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Flüchtlinge in BW Erstmals Zahlen zu Straftaten und Herkunft

Unter den Flüchtlingen im Land haben Syrer die meisten Straftaten begangen. Das geht aus einem internen Lagebild des Innenministeriums hervor. Die meisten Straftaten waren Bagatelldelikte.

Der Eingangsbereich an der Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Ellwangen

LEA Ellwangen (Symbolbild)

In dem Bericht hat das baden-württembergische Innenministerium erstmals Zahlen über die Beteiligung von Flüchtlingen an Straftaten in Zusammenhang mit der Herkunft der Tatverdächtigen gesetzt.

Von Januar bis Ende November wurden 27.255 Straftaten mit Beteiligung mindestens eines Asylbewerbers gezählt. Hinzu kommen etwas über 20.000 Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz.

Zahlen im Zusammenhang

Syrische Flüchtlinge waren demnach in 5.576 Fällen an Straftaten beteiligt gewesen, darauf folgen das Kosovo (3.305), Gambia (2.516), Afghanistan (2.157) und Algerien 2.078). Dies erfuhr der SWR auf Nachfrage aus dem Innenministerium.

Laut dem Lagebild, das als Verschlusssache eingestuft ist, überwiegen die Bagatelldelikte wie Ladendiebstähle mit 5.777 Fällen, gefolgt von Schwarzfahren (mit 4.920 Fällen), leichten Körperverletzungen (mit 2.194 Fällen) sowie Drogendelikten (1.802). Hinzu kommen etwa tausend Fälle von schwerer Körperverletzung, 22 von versuchtem Totschlag und 700 Wohnungseinbrüche.

Keine steigende Kriminalitätsbelastung

Derzeit liegen dem baden-württembergischen Innenministerium weder die Gesamtzahl aller Straftaten, noch die der Flüchtlinge vor. Man wisse aber, dass knapp 70 Prozent der Flüchtlinge männlich seien und Männer einen höheren Anteil an Straftaten vorweisen. Das Ministerium geht davon aus, dass die Kriminalitätsbelastung pro Kopf durch die Flüchtlinge nicht steigt und diese auch keinen überproportional großen Anteil an den Straftaten insgesamt haben.


Anmerkung der Redaktion:

Die große Zahl der Zuschriften belegt das Interesse an dem Thema, vielen Dank dafür! Einige Kommentare gehen allerdings möglicherweise auf Missverständnisse zurück, daher hier diese redaktionellen Anmerkungen:

Rund 110.000 Flüchtlinge halten sich derzeit in Baden-Württemberg auf. Sie stellen also rund ein Prozent der Bevölkerung und sind für rund fünf Prozent der Straftaten verantwortlich - zumindest den nackten Zahlen nach (2014 wurden 594.534 Straftaten registriert). Allerdings beziehen sich die im Bericht genannten Zahlen auf die "Fälle", die die Polizei registriert hat. Sie besagen also nichts über Strafverfahren und geschweige denn Verurteilungen. Tatsache ist, dass Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte viel stärker kontrolliert werden und es damit so gut wie keine Dunkelziffer gibt. Beispiel: Bei Drogendelikten spricht die Polizei von sogenannter Kontrollkriminalität, die praktisch nur auffällt, wenn konkret danach gesucht wird. Es verändert also die Statistik, ob die Polizei ein Studentenwohnheim oder eine Asylbewerberunterkunft auf Cannabis durchsucht. Am deutlichsten kommt dieser Effekt bei den Gewaltdelikten zum tragen, denn diese finden zum allergrößten Teil innerhalb von Aufnahmestellen unter Flüchtlingen statt, also gewissermaßen unter Aufsicht des Sicherheitspersonals und werden daher viel konsequent angezeigt.

Zur Frage, warum das Lagebild beim Innenministerium als "Verschlusssache" eingestuft ist, sagte ein Sprecher zum SWR: Weil er Informationen über die polizeiliche Ermittlungstaktik enthält, die die Polizei gerne für sich behalten will. Aber die Zahlen selbst sind ja nun öffentlich.

Die Redaktion 

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