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Neue Synagoge in Ulm

Stadt erhält nach 74 Jahren wieder ein jüdisches Gotteshaus

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Ein dreiviertel Jahrhundert nach der Zerstörung der alten Synagoge durch die Nazis erhält Ulm ein neues jüdisches Gotteshaus. Der Neubau befindet sich auf dem Weinhof in der Innenstadt. Fast an gleicher Stelle stand das alte Gebetshaus von 1873, das in der Pogromnacht am 9. November 1938 niedergebrannt wurde.

Ein dreiviertel Jahrhundert nach der Zerstörung der alten Synagoge durch die Nazis erhält Ulm ein neues jüdisches Gotteshaus. Der Neubau befindet sich auf dem Weinhof in der Innenstadt. Fast an gleicher Stelle stand das alte Gebetshaus von 1873, das in der Pogromnacht am 9. November 1938 niedergebrannt wurde.

Zur Einweihung der Synagoge trugen Rabbiner aus vielen Ländern Europas und Mitglieder der jüdischen Gemeinde zwei Thorarollen in einem Festzug zu dem neuen Gotteshaus.

Entworfen wurde die Synagoge von der Kölner Architektin Susanne Gross. Die Bauzeit betrug knapp zwei Jahre. Die Kosten beliefen sich auf rund 4,6 Millionen Euro.

Der 17 Meter hohe Kubus-Bau besteht aus Nürnberger Naturstein. Gestalterisch zeichnet er sich vor allem durch das sogenannte Jerusalemfenster aus, das aus mehreren Davidsternen besteht und nach Jerusalem ausgerichtet ist. Die Davidsterne wurden mit einer Wasserstrahltechnik in die Steinfassade hereingeschnitten.

Auf rund 1.500 Quadratmetern bietet der Bau nicht nur Platz für einen Gebetsraum, sondern auch für einen Gemeindesaal, eine Mikwe (Ritualbad), einen Jugendraum, einen Kindergarten, eine Bibliothek, Büroräume und ein Gästezimmer.

Die jüdische Gemeinde Ulm zählt heute rund 450 Mitglieder - fast so viele, wie zu Beginn des Nationalsozialismus im Jahr 1933. Damals lebten rund 530 Juden in Ulm. Seit 1990 ist die Gemeinde vor allem durch den Zuzug von Juden aus Osteuropa angewachsen.

Für den Ulmer Rabbiner Shneur Trebnik ist die Einweihung des neuen Gotteshauses ein glücklicher Moment: "Wir bauen hier eine Synagoge nicht wegen der Vergangenheit, nicht trotz der Vergangenheit, sonders besonders wegen der Zukunft – und das ist uns ganz wichtig", sagt Trebnik.

Stand: 29.11.2012, 12.44 Uhr