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Fernsehen im SWR

Den Körper spüren und den Rhythmus finden Wenn Klänge heilen

betrifft: Wenn Klänge heilen vom Dienstag, 13.9.2011 | 1.20 Uhr | SWR Fernsehen

Eine ganz neue Erfahrung: Musik kann man nicht nur hören, sonern auch fühlen- mit dem ganzen Körper. Ein Musikprofessor geht damit an Schulen und in Kliniken. An die Orte, wo der Umgang mit Klängen gut und manchmal not tut. Zuhören und Rhythmushalten als ganz konkrete Lebenshilfe.

Konzert für Klangstein, keltische Harfe und Stimme.

Konzert für Klangstein, keltische Harfe und Stimme.

Klaus Feßmann, Musikprofessor am Mozarteum in Salzburg, ist auf den Stein gekommen. Statt am Flügel sitzt er jetzt am Klangstein. Eine ganz neue Erfahrung: Musik nicht nur hören, sondern auch fühlen - mit den Händen, mit dem ganzen Körper. Seit Feßmann entdeckt hat, wie man der scheinbar toten Materie Klänge entlockt, ist er beseelt von der Idee, dass dieses Klangerlebnis eine Breitenwirkung entfaltet. Denn Klang, Rhythmus, Musik gehören zum Menschen! Unser Körper pulsiert damit. Unser Wohlbefinden, unsere Gesundheit ist mit Schwingungen zu beeinflussen. Wir begeben uns auf eine Klang-Reise zu Kranken, Kindern und Konzerten. Mit Musikern, Therapeuten und Steinmetzen.

Seit Ende der 90er Jahre gibt der Musikprofessor Klaus Feßmann öffentliche Konzerte mit seinen Klangsteinen und macht ganz erstaunliche Erfahrungen. Menschen kommen auf ihn zu und sagen, ihr Tinnitus, das schreckliche Geklingel im Ohr sei weg. Andere wollen mit ihm zusammen neue Wege gehen. Wie Dr. Runge von der Aerpahklinik in Esslingen. Gemeinsam bauen der Musikwissenschaftler und der Arzt ein Klangsteintherapiezentrum auf - Schlaganfallpatienten und Demenzkranke lernen dort, wie man mit den Händen über geschliffene Steine streicht und Klänge erzeugt. Eine ältere, verwirrte Frau, die nur noch schwer ihre Worte findet, entspannt sich, beruhigt sich beim Spielen und formuliert plötzlich zusammenhängende Sätze. Andere lernen durch die Schwingungen versteifte, schlecht durchblutete Gliedmaßen wieder besser zu bewegen.

Auch Kindern tut der Umgang mit Klängen gut und manchmal not. In einem Essener Stadtteil mit hohem Ausländeranteil betreuen Feßmann und sein Team vom Mozarteum seit einigen Jahren das Projekt "ReSonanz- und AkzepTanz". Sie helfen Kindern, ihren Körper zu spüren, ihren eigenen Rhythmus zu finden. Und siehe da, wer rückwärtsgehen kann, kann auch subtrahieren. Wer sich im Raum zurechtfindet, kann sich auch auf Linien im Heft sicher bewegen. Wer rhythmisch tanzt und singt, gewinnt Zutrauen zu sich.
Mit seinem Klangsteinensemble ist Feßmann immer wieder zu Konzerten eingeladen. Im Schweizer Bivio, beim Felsenfest, treten sie zum ersten Mal mit dem berühmten, indischen Sänger Mahesh Vinayakram auf. Noch nie haben sie gemeinsam gespielt, zuvor auch nicht geprobt, aber die Verständigung klappt ohne Worte. Zuhören und aufeinander eingehen, das ist ihre Partitur. Manfred Kniel, Schlagzeuger der Gruppe am Steinwerk und bekannter Jazzer, will Kindern genau das vermitteln. Kieselschule heißt seine Unterrichtseinheit für Grundschulen. Man benötigt kein teures Musikinstrument. Steine reichen, um aus ihnen Melodien zu erzeugen. Die Kinder lernen zuhören und Rhythmus halten.

Klaus Feßmann und sein Sohn Hannes sind mit ihren Steinen unermüdlich unterwegs. Sie besuchen Ralph, der seit einigen Jahren vollständig gelähmt ist und sich nur über Augenbewegungen und leichtes Kopfnicken verständigen kann. Sie legen seine Hände auf je einen Klangstein und spielen. Und dann passiert das Unfassbare:
Ralph strahlt, als er die Klänge hört und dann zucken die Finger! Zuerst der kleine, dann auch Zeige- und Mittelfinger. Seit vier Jahren die erste Bewegung! Die Klänge des Steins scheinen in den Körper zu dringen. Als könnten seine Schwingungen und Vibrationen tief innen etwas zum Leben erwecken. Musik und Medizin als ein interessantes, ein hoffentlich zukunftsweisendes Duo.

Ein Film von Susanne Bausch

Letzte Änderung am: 07.06.2011, 11.44 Uhr

Sendezeit

Kulturdokumentationen
Donnerstags ab 22:30 Uhr
im SWR Fernsehen