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BW-Landesregierung rüstet sich gegen Hackerangriffe IT-Profis sollen Landesverwaltung beschützen

Hacker haben auch die baden-württembergische Landesverwaltung schon angegriffen. Um stärker und schneller auf solche Cyberattacken reagieren zu können, rüstet das Innenministerium jetzt auf.

Ein Hacker an einem Notebook

Mehr Schutz vor Hackerangriffen (Symbolbild)

Täglich greifen Hacker Unternehmen an. Davor will sich die grün-schwarze Landesregierung jetzt stärker schützen. "Wir schaffen 30 zusätzliche Stellen, um die IT-Sicherheit weiter zu erhöhen", sagte der beim Innenministerium angesiedelte Beauftragte der Landesregierung für Informationstechnologie, Stefan Krebs in Stuttgart. In den kommenden Monaten sollen die Fachleute eingestellt werden. "So wird es in den einzelnen Ministerien und nachgeordneten Behörden künftig einen eigenen Informationssicherheitsbeauftragten geben, der für das Thema zuständig ist."

Jede einzelne Dienststelle soll langfristig einen Beauftragten bekommen, sagte der der 56-Jährige. Bei Cyberattacken sei eine schnelle Reaktionsfähigkeit entscheidend. "Der Hackerangriff auf den Bundestag im Jahr 2015 hat in der Öffentlichkeit zu einem Bewusstseinswandel geführt."

"Kritische Infrastrukturen"

Auch die baden-württembergische Landesverwaltung war in der Vergangenheit Ziel von Hackerangriffen. "In der jüngsten Zeit machten Trojaner die Runde, die dafür sorgen, dass der Zugriff auf einzelne Rechner gesperrt und Nutzerdaten verschlüsselt werden. In diesen wenigen Fällen wurden die betroffenen Daten wiederhergestellt."

Der IT-Experte sieht die Landesverwaltung allerdings nicht im besonderen Fokus der Kriminellen. Seiner Meinung nach erfolgen gezielte Hackerangriffe vor allem auf "kritische Infrastrukturen". "So sind Strom- und Wasserversorger für Hacker wegen ihrer Außenwirkung sicherlich ein interessantes Angriffsziel", so Krebs. Die Beschäftigten in der Landesverwaltung werden in Sachen IT-Sicherheit gezielt geschult. Dabei gehe es auch darum, dass sie nicht einfach wahllos jede E-Mail öffneten, die mit einem Virus oder Ähnlichem infiziert sein könnte.

Falschmeldungen als größeres Problem

Für ein größeres Problem als mögliche Hackerangriffe auf die Landesverwaltung hält Krebs aber gezielte Falschmeldungen in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter. Seiner Ansicht nach wird es "extrem schwierig, diese Herausforderung in den Griff zu bekommen". In diese Richtung argumentiert auch Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne): "Wenn bewusst falsche Meldungen in Umlauf gebracht werden, um Menschen zu beeinflussen oder gar zu manipulieren, kann das für die Demokratie gefährlich werden." Umso wichtiger sei es, dass Abgeordnete Informationen immer sorgfältig prüften, bevor sie diese als Grundlage für Äußerungen oder Debatten nutzten.

Auch auf die Informationstechnologie des Landtags gibt es immer wieder Angriffsversuche. Der Landtag hat sich daher im vergangenen Herbst personell verstärkt und einen Informationssicherheitsbeauftragten bestellt.

Parteien besorgt wegen Fake News im Wahlkampf

Die im Landtag vertretenen Fraktionen haben bisher offenbar keine größeren Attacken zu vermelden. Die Parteien beschäftigen sich derzeit intensiv mit dem Thema der gezielten Falschmeldungen. "Fake News sind eine echte Gefahr für die Demokratie. Wir stellen uns im Bundestagswahlkampf in den sozialen Medien auch auf solche schmutzigen Tricks ein", sagte ein Sprecher des SPD-Landesverbands.

"Von den Betreibern sozialer Netzwerke muss ganz klar verlangt werden, dass sie solche Versuche konsequent unterbinden und bekämpfen", sagte CDU-Generalsekretär Manuel Hagel zum Thema Fake News.

Falsche Meldungen sorgten schon jetzt bei vielen Menschen für Verunsicherung, heißt es beim Grünen-Landesverband. Ein FDP-Sprecher erklärte, dass man gemeinsam mit den Parteimitgliedern gegen das bewusste Streuen von Falschinformationen kämpfen werde.

Rund 259.000 Landesbeschäftigte gibt es in Baden-Württemberg. Nach Angaben des Innenministeriums werden in der Landesverwaltung etwa 300.000 Telefonanschlüsse sowie rund 87.000 PC-Arbeitsplätze betrieben. Hinzu kommen mehrere tausend mobile Endgeräte. In der Informationstechnologie Baden-Württemberg arbeiten etwa 350 Beschäftigte. Sie wurde zum 1. Juli 2015 als Kernstück der IT-Neuordnung im Land gegründet und betreibt laut Mitteilung etwa 1.100 virtuelle Server zentral im Server-Center und rund 1.000 physische Server zentral und dezentral.

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