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Zu Schillers 250. Geburtstag am 10. November erstrahlte das Schiller-Nationalmuseum nach Jahren der Innensanierung in neuem Glanz. Auf 450 Quadratmetern werden 700 Exponate zu Schiller und der schwäbischen Literaturgeschichte neu präsentiert. Ein architektonisches und literarisches Erlebnis für Literaturliebhaber und Schiller-Fans.
Vom kleinen Hügel gegenüber blickt Friedrich Schiller als Statue auf das Schiller-Nationalmuseum, den weißen Jugendstil-Bau, der ein bisschen an ein Lust- und Jagdschlösschen erinnert. 1903 als Sammelort für schwäbische Literatur erbaut und 1934 erweitert, zeigten die Innenräume das Gebäudes vor einiger Zeit jedoch deutliche Gebrauchsspuren.
Ein Architektenteam hat die Museumsräume deshalb in den letzten Jahren neu entworfen und gestaltet. Frisch saniert, barrierefrei und mit neuem Café lädt das Museum nun Gäste zu einer Reise durch die neu konzipierte Sammlung.

Der mit Säulen gesäumte Eingangsbereich
Eine rote Marmortreppe führt den Besucher vom Eingang aus direkt ins Herzstück der Ausstellung, den großen Schillersaal. Das Licht flutet herein durch die hohen Fenster, die den Blick freigeben auf die schwäbischen Hügel – zum Beispiel den Hohenasperg, der als "Schicksalsberg" der schwäbischen Dichter bekannt wurde.
An den Wänden des Saals erstrecken sich Reliefs zu Schillers Texten. Ausstellungsstücke werden in diesem Raum aber bewusst nicht gezeigt. Im "Festsaal der Literatur" darf die Architektur allein wirken, außerdem sollen dort Veranstaltungen stattfinden.
Vom Saal aus teilt sich die Ausstellung in zwei Flügel. Ein Bereich ist ganz Friedrich Schiller gewidmet. Gleich im ersten Raum treten dem Besucher hier eine Fülle von Schiller-Bildern, Gemälde und Skulpturen, entgegen. Der Melancholiker, der Feuerkopf, der Rebell: hier wird der "Typus Schiller" ergründet.
Leben und Werk des Dichters kann der Betrachter dann über die Objekte selbst erschließen. Eine chronologische Sammlung von Schillers Briefen etwa vermittelt ein Gefühl für dessen Lebensabschnitte, zeigt ihn in seinen eigenen Worten als Sohn, Ehemann und Philosoph. Eine Vorstellung, wie Schiller gelebt und sich gekleidet hat, geben Kleidung und Habseligkeiten des Dichters, etwa seine seidenen Strümpfe, sein Hut oder sein Spazierstock. Hier kann man Schiller von Kopf bis Fuß erdenken.
Der Höhepunkt des Schillerflügels ist der Raum "Schillers Werkstatt". Hier findet man die Anfänge dessen, was später Weltruhm erlangt hat: Manuskript-Ausschnitte aus "Wilhelm Tell" oder "Wallenstein" und weitere Originalfragmente und Entwürfe seiner Werke. Am Aussehen manchen Schriftstücks erkennt man dabei gut, wie Schiller gedichtet hat: oftmals, so ist übermittelt, habe er mit ganzem Körpereinsatz geschrieben, gestampft und geschnaubt.
Der zweite Flügel des Museums befasst sich mit der schwäbischen Dichterschule des 18./19. Jahrhunderts. Zu sehen sind Objekte und Schriften von Mörike, Hölderlin, Kleist und vielen anderen bedeutenden deutschen Dichtern. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie die Schriftsteller mit der deutschen Sprache neue Welten erschlossen haben und somit zu "Dichterfürsten" aufstiegen, die wie Heilige verehrt wurden.
Die Exponate stammen alle aus dem eigenen Bestand des Museums. Um die wertvollen Stücke zu schützen, werden sie in abgedunkelten, gekühlten Räumen präsentiert. Es darf hier also nichts angefasst sondern nur betrachtet werden. Mit akzentuiertem Licht und Projektionen auf die leuchtend grünen Wände entsteht jedoch eine aufgeladene Stimmung, die die Sinne anspricht.
Auch die Informationstafeln zu den Exponaten sind keine Listen mit harten Fakten, sondern eher poetische Texte und Gedankenanstöße. Diese Art der Vermittlung entspricht wunderbar dem Gegenstand: der Dichtung - einer Kunst, die über Sinne, Gefühle und Gedankenreisen funktioniert.
Für Literaturliebhaber und Schiller-Fans ist dieses Museum mit Sicherheit ein besonderer Höhepunkt. Aber auch weniger kundige Schiller-Interessierte können hier Spannendes entdecken. Man sollte jedoch etwas Zeit mitbringen. Denn erst durch die genaue Betrachtung der Exponate kommt man der Literatur und dem Geiste Schillers und seiner Dichterkollegen richtig auf die Spur.
Dauerausstellung
Schillerhöhe
8-10
71672
Marbach am Neckar
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 10 Uhr bis 18 Uhr
Eintrittspreise:
Schiller-Nationalmuseum und Literaturmuseum der Moderne
9 Euro, ermäßigt 7 Euro
bzw. 7 Euro, ermäßigt 5 Euro
Autorin: Isabell Gössele
Letzte Änderung am: 06.11.2009, 16.36 Uhr