Bitte warten...

Flüchtlinge stranden an der Balkanroute Leere Betten in den LEAs in BW

Während in Brüssel weiter über die Flüchtlingsfrage diskutiert wird, gibt es für Asylsuchende auf der Balkanroute kaum noch ein Durchkommen. In Baden-Württemberg stehen viele Betten in den Aufnahmeeinrichtungen leer.

 ARCHIV - Mohamed aus Syrien liegt am 16.09.2015 in einer Notunterkunft für Flüchtlinge in Rottenburg (Baden-Württemberg) auf seinem Feldbett und hört Musik.

Neues Bild in den LEAs - viele Feldbetten bleiben leer

Nach Slowenien und Serbien hat am Mittwoch auch Kroatien nach eigenen Angaben die so genannte Balkanroute geschlossen. Sloweniens Regierung hatte zuvor angekündigt, ab Mitternacht wieder streng die Schengen-Regeln anzuwenden und nur noch Menschen mit gültigen Pässen und Visa einreisen zu lassen. Serbien als weiter südlich gelegener Anrainer reagierte in gleicher Weise. Auch Mazedonien schloss seine Grenzen für Flüchtlinge.

Für die Landeserstaufnahmestellen in Baden-Württemberg hat das Folgen. Hier stehen jetzt schon viele Betten leer. Nach SWR-Informationen sind beispielsweise in Meßstetten zum ersten Mal seit fast einem Jahr weniger als 1.000 Flüchtlinge untergebracht. Im vergangenen September waren es noch mehr als 3.500. Auch in anderen Erstaufnahmestellen wie Rottenburg, Sigmaringen und Villingen-Schwenningen leben zurzeit weit weniger Asylsuchende als noch im vergangenen Herbst. Das Integrationsministerium in Stuttgart legt in einer Karte aktuelle Zahlen für das Land vor.

Stark sinkende Zahlen auch in Mannheim und Heidelberg

Auch die Zahl der Flüchtlinge, die in Mannheim untergebracht sind, geht laut Regierungspräsidium stark zurück. Aktuell sind in den verschiedenen Unterkünften in Mannheim rund 6.000 Menschen untergebracht.

Im zentralen Registrierungszentrum in Heidelberg befinden sich aktuell ebenfalls deutlich weniger Menschen als noch Ende Februar. In der Stadt am Neckar, in der Flüchtlinge zentral registriert und medizinisch versorgt werden, sind nur noch rund 1.800 Menschen untergebracht. Ende Februar waren es noch knapp doppelt so viele, sagte eine Sprecherin des Regierungspräsidiums dem SWR. Hauptgrund ist nach Angaben der Behörde, dass nahezu keine Flüchtlinge mehr über die Balkanroute nach Deutschland kommen. Allerdings, so die Sprecherin, funktioniere mittlerweile auch die Verteilung sowie die Unterbringung der Menschen auf die Kommunen reibungsloser. 

Merkel setzt auf europäische Lösung

Über die Balkanroute waren im vergangenen Jahr mehr als eine Million Menschen nach Westeuropa gelangt. Früher waren die Menschen auf der Route von einem an den nächsten Staat weitergereicht worden, weil sie in der Regel nach Österreich und vor allem nach Deutschland wollten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bat trotz des politischen Drucks wegen der Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt an diesem Sonntag um mehr Zeit für einen europäischen Flüchtlingspakt mit der Türkei. "Manchmal könnte es schneller gehen. Aber ich glaube, insgesamt bewegt sich die Sache in die richtige Richtung", sagte sie am Dienstag im SWR.

Slowenien, Serbien und Mazedonien setzen mit der Schließung der Grenzen faktisch eine Maßnahme um, die aus dem Entwurf der Abschlusserklärung des EU-Türkei-Gipfels gestrichen worden war. Nach Angaben von EU-Diplomaten hatten sich Bundeskanzlerin Merkel und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker erfolgreich dafür eingesetzt, die Formulierung zu streichen, dass die Westbalkan-Route für Migranten geschlossen sei.

Aktuell in Baden-Württemberg