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Aktion "One billion rising" Gegen Gewalt - zu Hause und auf der Straße

Von Katharina Kunz

Schläge, sexuelle Übergriffe oder verbale Attacken: Weltweit werden Frauen zu Opfern von Gewalt. Nach den Übergriffen auf Frauen an Silvester hat die Aktion "One billion rising" eine besondere Bedeutung.

Tanzdemo One Billion Rising: Erhebt euch, befreit euch, tanzt! , Hauptwache, Frankfurt.

"One billion rising": Gemeinsam Tanzen gegen Gewalt und Missbrauch (Archiv)

Jede dritte Frau weltweit - das sind eine Milliarde - wird nach Angaben der Vereinten Nationen Opfer von Gewalt, sexuellem Missbrauch oder anderen Misshandlungen. In Deutschland sei etwa jede siebte Frau betroffen von einem strafrechtlich relevanten Übergriff. "One Billion Rising" (eine Milliarde erhebt sich) will sichtbar machen, wie viele Menschen eine Milliarde sind und gleichzeitig das Recht der Frauen und Mädchen auf ein gewaltfreies Leben einfordern.

Nach den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Großstädten ist Gewalt gegen Frauen stärker in den Blickpunkt gerückt. Für Bettina Patzelt von der Fachberatungsstelle "Frauenhorizonte" in Freiburg ist das Problem jedoch nicht neu: "Es hat immer sexualisierte Gewalt gegeben und immer mit einem sehr großen Dunkelfeld." Wo viele Männer betrunken zusammen seien, "war das noch nie ein guter Ort für Frauen, gleich ob an Silvester in Köln, im Karneval oder auf dem Oktoberfest", sagte sie dem Evangelischen Pressedienst. Frauenverachtendes Verhalten sei auch in Mitteleuropa verbreitet.

Für Manuela Rukavina, Vorsitzende des Landesfrauenrats in Baden-Württemberg, hat Gewalt gegen Frauen aber zwei Seiten. "Diese Übergriffe mit der hohen Anzahl an Männern sind sicher ein neues Feld", sagte Rukavina im Gespräch mit SWR.de zu den Vorfällen an Silvester. Gewalt gegen Frauen im privaten Umfeld, am Arbeitsplatz oder zu Hause sei aber schon immer existent und weiterhin ein Problem.

"Straßen waren lange nicht mehr so sicher"

Manuela Rukavina

Manuela Rukavina nimmt an der Aktion "One billion rising" in Stuttgart teil

Rukavina hält die aktuelle Gefährdungslage auf den Straßen - unabhängig von Großveranstaltungen - nicht für so groß, wie sie subjektiv von vielen Frauen empfunden werde. "So sicher, wie zurzeit habe ich mich abends am Bahnhof schon lange nicht mehr gefühlt." So lautet Rukovinas persönliche Einschätzung, wenn sie am Stuttgarter Bahnhof unterwegs ist. Trotzdem sei es wichtig, dass sich Frauen in der Öffentlichkeit sicher fühlten. Mit Polizeipräsenz und konsequenter Strafverfolgung müsse man dafür sorgen, dass Frauen geschützt werden.

Manuela Rukavina ist seit Januar 2015 Vorsitzende des Landesfrauenrates, der Verbände mit mehr als 2,5 Millionen weiblichen Mitgliedern vertritt. Die 36-Jährige stammt aus Göppingen. Sie ist in Stuttgart freiberuflich als Sozialwissenschaftlerin tätig.

Der Aktionstag "One billion rising" ist aber nicht nur wegen der aktuellen Themenlage von Bedeutung. Rukavina wird auf der Veranstaltung am Sonntag in Stuttgart auch über die Gleichberechtigung und die Gesetzeslage sprechen. Die rechtliche Gleichberechtigung von Frauen in Deutschland sei im Vergleich mit arabischen Ländern natürlich privilegiert. Und an diese Rechte müssten sich natürlich alle halten, die zu uns ins Land kommen, forderte Rukavina. "Die Papierlage ist gut, aber beispielsweise das Gesetz gegen sexuelle Gewalt muss dringend überarbeitet werden", kritisierte Rukavina. Zurzeit sei sexuelle Belästigung nur strafbar, wenn sie mit Gewalt einhergehe.

Außerdem kämpfen Frauen in Deutschland immer noch gegen gesellschaftliche Strukturen: Sie ordneten sich laut Rukavina oft unter, hätten das Nachsehen bei Gehältern und landeten häufig in Altersarmut. "Es ist die ewige Diskussion. Aber wenn alles gut wäre, hätten wir als Landesfrauenrat nichts mehr zu tun."

Die New Yorker Künstlerin Eve Ensler rief die Aktion "One billion rising" vor vier Jahren ins Leben. In Deutschland soll es nach Angaben der Initiatoren mehr als 100 Tanz-Proteste geben, bei denen Frauen und Männer ein Zeichen der Solidarität setzen und eine Ende der Gewalt fordern. In Berlin findet die Aktion vor dem Brandenburger Tor statt. Der Aktionstag am 14. Februar steht in diesem Jahr unter dem Motto "Gerechtigkeit".

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