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Feinstaubalarm in Stuttgart vorbei Dicke Luft wurde kaum weniger

In der Nacht auf Montag ist der Feinstaubalarm in Stuttgart aufgehoben worden. Über seinen Nutzen dürfte wieder hitzig diskutiert werden. Zumindest am Sonntag gab es einen Lichtblick.

Ein Plakat informiert in Stuttgart (Baden-Württemberg) über den Feinstaubalarm.

Die Stadt wies mit Plakaten auf den Feinstaubalarm hin

Am Sonntag, dem letzten Tag des Feinstaubalarms, zeigte die Messstation Neckartor 44 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft an, also innerhalb des EU-weiten Grenzwertes von 50.

Doch das war der einzige Tag, an dem die Luft so sauber war. Am Donnerstag, dem Starttag des Alarms, waren es 53 Mikrogramm Feinstaub, am Freitag sogar 57 und selbst am Samstag wurde der Grenzwert mit 54 Mikrogramm noch klar verfehlt.

Dichter Verkehr und Staus am Wochenende

Trotz Feinstaubalarms prägte dichter Verkehr am Wochenende das Bild auf den Hauptdurchgangsstraßen in Stuttgart. Am Samstag gab es Staus, weil viele mit dem Auto zum Einkaufen oder zum Bundesligaspiel des VfB Stuttgart in die Landeshauptstadt fuhren. Am Sonntag sorgten die Demos von Bildungsplan-Gegnern und Befürwortern für Verkehrsbehinderungen. "Natürlich hat das schöne Wetter, das VfB-Spiel und ein Konzert in der Porsche-Arena viele nach Stuttgart gelockt", sagte ein Sprecher der Stadt Stuttgart. Mitte März erwartet die Stadt eine genaue Analyse des Verkehrsaufkommens während des Alarms.

Nutzen des Alarms umstritten

Eine Anzeigentafel weist am 26.02.2016 in Stuttgart (Baden-Württemberg) auf den Feinstaubalarm hin.

Es mieft in Stuttgart - doch die Autofahrer zeigen sich überwiegend unbeeindruckt

Der Nutzen des Feinstaubalarms ist umstritten. Eine repräsentative Umfrage nach dem ersten Feinstaubalarm Anfang des Jahres hatte nach Angaben des Verkehrsministeriums zwar ergeben, dass 27 Prozent der Befragten, denen der Feinstaub-Alarm bekannt war, ihr Mobilitätsverhalten geändert hatten. Unter den Stuttgartern habe der Anteil sogar 40 Prozent betragen und unter der Umlandbevölkerung 23 Prozent.

Allerdings ging die Zahl der Autos, die in den Stuttgarter Kessel hinein- und herausfuhren, nach Angaben von Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) nur um vier bis fünf Prozent zurück. Hermann will das Bus- und Bahnfahren während des Alarms subventionieren. Demnach könnte während des Feinstaubalarms eine Kinderkarte für Erwachsene gelten oder ein Einzelfahrschein zur Tageskarte werden. Die "erheblichen Kosten" zwischen 60.000 und 200.000 Euro pro Tag will das Ministerium zur Hälfte übernehmen und hofft, dass die Stadt Stuttgart und der Regionalverband den Rest übernehmen. Die Ideen seien aber vor Herbst kaum umzusetzen, heißt es aus dem Ministerium.

Feinstaubalarm bei austauscharmer Wetterlage

Feinstaubalarm wird ausgerufen, sobald der Deutsche Wetterdienst über mehrere Tage eine sogenannte austauscharme Wetterlage vorhersagt - etwa wenn im Stuttgarter Talkessel nicht genug Wind bläst, der die Partikel wegträgt. Die Stadt muss die Belastung der Luft mit Schadstoffen reduzieren, da ansonsten Millionenstrafen der EU drohen.

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