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NeandertalerWarum starb der Neandertaler aus?

Gespräch mit dem Tübinger Forscher Alfred Czarnetzki

Der Neandertaler hatte ein sehr gutes visuelles Verstehen, er konnte ausgezeichnet hören. Er war ein erfolgreicher Großwildjäger und hat anderthalb Eiszeiten und eine Warmzeit überlebt. Vor 300.000 Jahren gab es die ersten Neandertaler, vor 30.000 Jahren starben sie aus. Unsere Vorfahren hingegen überlebten. Was ist damals passiert?

Unser Vorfahr, der anatomisch moderne Mensch oder Homo sapiens, war ein Immigrant. Woher er kam, ist umstritten: Viele Forscher glauben an Afrika, andere sind überzeugt, sowohl Neandertaler als auch moderner Mensch seien aus den Steppen Asiens gekommen.

Fest steht jedoch, dass unser Vorfahr vor rund 35.000 Jahren in Mitteleuropa angelangt war. Über 10.000 Jahre lang sind sich beide Menschenformen begegnet. Aber es gibt keine Anzeichen für kriegerische Auseinandersetzungen oder dafür, dass der moderne Mensch den Neandertaler ausgerottet hätte.

Kreative Jahre

Die Zeit zwischen 40.000 und 30.000 Jahren vor heute markiert in Europa den Beginn neuer Technologien: Die Menschen entwickeln bessere Werkzeuge und nutzen andere Rohmaterialien, wie beispielsweise Geweih und Elfenbein. In den Höhlen nahe dem heutigen Ulm schnitzen sie Pferde, Mammuts und Mischwesen aus Mensch und Löwe. Sie fertigen Schmuck und Musikinstrumente an. Die ersten Kunstwerke der Menschheit entstehen auf der Schwäbischen Alb.

Die meisten Forscher glauben, die Kunst stamme nicht vom Neandertaler, sondern vom Homo sapiens, dem anatomisch modernen Menschen ab. Aber sie betonen, dass vielleicht auch der moderne Mensch eine Menge vom Neandertaler gelernt hat.

Das Ende des Neandertalers

"Ich sage: die sind ausgestorben, weil sie überspezialisiert waren in eine Richtung, die später in der Evolution nicht mehr gefragt war", erklärt Alfred Czarnetzki, "so wie alle Vorläufer des heutigen Menschen."

"Beim Neandertaler war der Teil des Gehirns, in dem sich unsere Charaktereigenschaften lokalisieren lassen, und wo wir den Bereich des genau geplanten Handelns haben, noch nicht so entwickelt."

Czarnetzki überlegt weiter: "Vielleicht führte das dazu, dass er sich dem Homo sapiens unterlegen fühlte und sich einfach nicht mehr vermehrt hat". Der Forscher führt die Ureinwohner Feuerlands an: Die dortigen Indianer hätten sich den sporadisch eintreffenden Spaniern so unterlegen gefühlt, dass sie aufhörten, sich fortzupflanzen und fast ausstarben.

Mit den Neandertalern könnte es ähnlich gewesen sein: "Lebensraum war für sie noch genügend da, und sie waren fähig, sich jeder Klimaänderung anzupassen. Deswegen kann man nur annehmen, dass sich die Neandertaler aufgegeben haben. Das ist für mich die plausibelste Erklärung."

Auch aus archäologischer Sicht deutet alles darauf hin, dass sich die Neandertaler immer mehr zurückgezogen haben, je weiter Homo sapiens in ihr Gebiet einwanderte. Sie wurden immer weniger, und als isolierte Restgruppen starben sie schließlich aus.

Autorin: Diane Scherzler

Letzte Änderung am: 29.10.2007, 11.05 Uhr

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