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Flüchtlingskriminalität in BW Statistik gegen Vorurteile

Von Kai Laufen / Reporter und Recherche

Mit den Flüchtlingszahlen steigen die Straftaten in Baden-Württemberg - aber nicht so sehr, wie man vermuten würde. Das belegt die Kriminalitätsstatistik, die manch interessantes Detail bietet.

Die Kriminalstatistik berücksichtigt nur den Status des Tatverdächtigen - nicht aber, wie lange ein Flüchtling oder Asylbewerber schon da ist. Es ist aber die einzige Relation, die zur Verfügung steht.

Im vergangenen Jahr hat die Polizei in Baden-Württemberg 30.866 Straftaten festgestellt, bei denen mindestens ein Asylbewerber beteiligt war. 2014 waren es 16.784 - die Zahl hat sich also fast verdoppelt. Gleichzeitig hat sich aber die Zahl der Erstanträge auf Asyl in Baden-Württemberg in derselben Zeit fast vervierfacht - die Straftaten unter Beteiligung eines Asylbewerbers hätten also nach Adam Riese bei über 60.000 liegen müssen.

Warum das nicht der Fall ist, können Kriminalisten bisher nicht eindeutig erklären - die Vermutung liegt aber nahe, dass es mit der sich ändernden Zusammensetzung der Asylbewerber zu tun hat. André Schulz vom Bund deutscher Kriminalbeamter meint: "Echte" Bürgerkriegsflüchtlinge wie Syrer oder Iraker fielen deutschlandweit kaum durch Straftaten auf. Deutlich mehr Straftaten würden dagegen durch Migranten aus dem Balkangebiet, aus Nordafrika oder dem Kaukasus begangen.


Waren Anfang 2015 die Balkanländer noch stark unter den Herkunftsstaaten der Flüchtlinge vertreten, kamen nach der Entscheidung zur Grenzöffnung Ende August 2015 immer mehr Kriegsflüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan. Aber auch Algerier und Marrokaner nutzen die Situation vermehrt zur Einreise nach Deutschland, ihre Zahl verdoppelte sich von August bis November. Und obwohl nur rund 1.600 Algerier Erstanträge auf Asyl gestellt haben - Syrer dagegen über 24.000 - führen Algerier die Liste der straffällig gewordenen Asylbewerber an. Vor allem der "Antanztrick" mit dem Ziel, Geld oder Handys zu klauen, fällt den Behörden auf.

Ein ähnliches Phänomen beobachten Kriminalisten bei Asylbewerbern aus Gambia. Hier geht es um den Straßenhandel mit Cannabis, ein Delikt, das in Baden-Württemberg überhaupt nicht toleriert wird und daher zu hohen Fallzahlen führt. Gambier liegen denn auch an zweiter Stelle der Tatverdächtigenliste, obwohl nur 4.500 von ihnen im vergangenen Jahr herkamen.

Auf Platz sieben liegen Georgier - auch dafür hat André Schulz vom Bund Deutscher Kriminalbeamter eine Erklärung: Im süddeutschen Raum gebe es zum Teil Banden aus dem georgischen Raum, die tagsüber im großen Stil Ladendiebstähle begingen und abends dann in Wohnungen einbrächen. Dies seien nach Erkenntnissen des Bundeskriminalamts aber keine Flüchtlinge, sondern Personen, die in Georgien gezielt von der Russenmafia angeheuert worden seien.



Eine kleine Gruppe vermeintlicher Flüchtlinge nutzt also die derzeitige Situation gezielt aus und ist für einen relativ hohen Teil der Fälle verantwortlich, wobei es meistens um Eigentumsdelikte geht. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung spielten in Baden-Württemberg mit insgesamt 256 dagegen eine sehr geringe Rolle. Bei den rund 1.300 Fällen von schwerer Körperverletzung oder versuchtem Totschlag sind meist andere Flüchtlinge die Opfer.

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