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Abschied von Ulms OB Gönner "Wie ein Fels in der Donau für Ihre Stadt"

Er war einer der dienstältesten Oberbürgermeister Deutschlands. Am Sonntag ist Ulms langjähriges Stadtoberhaupt Ivo Gönner (SPD) verabschiedet worden - von Bürgern und viel Prominenz.

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1:21 min | So, 28.2.2016 | 18:00 Uhr | SWR Fernsehen BW

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Feierliche Verabschiedung von Ivo Gönner in Ulm

Katholik und Sozialdemokrat

Der dienstälteste OB im Land, Ivo Gönner, ist am Sonntag in Ulm feierlich aus dem Amt verabschiedet worden - auch mit einem ökumenischen Gottesdienst, den er sich extra gewünscht hatte.

Der Abschiedsmarathon begann am Sonntag mit einem Gottesdienst. Beim anschließenden Empfang im Congress Centrum würdigte Ministerpräsident Winfried Kretschmann Gönners Verdienste. "Sie sind immer authentisch geblieben, unverstellt und ganz bei sich selbst", sagte der Grünen-Politiker. "Wie ein Fels in der Donau standen Sie für Ihre Stadt", so Kretschmann weiter. Gönner sei ein Sozialdemokrat, dem der Zusammenhalt in Ulm wichtig sei, ein Brückenbauer. Ulm ohne Gönner sei wie Ulm ohne Münster - also nicht vorstellbar. Ein Chor von Mitarbeiterinnen der Stadt sang für den scheidenden Chef. "Die Menschen sprechen nicht nur von Dir, sie schwärmen die meiste Zeit", sagte SPD-Landeschef Nils Schmid.

Gönner ruft zur Wahlbeteiligung auf

Gönner zählt zu den dienstältesten Oberbürgermeistern in Deutschland. Er war Ende November nach drei Amtszeiten und 24 Jahren nicht mehr zur OB-Wahl angetreten. "Behalten Sie mich als jemanden in Erinnerung, der sei' Geschäft scho' recht g'macht hat - und der seiner Stadt gedient hat", sagte der 64-Jährige.

Er nutzte seine Abschiedsrede auch für einen Appell an die Gesellschaft: "Es ist wahnsinnig wichtig, dass wir uns in den aufgeregten Zeiten darauf besinnen, was uns eint". Demokratie müsse gelebt und praktiziert werden. "Deshalb habe ich kein Verständnis, dass man Wahlmüdigkeit hat", erklärte Gönner zwei Wochen vor der Landtagswahl. "Andere würden heute ihre Leben dafür geben, um wählen zu können." Für Parteien, die hetzten und dadurch Unfriede schafften, habe er kein Verständnis.

Würdigung für den "Bürgerkönig"

Ivo Gönner (SPD, M.), Oberbürgermeister von Ulm, bekommt am 28.02.2016 im Congress-Zentrum in Ulm (Baden-Württemberg) Beifall.

Gönner mit seiner Ehefrau (r) und der Gattin von Ministerpräsident Kretschmann (l)

Etwa 2.000 Bürger besuchten den ökumenischen Gottesdienst zu Gönners Verabschiedung im Ulmer Münster. "Wir sind sehr stolz, dass Du einer von uns bist", sagte die Bundestagsabgeordnete Ute Vogt (SPD) vor der Kirchengemeinde. Sie hielt das Grußwort stellvertretend für Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD), der seinen Besuch aufgrund einer Erkrankung kurzfristig abgesagt hatte. "Ivo Gönner ist wahrlich ein Bürgerkönig", sagte Vogt. Und "Gönnersche Dimensionen" beim Wahlergebnis - um die 80 Prozent der Stimmen - werde bei der Landtagswahl wohl keine politische Kraft erreichen.

Sondersitzung am Montag

Am Montag übergibt der 64-jährige Gönner die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger und bisherigen Finanzbürgermeister der Stadt, Gunter Czisch (CDU). Dazu trifft sich der Gemeinderat zu einer Sondersitzung um 16.00 Uhr (zum Livestream). "Sie werden nicht in Fußstapfen treten, sondern eigene Fußstapfen schaffen", sagte Kretschmann dem neuen Chef im Rathaus. Das Land werde Ulm dabei finanziell und politisch unterstützen.

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Ivo Gönner tritt ab

"Wie man sich einen schwäbischen OB vorstellt"

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Gönner war viele Jahre im Ulmer Gemeinderat, bevor er 1991 die OB-Wahl gewann - im zweiten Anlauf übrigens. "Ich bin selbst am meisten überrascht vom Wahlergebnis", sagt er damals. Sein Wahlsieg war eine Überraschung: Zum ersten Mal hat das "schwarze" Ulm einen "roten" Oberbürgermeister.

Gönner war viele Jahre im Ulmer Gemeinderat, bevor er 1991 die OB-Wahl gewann - im zweiten Anlauf übrigens. "Ich bin selbst am meisten überrascht vom Wahlergebnis", sagt er damals. Sein Wahlsieg war eine Überraschung: Zum ersten Mal hat das "schwarze" Ulm einen "roten" Oberbürgermeister.

Auch 1999 entscheiden sich die Ulmer für Ivo Gönner - er bekommt 79,7 Prozent der Stimmen

Bei seiner dritten Wahl im Jahr 2007 wird Gönner mit 80,2 Prozent im Amt bestätigt

Der kleine Ivo wächst in Laupheim auf, sein Vater hatte dort eine Apotheke, die heute Ivo Gönners Schwester führt

Als Zehnjähriger kommt Gönner ins Internat nach St. Blasien, anschließend studierte er Jura in Heidelberg - zu einer Fußballerkarriere hat es nicht gereicht

SPD-Parteichef und Vizekanzler Sigmar Gabriel schätzt an Gönner vor allem "seine Menschlichkeit", die beiden sind gut befreundet: "In der Hektik des Alltages ist er der berühmte Fels in der Brandung", sagt Gabriel.

Gönner hat sich großen Respekt erworben, der meist nur Staatschefs zuteil wird - hier mit Bundeskanzler Gerhard Schröder

Gönner mit SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel

Auch Politiker aus anderen Parteien schätzten Gönner und kamen zu Besuch nach Ulm, Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) zum Beispiel

"Er ist so, wie man sich einen schwäbischen OB vorstellt", sagt Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) über Gönner, die beiden lassen sich gerne auch mal auf dem Ulmer Donaufest ein Viertele schmecken

24 Mal schwor Gönner, "Reichen und Armen ein gemeiner Mann zu sein" - bei seinem Rechenschaftsbericht am Schwörmontag, dem Ulmer Nationalfeiertag

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Gönner, wie ihn viele nicht kennen: Malen gehört zu seinen Hobbys

Der Ulmer OB war einige Male auch für Ämter auf Landes- oder Bundesebene im Gespräch, doch er wollte in Ulm bleiben. Immerhin: Zwischen 2005 und 2010 war er Präsident des baden-württembergischen Städtetags

Viele Ulmer schätzen an Ivo Gönner, dass er einen sehr guten Draht zu den Bürgern hat

Im Jahr 2015 gibt Ivo Gönner bekannt, dass er bei der nächsten Wahl nicht mehr antreten wird. Ende November wird Gunter Czisch (CDU, links) zu seinem Nachfolger gewählt.

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