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Interview mit Komponist Klaus Burger "Kino für die Ohren"

Bei den ARD-Hörspieltagen in Karlsruhe 2009 war der letzte Festival-Tag den Kindern gewidmet. Vielstimmig und bunt wurde das Hörspiel "Großer Tiger und Christian: In geheimer Mission durch die Wüste Gobi" aufgeführt und in SWR2 übertragen. Der Komponist Klaus Burger hat die außergewöhnliche Musik dazu komponiert. Er sprach im Interview über Pferdekopfgeiger, seine großen Liebe zur Mongolei und sein Glück, immer neue Ideen zu finden.

SWR.de: Herr Burger, woher kamen Ihre Ideen für die Musik zum Hörspiel "In geheimer Mission durch die Wüste Gobi"?

Klaus Burger: Ich habe die letzten drei Sommer in der Mongolei in der Wüste Gobi verbracht und bin mit dem dortigen Kulturgut in Kontakt gekommen - besonders bei einer Musiktournee mit abendländischen hoch qualifizierten Musikern aus der neuen Musikszene. Ich war mit ungefähr 60 oder 70 mongolischen Musikern in der Wüste Gobi und habe mich mit ihrem Liedgut und ihren Melodien vertraut gemacht. Die Komposition für das Hörspiel ist eine Hommage an die mongolische Musik und Kultur.

Komponieren Sie für Kinder anders als für Erwachsene?

Keinesfalls, denn Kinder sind ja nicht dümmer als Erwachsene. Musik ist entweder gut oder sie ist nicht gut. Die Kinder kriegen das gleiche wie die Erwachsenen.

Bei der Aufführung des Hörspiels tritt ein Pferdekopfgeiger auf. Was kann man sich darunter vorstellen?

Ein Pferdekopfgeiger hat ein zweisaitiges Instrument und spielt mit einem Bogen. Die Saiten und der Bogen sind aus Pferdehaaren. Anstelle einer Schnecke, wie bei einer europäischen Geige, endet das Instrument oben in einem Pferdekopf. Es klingt auch ganz anders, denn die Seiten werden nicht bis auf den Steg hinuntergedrückt, sondern nur angedrückt oder gezogen. Diese Instrumente hört man in der Wüste wahnsinnig weit. Europäische Instrumente schaffen nicht einmal die halbe Distanz in der Hörbarkeit. Das Instrument ist für die mongolische Landschaft gemacht.

Bei der Aufführung tritt auch ein mongolischer Chor auf. Wie haben Sie diesen Chor organisiert?

Es gibt in Freiburg ein mongolisches Kulturzentrum. Das ist ein Anlaufpunkt für Mongolen, die im Umkreis von 300 Kilometern leben. Sie feiern ihre Feste und singen auch miteinander. Wenn man von Freiburg aus immer auf dem 48. Breitengrad nach Osten geht oder reitet, dann kommt man irgendwann in der Hauptstadt der Mongolei Ulan-Bator an. Deshalb heißt der Chor "48. Breitengrad". Die Sänger fühlen sich energetisch mit Freiburg und Ulan-Bator verbunden.

Ich habe diesen Chor bei der Präsentation des Hörspiels im Landesstudio Freiburg kennen gelernt und ihn für die Hörspielaufführung in Karlsruhe engagiert. Auf der Bühne stehen 15 Sänger in mongolischen Prachtgewändern mit Hüten und verbreiten wirklich Freude.

Wie finden Sie neue Ideen für Ihre Musik?

Inspiration kommt immer aus der Ruhe oder der Demut heraus. Man bemüht sich als Musiker, Kino für die Ohren zu machen: Wenn etwas ertönt, sollen die Leute vor ihrem inneren Auge bestimmte Bilder abrufen können. Im Fall des Hörspiels ist das mit der grandiosen Landschaft und meiner großen Liebe zur Mongolei verbunden. Die Leute dort sind so gastfreundlich mit mir umgegangen, dass mir mehrfach die Tränen kamen. So etwas kann man sich hier gar nicht vorstellen.

Sonst kommen meine Einfälle oft im Wald beim Spazierengehen, im Baggersee beim Schwimmen, auf dem Fahrrad, also überwiegend in freier Natur und aus der Ruhe heraus. Ich warte so lange, bis mir etwas einfällt. Das kann ein ganz verzweifelnder Prozess sein. Manchmal fahre ich ins Studio und kann nur sagen, "Lieber Gott, bitte gib mir einen zündenden Funken." Bis jetzt hab ich ihn immer spätestens an der Studiotür gehabt. Ich bin mit Glück gesegnet.

Gibt es in Ihrem Leben auch Tage ohne Musik?

Vollkommen. Ich höre zuhause keine Musik und ich schaue kein Fernsehen, lasse mich nicht zuballern. Ich sitze ganz ruhig vor einer Kerze und warte, was von innen nach außen kommt.

Die Fragen stellte Inga Räuschel

Quelle: SWR.de - Kultur

Letzte Änderung am: 04.11.2009, 11.55 Uhr

Im Programm

ZKM Karlsruhe "SWR2 Spielraum - LIVE" In geheimer Mission durch die Wüste Gobi

Live von den ARD Hörspieltagen im ZKM Karlsruhe

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