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Ein Jahr nach dem Hygieneskandal Uniklinik Mannheim investiert in ihren Ruf

Das Uniklinikum Mannheim kämpft noch immer mit den Folgen des Hygieneskandals vor rund einem Jahr. 2015 kamen 4.000 Patienten weniger als im Vorjahr - und wichtige Investitionen sorgten für rote Zahlen.

Ein Schild mit der Aufschrift «Universitätsklinikum» steht am 22.10.2014 in Mannheim (Baden-Württemberg) an einer Einfahrt zum Universitätsklinikum.

Die juristische Aufarbeitung des Hygieneskandals läuft noch (Archiv)

Knochensplitter am OP-Besteck, Blutreste an chirurgischen Instrumenten: Viele im Land schüttelten sich, als vor einem Jahr Berichte über die Zustände am Uniklinikum Mannheim die Runde machten. Zwar war einiges übertrieben, aber Fakt blieb: Das Haus hatte ein großes Problem mit der Hygiene.

Mehr als 15 Millionen Euro wurden seither in die Sterilgutaufarbeitung investiert, wie die Reinigung des OP-Bestecks im Fachjargon heißt. Und es scheint sich zu lohnen. Im einstmals gescholtenen Klinikum trudeln inzwischen Anfragen von anderen Krankenhäusern ein, die ihre Instrumente reinigen lassen wollen. "Es gibt mehrere solcher Anfragen", bestätigt ein Kliniksprecher. "Wir haben uns an die Spitze der Bewegung gesetzt."

Hygieneprobleme schränkten OP-Betrieb ein

Positive Schlagzeilen hat das Haus auch mehr als nötig, denn der Weg zurück zur Normalität ist steinig. Der Vertrauensvorschuss in der Öffentlichkeit ist dahin. Im Jahr eins nach der Krise sind viele Patienten weggeblieben. Das Krankenhaus der Maximalversorgung mit seinen rund 4.800 Mitarbeitern ist tief in die roten Zahlen gerutscht.

Rund 4.000 stationäre Patienten weniger hat das Klinikum 2015 gehabt, ein Minus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass Anfang des Jahres wegen der Hygieneprobleme der OP-Betrieb eingeschränkt gewesen sei, sagt der Kliniksprecher. Seit Herbst seien die Patientenzahlen wieder auf einem normalen Niveau.

Bei den ambulanten Fällen habe es ebenfalls einen Rückgang gegeben, aber auch hier hätten sich die Zahlen stabilisiert. Im Schnitt der vergangenen Jahre ließen sich mehr als 200.000 Menschen am Krankenhaus ambulant behandeln, das 30 Kliniken und Institute umfasst.

"An Hygiene kann man nicht sparen"

Der Skandal kommt die Einrichtung teuer zu stehen: Rund 27 Millionen Euro fehlen in diesem Jahr in der Bilanz 2015. Arbeitsplätze seien durch das Minus aber nicht in Gefahr. Im Gegenteil, es sei sogar Personal aufgestockt worden, betonte der Sprecher. Das Klinikum könne die Bilanz durch Rücklagen ausgleichen. Und man sei auf einem guten Weg, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben.

Die Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung wird dazu vermutlich nicht beitragen - sie kostet das Klinikum sehr viel Geld. Nach dem Skandal wurde ein teurer externer Dienstleister verpflichtet, der auf die Sterilgutaufbereitung spezialisiert ist. Das sei natürlich teurer, als wenn man es selbst machen würde, räumt der Sprecher ein. "Aber an Hygiene kann man nicht sparen."

Dass trotz dieser Expertise etwas schiefgehen kann, zeigte die Uniklinik im Frühsommer. Als Mitarbeiter des Regierungspräsidiums Karlsruhe bei dem Dienstleister vorbeischauten, der in den Sterilguträumen des Klinikums arbeitet, stellten sie Mängel fest. Demnach waren OP-Zangen bei der Vorreinigung nicht korrekt zerlegt worden und auch bei der Dokumentation gab es Fehler. Nichts Gravierendes zwar, doch schon war das Klinikum wieder bundesweit in den Negativschlagzeilen.

Klinik hofft auf Ruhe

Für das Jahr 2016 hofft das Mannheimer Klinikum auf mehr Ruhe. Natürlich muss es auch in Zukunft mit regelmäßigen Besuchen des Regierungspräsidiums rechnen - so wie jedes andere Krankenhaus auch. Doch die Kontrollbehörde sieht das Klinikum auf einem guten Weg. Die Aufbereitung des OP-Bestecks entspreche den Vorgaben, sagte ein Sprecher. "Für uns ist der Fall abgeschlossen."

Die juristische Aufarbeitung des Mannheimer Hygieneskandals läuft derweil noch. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verstoßes gegen das Medizinproduktegesetz gegen sechs Personen aus dem Klinikumfeld. Derzeit wird den Verteidigern Akteneinsicht gewährt. Ob überhaupt und wann der Fall vor Gericht geht, ist nach Angaben eines Sprechers aber noch nicht absehbar.

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