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Fernsehen im SWR

Ein Stuttgarter Grafikdesigner König und Narr - Der Gestalter Kurt Weidemann

Sendung vom Freitag, 24.10.2008 | 0.30 Uhr | SWR Fernsehen

Kurt Weidemann (Mitte) im Kunstmuseum in Stuttgart beim Kulturfrühstück, zusammen mit Jan Peter Tripp (links) und Edzard Reuter (rechts).

Jan Peter Tripp (links), Kurt Weidemann (Mitte) und Edzard Reuter (rechts)

Kurt Weidemann, eine der großen Stuttgarter Kulturpersönlichkeiten, hat als Grafikdesigner und Typograph die Erscheinungsbilder von COOP, Zeiss, Merk, Mercedes-Benz, Daimler-Benz, Porsche und Deutsche Bahn neugestaltet oder überarbeitet. Als Professor lehrte er von 1964 bis 1983 an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart, danach an der WHU - Otto Beisheim School of Management in Vallendar bei Koblenz und seit Gründung am ZKM in Karlsruhe.

Aus seinem Beruf hat Kurt Weidemann eine Lebensphilosophie gemacht, die er seinen Kunden und Schülern unverblümt vermittelt. Mit roten Ferrari-Schuhen, schwarzem Schlapphut und Lorgnette um den Hals ist der 85-jährige selbst zu einer unverwechselbaren Marke geworden.

Seine Sinn- und Kehrsprüche haben Generationen von Studenten und Design-Fachleuten geprägt:

"Der Künstler macht was er will, der Designer will, was er macht" oder "Nicht was erzählt wird reicht, sondern was erreicht wird zählt" sind zu geflügelten Worten geworden. Bis heute ist er als Lehrer, Berater, Gutachter oder Vortragsreisender ein gefragter Mann.

Filmautor Chris Schaal hat Weidemann zwei Jahre lang mit der Kamera begleitet und zeichnet in diesem liebevollen Film das Porträt eines rastlosen Weltverbesserers und Lebenshungrigen, den das Alter nicht zu stoppen, sondern eher noch zu beflügeln scheint.

Denn Weidemann hatte in jungen Jahren kein leichtes Schicksal: In ärmlichen Verhältnissen in Ostpreußen aufgewachsen, kam er 1941 an die Russlandfront und entging bei einem Angriff im Schützengraben nur knapp dem Tode. Durch den Schock verlor er die Stimme, wurde in die Truppen-Psychiatrie gesteckt und musste erst mühsam wieder sprechen lernen. 1945 kam er in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1950 wieder entlassen wurde. Erst mit knapp dreißig Jahren begann sein "zweites Leben" als Schriftsetzerlehrling und Designer. Weidemann liebt seinen Beruf und würde ihn jederzeit sofort wieder ergreifen. Von seiner unbändigen professionellen Leidenschaft legt Weidemann vor der Kamera eindrucksvoll Zeugnis ab. Über die "Narrenfreiheit", die sich der Design-König dabei immer wieder herausnimmt, sprechen außer ihm der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Daimler-Benz AG, Edzard Reuter, der ehemalige Intendant der Stuttgarter Staatsoper, Klaus Zehelein, und der Maler Jan Peter Tripp.

Letzte Änderung am: 08.10.2008, 09.27 Uhr

Themen der Sendung

Sendezeit

Kulturdokumentationen
Donnerstags ab 22:30 Uhr
im SWR Fernsehen

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