Seite vorlesen:
Am 4. Oktober 1957 - mitten im Kalten Krieg - schoss die Sowjetunion als erstes Land einen Satelliten ins All: "Sputnik 1". Die westliche Welt rieb sich ungläubig die Augen und reagierte geschockt. Denn fast alle hatten bis dahin darauf vertraut, dem Ostblock technologisch überlegen zu sein.
Der "Sputnikschock" löste hektische Aktivitäten aus. Die große Angst der US-amerikanischen Behörden: Wenn die Russen es schafften, eine so gewichtige Last wie den 83,4 Kilogramm schweren Sputnik in den Kosmos zu bringen, dann könnten ihre Raketen in naher Zukunft auch Atombomben in Richtung Amerika schicken. Fortan pumpten die USA viel Geld in die Raumfahrt und wetteiferten mit den Sowjets um die Vorherrschaft im All.
Doch zunächst mussten die Vereinigten Staaten im Dezember 1957 eine weitere herbe Schlappe hinnehmen: Der erste Versuch, selbst einen Satelliten ins All zu schießen, ging gründlich daneben. Vor den Augen der Welt fiel der Erdtrabant, nachdem er nur anderthalb Meter Höhe erreicht hatte, wieder auf den Starttisch und explodierte. Die Presse verhöhnte den abgestürzten Satelliten als "Kaputtnik".
Das Fiasko wurde zur großen Chance für Wernher von Braun: Der als genial geltende Tüftler aus Deutschland hatte für das NS-Regime die bekannte V-2-Rakete entwickelt, die in den letzten Kriegsjahren tausendfach in London einschlug. Nach Hitlers Tod lief er zu den Amerikanern über, wo man ihm wegen seiner Vergangenheit zunächst mit Skepsis begegnete. Doch nach der Satelliten-Pleite griff man gerne auf seine Fähigkeiten zurück. Und tatsächlich glückte unter seiner Leitung Anfang 1958 der erste Abschuss eines US-Satelliten in den Weltraum.
Unterdessen feierten die Sowjets weitere Erfolge und brachten 1961 mit Juri Gagarin den ersten Menschen erfolgreich ins All. Zu verdanken war dies vor allem dem legendären Chefkonstrukteur der sowjetischen Raumfahrt Sergej Koroljow. Der Perfektionist ließ sich auch durch schwierige äußere Umstände - der Raketenstartplatz lag inmitten der kasachischen Steppe - nicht irritieren und hatte in Staatspräsident Nikita Chruschtschow einen wertvollen Verbündeten.
Doch die großzügige Bereitstellung von Mitteln zeigte Wirkung, und die USA holten in den 1960er Jahren technologisch gewaltig auf. 1969 schließlich gelang ihnen ihr größter Triumph: Mit Neil Armstrong und Edwin Aldrin landeten die ersten Menschen auf dem Mond und setzten dort die Flagge der Vereinigten Staaten. Zwölf Jahre nach dem "Sputnikschock" war die Scharte damit zumindest teilweise ausgewetzt.
Autorin: Katja Klein
Letzte Änderung am: 26.09.2007, 11.20 Uhr