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Demokratie in Gefahr durch "Fake News" Wenn Twitter-Bots Stimmung machen

Bald startet der Bundestagswahlkampf 2017. Dann werden gefälschte Nachrichtenmeldungen eine große Rolle spielen, sagt auch die Kanzlerin. Denn automatisierte Meinungsmache im Internet ist ein Kinderspiel.

Eine Frau sitzt morgens mit ihrem Smartphone am Frühstückstisch.

Nicht alle Posts und Tweets sind "echt" - manchmal steckt gezielte Manipulation dahinter

Im Netz sind nicht nur menschliche Angreifer unterwegs: Gemeint sind sogenannte Bots, von Computern erzeugte künstliche Identitäten, die selber Nachrichten erstellen und mit anderen kommunizieren können - ohne menschliche Hilfe. Einige von ihnen täuschen beispielsweise in sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook Zustimmung oder Ablehnung von politischen Meinungen vor.

Künstliche Follower im Wahlkampf?

Seit einigen Wochen sind "social" Bots wegen des massenhaften Einsatzes bei der US-Wahl in der Diskussion. Viele der zwölf Millionen Donald-Trump-Follower bei Twitter haben als Profilbild nur ein Ei - ein Standardbild. Oft stecken hinter diesen nichtssagenden Profilen Bots. Angeblich sind ein Viertel der Twitter-Anhänger des künftigen US-Präsidenten nicht "echt". Auch in Großbritannien scheinen tatkräftige Twitter-Bots rund um die Brexit-Abstimmung massiv Pro-Brexit-Stimmung verbreitet zu haben.

Merkel warnt vor Fake-Seiten, Bots und Trollen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnt inzwischen offen vor diesen "Meinungsverstärkern". Vergangene Woche forderte sie bei einer Rede im Bundestag eine Debatte darüber, "dass heute Fake-Seiten, Bots, Trolle Meinungsbildung verfälschen können".

Bot in drei Stunden programmierbar

Wie einfach die computergesteuerte Meinungsmache ist, hat der Mannheimer Steffen Haschler für das SWR-Politikmagazin "zur Sache Baden-Württemberg!" herausgefunden. Der hauptberufliche Lehrer ist Mitglied im Chaos Computer Club, einem Verein von Computerexperten, der sich für Bürgerrechte, Datenschutz und Netz-Aufklärung einsetzt. Haschler kennt sich zwar mit Programmiersprachen aus, einen Twitter-Bot hatte er aber noch nie selber programmiert. In nur drei Stunden hat er es mit ein bisschen Hilfe aus dem Internet und von einem Kollegen dann doch geschafft.

Der Bot heißt "@ZurSache42" und sucht nach dem Stichwort "Lügenpresse". Das kombiniert er dann mit wütenden Parolen. Alle fünf Sekunden schickt der Bot eine Nachricht ab oder teilt medienkritische Inhalte, ohne dass Haschler sich noch darum kümmern muss. Er beleidigt sogar recht schnell die SWR-Kollegen von SWRinfo.

Automatisierte Wahlkampfhilfe - eine Frage des Geldes

Und Haschler weiß, "man muss selbst kein Programmierer sein, um solche Bots verwenden zu können". Es gebe Dienste, bei denen man sie auch mieten könne, so wie man auch Follower kaufen kann bei Twitter. "Da hat man ganz viele Möglichkeiten, wenn man entsprechend ein bisschen Geld in die Hand nimmt."

Werden solche Bots die Bundestagswahl entscheiden? Sicherlich kann man durch Bots Meinungen manipulieren, ist der Mannheimer Computerexperte überzeugt. "Wenn Programme Meinung machen, dann geben uns Algorithmen vor, worüber wir eigentlich reden. Und das hat nichts mehr mit der Realität zu tun. Sondern dann reden wir über etwas, was ein Mensch irgendwann mal generiert hat, vielleicht nicht einmal mehr ein Mensch, weil der Algorithmus einfach läuft", so Haschler.

Tod der realen Debatte in sozialen Netzwerken?

"Es wird schwierig, im Internet auf solchen Plattformen überhaupt zu diskutieren. Weil man nicht weiß, wer ist wer, wer ist echt, wer ist ein Bot, mit wem rede ich grade? Und das macht die Chance der sozialen Plattformen kaputt."

Autorinnen: Alexandra Müller, Thurit Kriener

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