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Feuer in Stuttgarter Migrantenorganisation Politiker verurteilen Brandanschlag

Nach dem Brandanschlag auf einen türkisch-islamischen Verein in Stuttgart geht die Polizei möglichen Spuren nach und wertet das Überwachungsvideo aus. Politiker verurteilten den Anschlag.

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2:29 min | Di, 15.12.2015 | 19:30 Uhr | SWR Fernsehen BW

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Gebäude der Türkisch-Islamischen Union beschädigt

Brandanschlag in Stuttgart

Auf das Gebäude der Türkisch-Islamischen Union DITIB in Stuttgart ist in der Nacht zum Dienstag ein Brandanschlag verübt worden. Die Polizei schließt eine politisch motivierte Tat nicht aus.

Auf dem Überwachungsvideo aus der Nacht zum Dienstag ist zu sehen, wie vier Personen Brandsätze in den Buchladen der Türkisch-Islamischen Union DITIB in Stuttgart-Feuerbach werfen und offenbar auch eine Explosion auslösen. Die Polizei schließt einen politischen Hintergrund des Anschlags nicht aus, wollte sich in einer ersten Einschätzung aber noch nicht festlegen. Die Hintergründe seien noch unklar, hieß es am Dienstag. Es habe keine Drohung gegeben. Das Innenministerium hatte alle Dienststellen im Land aufgefordert, besonders auf türkische Einrichtungen zu achten.

Die Ermittler wollen nun die Brandsätze analysieren. Noch sei beispielsweise nicht klar, welche brennbare Flüssigkeit sie enthielten, sagte ein Polizeisprecher. Auch Reste eines Sprengkörpers würden untersucht.

Die seit 1984 bestehende DITIB ist Dachverband der türkisch-islamischen Vereine. Er gilt als gemäßigt orthodox und stark von der staatlichen Religionsbehörde der Türkei beeinflusst. In Baden-Württemberg sind rund 30.000 Mitglieder eingeschrieben, der Ortsverein in Stuttgart-Feuerbach ist mit rund 450 Mitgliedern eine der größten DITIB-Gemeinden im Land.

Der DITIB-Vorstandsvorsitzende in Württemberg, Erdinc Altuntas, sagte am Dienstag: "Wir verabscheuen diese Art von Anschlägen". Man wisse nicht, welche Motive dahinterstehen. "Das schürt natürlich gewisse Ängste bei den Muslimen." Die Israelitische Religionsgemeinschaft Württembergs habe ihre Solidarität ausgedrückt. Auch die katholische Gemeinde und die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs zeigten sich schockiert.

Öney: "Es trifft uns jedes Mal"

Ministerin Öney besucht Brandanschlag-Tatort

Integrationsministerin Öney am Brandort

Am Dienstagnachmittag besuchte Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) die Gemeinde. Sie verurteile solche offenbar politisch motivierten Anschläge, sagte sie. "Es trifft uns jedes Mal, unabhängig davon, ob es eine Synagoge, eine Moschee oder auch eine Kirche ist. Solche Dinge stehen einer Demokratie nicht gut zu Gesicht." Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte: "Sowas sind abscheuliche Taten", die er nur "mit aller Schärfe" verurteilen könne. Man werde alles tun, um die Täter zu ermitteln.

Das Feuer war in der Nacht im Erdgeschoss eines Gebäudekomplexes ausgebrochen. DITIB vermietet dort eine Reihe von Räumen für Geschäfte, Restaurants und andere türkische Einrichtungen. Laut Polizei hatten Anwohner beobachtet, wie die Flammen durch zuvor eingeschlagene Schaufenster des Geschäfts schlugen. Eine Moschee in direkter Nachbarschaft des Gebäudes blieb den Angaben zufolge von den Flammen verschont.

Keine Verletzten

Die Feuerwehr war mit mehreren Löschzügen im Einsatz und konnte den Brand schnell unter Kontrolle bringen und das Feuer löschen. Verletzt wurde niemand. Der Sachschaden belaufe sich auf etwa 80.000 Euro, hieß es.

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Angriffe auf muslimische Gebetshäuser und türkische Einrichtungen. Anfang Dezember wurde die türkische Botschaft in Stuttgart mit Farbbeuteln beworfen. Im September wurde eine Moschee in Mögglingen (Ostalbkreis) mit Hakenkreuzen beschmiert.

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Feuer in Türkisch-Islamischer Union

Ermittlungen am Brandort in Stuttgart

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Das Feuer brach in der Nacht zum Dienstag (15.12.2015) aus.

Das Feuer brach in der Nacht zum Dienstag (15.12.2015) aus.

Als die Feuerwehr eintraf, standen die Räume komplett in Flammen

Die Polizei sichert am Morgen danach Spuren - sie geht von Brandstiftung aus.

Anwohner hatten das Feuer im Erdgeschoss des Hauses entdeckt.

Verletzt wurde niemand, der Sachschaden dürfte bei 80.000 Euro liegen.

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