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Anschlagsversuch in Villingen-Schwenningen Flüchtlinge oder Sicherheitsleute im Visier?

Nach dem versuchten Granaten-Anschlag auf ein Flüchtlingsheim in Villingen-Schwenningen untersuchen die Ermittler, wer hinter der Attacke steckt. Unklar ist auch, wer getroffen werden sollte.

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2:15 min | Fr, 29.1.2016 | 19:30 Uhr | SWR Fernsehen BW

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Anschlagsversuch auf Flüchtlingsunterkunft

Granatenwurf schockiert das Land

Über den Zaun einer Flüchtlingsunterkunft fliegt eine Handgranate - das ist nicht nur für die Bewohner und Betreuer ein Schock. Auch Politiker sind entsetzt.

Nach eigenen Angaben ermittelt die Polizei derzeit in alle Richtungen. Bei dem Anschlagsversuch könnte es ein fremdenfeindliches Motiv geben. Gleichzeitig schließen die Ermittler aber auch nicht aus, dass es sich um eine gezielte Attacke auf das Wachpersonal handeln könnte. Der Polizei zufolge gibt es noch keinen konkreten Verdacht. Befragungen in der Nachbarschaft der Asylbewerberunterkunft hätten allerdings den einen oder anderen Hinweis erbracht, der nun geprüft werde.

Außerdem steht aus Sicht der Ermittler fest, dass die jugoslawische Granate vom Typ M52, eine Kriegswaffe, die auf das Gelände des Flüchtlingsheims in Villingen-Schwenningen (Schwarzwald-Baar-Kreis) geworfen wurde, mit Sprengstoff gefüllt war. Die Frage für die neu gebildete Sonderkommission "Container" ist, ob die Kriegswaffe einen Zünder hatte. Nur wenn Sprengstoff und Zünder vorhanden sind, sprechen Experten von einer scharfen Granate. Polizeikreise hatten die Granate am Freitag zunächst als "scharf" bezeichnet.

Kundgebung am Samstag

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei haben Unbekannte in der Nacht zum Freitag eine Handgranate von der Straße aus in eine Zufahrt der sogenannten bedarfsorientierten Erstaufnahmestelle geworfen. Nach Angaben der Soko ist die Granate daraufhin an einem Sicherheitszaun abgeprallt und neben einem Container des Sicherheitsdienstes liegengeblieben. Darin befanden sich nach Auskunft des Regierungspräsidiums Freiburg zur Tatzeit drei Sicherheitsleute. Die Granate explodierte jedoch nicht. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Zu dem versuchten Anschlag äußerten sich zahlreiche Landespolitiker. Unter anderem zeigte sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) bestürzt: "Also das ist wirklich unfassbar, dass jetzt schon mit Handgranaten - quasi mit militärischen Waffen - auf Asylsuchende losgegangen wird", sagte der Regierungschef am Freitag in Stuttgart. Der Anschlag sei in hohem Maße bestürzend. "Wir müssen einfach alles dafür tun, dass wir Extremismus, der die rote Linie überschreitet und zu Gewalt übergeht, gesellschaftlich radikal ächten", so Kretschmann. CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf sagte: "Das ist ein Anschlag gegen die Menschlichkeit." Die Tat müsse mit der ganzen Härte des Rechtsstaates verfolgt und bestraft werden.

Maas: "Nicht abwarten, bis es die ersten Toten gibt"

Bundespolitiker reagierten ebenfalls auf die Nachricht aus Villingen-Schwenningen. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) sagte, die Gewalt habe ein erschreckendes Ausmaß angenommen. "Wir können alle nur dankbar sein, dass dieses Mal niemand verletzt wurde." Die Täter dürften nicht ungestraft davonkommen. Der Anstieg von Angriffen gegen Flüchtlinge, Helfer oder Polizisten sei insgesamt dramatisch, sagte Maas. "Wir dürfen nicht abwarten, bis es die ersten Toten gibt." Sein Kabinettskollege, Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bezeichnete den Handgranatenwurf als "feigen" Angriff.

Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) sprach sich für mehr Polizei in Bund und Ländern aus. Wie der Anschlag zeige, gebe es eine gefährliche Zunahme von Gewalttaten, sagte Gabriel laut Vorabmeldung vom Samstag den Zeitungen des "RedaktionsNetzwerks Deutschland". Eine Mitverantwortung trage aber auch die Politik: "Es gibt eben die Brandstifter - und dazu viele Biedermänner, die diese Brandstifter einladen."

Der Angriffsversuch ist laut Bundeskriminalamt bundesweit der erste Fall, bei dem Sprengstoff zum Einsatz kam.

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