirkstoff in unterschiedlicher Dosierung eingesetzt, um Patienten auf der Warteliste nach vorne zu rücken. Die Heidelberger Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen aufgenommen.

Waren die Herzpatienten eingeweiht?

Nach Angaben des Leitenden Ärztlichen Direktors der Uniklink Guido Adler wussten die Patienten wohl nichts von den Manipulationen durch Ärzte. Ob andere Schwerkranke deshalb später an ein Spenderherz kamen, sei unklar. "Es ist extrem schwer nachweisbar, dass irgendein anderer Patient dadurch einen Schaden erlitten hat", sagte der Ärztliche Direktor.

Das Herztransplantationszentrum in Heidelberg gehört zu den größten in Deutschland. Seit 1989 wurden dort nach Angaben der Uniklinik mehr als 500 Spenderherzen verpflanzt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt in den Fällen wegen des Verdachts auf versuchter gefährlicher Körperverletzung durch manipulierte Listung von Patienten für eine Herztransplantation. Die Klinik erstattete im August selbst Anzeige gegen Unbekannt. Die bei der Bundesärztekammer angesiedelte Prüfungs- und Überwachungskommission hatte im März Unregelmäßigkeiten bei der Medikamentengabe und Dokumentation festgestellt.

Transplantationsgesetz 2012 nach Skandalen geändert

Bundesweit waren in den vergangenen Jahren Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Spenderorgangen an mehreren deutschen Kliniken bekanntgeworden. Daraufhin war die Zahl der Organspender stark eingebrochen. Das neue, seit 2012 geltende Transplantationsgesetz beinhaltet Vorgaben der Europäischen Union für einheitliche Standards, um Sicherheit und Qualität bei Transplantationen zu gewährleisten.

Das Gesetz verpflichtet außerdem die Krankenkassen, Versicherten über 16 Jahren alle zwei Jahre einen Spenderausweis und entsprechende Informationen zuzusenden, damit sie sich bewusst für oder gegen eine Organspende nach dem Tod entscheiden. In Deutschland warten derzeit mehr als 10.000 Menschen auf ein Spenderorgan.

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