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Feinstaub-Alarm endete Freitagnacht Stuttgarter OB zieht durchwachsene Bilanz

Freitagnacht endete der erste Feinstaub-Alarm Deutschlands. Wenn es nach dem Stuttgarter OB geht, hätten mehr Autofahrer umsteigen können - doch er sieht auch positive Zeichen.

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1:17 min | Fr, 22.1.2016 | 16:00 Uhr | SWR Fernsehen BW

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Feinstaub-Bilanz

In Zukunft eventuell Fahrverbote

Ab Freitagnacht ist der Feinstaub-Alarm in Stuttgart beendet. Grund dafür ist das Wetter. Autofahrer sind eher selten auf andere Verkehrsmittel umgestiegen.

"Nie zuvor ist so intensiv und kontrovers über die Belastung der Luft mit Schadstoffen in unserer Stadt diskutiert worden", hieß es in einer Mitteilung des Stuttgarter Stadtoberhaupts Fritz Kuhn (Grüne) vom Freitag. Niemand könne jetzt noch sagen, das Thema gehe ihn nichts an: "Jeder weiß spätestens jetzt, welche Gesundheitsrisiken mit Feinstaub und Stickstoffdioxid verbunden sind. Und jeder Autofahrer weiß, dass er Teil des Problems ist, aber auch welchen Beitrag er zur Senkung der Schadstoffbelastungen leisten kann."

Das Neckartor in der Stuttgarter Innenstadt gilt als der am meisten durch Feinstaub belastete Ort Deutschlands. 2015 war der Grenzwert dort an 72 Tagen überschritten worden - erlaubt sind maximal 35 Tage. Die Landeshauptstadt muss die Belastung der Luft mit Schadstoffen reduzieren, da ansonsten Millionenstrafen der EU drohen. Die Kessellage der Stadt bedingt, dass die Luft nur bei kräftigem Wind ausgetauscht wird.

Wie erfolgreich der Alarm letztlich tatsächlich war, will Kuhn "frühestens nach Ende des Winters" bewerten. Die Werte der Messstationen jedenfalls verheißen nichts Gutes: An allen Tagen des Feinstaub-Alarms lag die Belastung weit über dem EU-Grenzwert von 50 Mikrogramm (µg) Feinstaub pro Kubikmeter (m³) Luft. Bereits am Montag kletterte der Tagesmittelwert an der Messstation Neckartor auf 89 µg/m³, am Dienstag gar auf 141 µg/m³ - mehr als am durchs Silvesterfeuerwerk traditionell hoch belasteten Neujahrstag. Am Mittwoch lag der Tagesmittelwert bei 122 µg/m³, ehe er am Donnerstag auf 97 µg/m³ zurückging.



Anmerkungen zur Grafik
Die Grafik basiert auf vorläufigen Daten der LUBW, die mit einem kontinuierlichen Messverfahren erhoben wurden. Diese sind nicht rechtsverbindlich, wenn es darum geht, ob der Feinstaub-Grenzwert tatsächlich überschritten wurde. Maßgeblich ist hier das gravimetrische Messverfahren, bei dem über 24 Stunden der Feinstaub auf einen Filter abgeschieden und anschließend im Labor gewogen wird. Diese Daten liegen laut LUBW aber erst nach etwa einem Monat vor, weshalb wir uns zunächst mit den vorläufigen Daten begnügen müssen.

"Nur wettern senkt die Werte nicht"

Wie die Stadt am Freitag mitteilte, hat der seit Montag geltende Alarm zu keiner spürbaren Abnahme des Verkehrs gesorgt. Nach einer vorläufigen Einschätzung der Integrierten Verkehrsleitzentrale waren drei bis sieben Prozent weniger Autos unterwegs. Kuhn setzt dennoch weiter auf den freiwilligen Autoverzicht, kündigte aber auch an: "Falls wir die Schadstoffbelastungen der Stuttgarter Luft auf diese Weise nicht nachhaltig unter die Grenzwerte senken, dann folgen unweigerlich ordnungspolitische Maßnahmen wie etwa Fahrverbote. Nur gegen den Feinstaub-Alarm zu wettern, senkt die Werte nicht."

Der Alarm wurde am Freitag um Mitternacht aufgehoben. Zum einen werde der prognostizierte Regen in der Nacht zum Samstag den krebserregenden Feinstaub aus der Luft waschen, hieß es am Donnerstag beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Stuttgart. Zum anderen drehe der Wind: Staute sich die dreckige Luft in den vergangenen Tagen bei Wind aus Richtung Osten im nach Westen geschlossenen Talkessel, kommt er dann aus Westen und pustet die Luft aus dem Tal.

Die Informationen der Landeshauptstadt Stuttgart zum Feinstaub-Alarm haben im Internet und in den sozialen Medien nach Angaben der Stadt viele Menschen erreicht - allein auf der städtischen Facebookseite über 253.000 Nutzer. Auf Twitter habe der Hashtag #feinstaubalarm zeitweise auf Platz 2 der deutschen Top 100 gelegen. Die extra eingerichtete städtische Webseite feinstaubalarm.stuttgart.de wurde während der Alarm-Woche von mehr als 33.000 Nutzern besucht.

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