Vandalen – sie gelten als grobe, grausame und kriegerische Eroberer und besetzen das Klischee eines kulturlosen und plündernden Volkes. "Vandalismus" ist in vielen Sprachen ein Begriff für den Akt sinnloser Zerstörung. In Karlsruhe will man jetzt aufräumen mit diesen Vorurteilen.
Mit der Ausstellung "Erben des Imperiums in Nordafrika - das Königreich der Vandalen" will das das Badische Landesmuseum die Entstehung und Blüte des vandalischen Königreichs zeigen. Kulturell seien die Vandalen Erbens Roms, behauptet Susanne Erbelding, Kuratorin des Badischen Landesmusems, "und wir können das mit dieser Ausstellung belegen."
Diesem Anspruch gemäß haben die Ausstellungsmacher mehr als 500 Exponate aus aller Welt zusammengetragen. Schmuck, Mosaike, Sarkophage, Waffen und Bilder sind zu sehen. Nachgebaute Wohn- und Kirchenräume sollen einen Einblick in den Alltag der Vandalen ermöglichen.
Als Herzstück bezeichnet Kuratorin Erbeling eine originalgetreue Kopie des Taufbeckens von Demna - benannt nach seinem tunesischen Fundort. Ein Großteil der Ausstellungsstücke sind Leihgaben der obersten tunesischen Kulturbehörde und erstmalig in Europa zu sehen.
Die Geschichte der Vandalen wird chronologisch dargestellt. Die Ausstellung führt den Besucher dabei durch zwei Räume. Im ersten wird die Frühzeit bis zur Ankunft in Nordafrika illustriert: Um 400 nach Christus zieht der germanische Stamm - wie viele andere Völker - auf der Suche nach einer neuen Heimat quer durch das römische Reich. Die Vandalen fallen zunächst in Gallien und Spanien ein, wagen dann 429 unter der Herrschaft ihres Königs Geiserich die Überfahrt nach Nordafrika, der Kornkammer Roms. Dort gründen sie ein Königreich auf dem Gebiet des heutigen Tunesien.
Der zweite Ausstellungsraum zeigt zunächst die kurze Blütezeit der vandalischen Kultur und dokumentiert dann ihren Untergang: Zunächst erfolgt 442 die Anerkennung als souveräner Staat durch den römischen Kaiser Valentinan III. Die vandalische Flotte beherrscht das westliche Mittelmeer und damit die Getreidelieferungen von Afrika nach Rom. Unter Geiserichs Führung wird 455 Rom erobert.
Doch nach dem Tod des Herrschers 477 schwächen sowohl Zerwürfnisse zwischen Königshaus und Adel als auch unablässige Angriffe der Berber den Staat zunehmend. Schließlich erobern oströmische Truppen unter Belizar, Feldherr von Justinian I., das vandalische Königreich. 534 ergibt sich König Gelimer, die Vandalen werden versklavt - das Ende des Vandalenreichs.
An die beiden Austellungsräume schließt sich das Forum an, eine offene Werkstatt, die als spätantiker Marktplatz gestaltet ist. Hier können die Besucher die Lebenswelt der Vandalen in Nordafrika selbst nachempfinden und sich praktisch betätigen: Mosaike gestalten, Tonplatten mit Reliefdarstellungen anfertigen oder Holztafeln beschriften.
Schloss
76131
Karlsruhe
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Mittwoch, Freitag bis Sonntag, Feiertage: 10 bis 18 Uhr
Donnerstag: 10 bis 21 Uhr
Heiligabend und Silvester: geschlossen
Neujahr: 13 bis 18 Uhr
Die Ausstellung "Das Königreich der Vandalen" dauert bis zum 21. Februar 2010.
Eintrittspreise:
Einzelbesucher 8 Euro
Ermäßigter Eintritt 6 Euro
Schülerinnen und Schüler 2 Euro
Familienkarte (Eltern und Kinder unter 18 Jahren) 16 Euro
Autor: Holger Farken
Letzte Änderung am: 23.10.2009, 20.00 Uhr