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Kaum ein Kabarettist kennt die (Kur-)Pfälzer so gut wie Christian "Chako" Habekost. Er ist stolz auf ihre Erfindungen, wie das Auto oder das Halbliter-Schoppe-Dubbeglas. Und natürlich auch auf ihre wohlklingende Sprache. SWR.de-Redakteur Björn Lilienthal hat Chako vor seinem Auftritt in Baden-Baden getroffen.
SWR.de: Chako, du kennst die (Kur-)Pfälzer ja aus dem Effeff, was ist das Typische an ihnen?
***Document type Image does not understand view img-render--renderright!Chako Habekost: Der typische Pfälzer ist cooler, gelassener und trinkfester als der normale Deutsche. Er wurde durch Jahrhunderte lange Unterwanderung dazu gezwungen, auch deutsche Unsitten wie die Kehrwoche mitzumachen. Aber eigentlich ist der Pfälzer der Südländer unter den deutschen Stämmen, er müsste am Mittelmeer wohnen. Aber das ist innerhalb Deutschlands ja nicht mehr gegangen.
Was ist für dich die wichtigste Erfindung deiner kurpfälzischen Heimat?
Das Auto, das muss ich wirklich zugeben. Ich hab so eine kleine Schwäche für schöne und gut fahrende Autos. Und in Mannheim ist es halt erfunden worden. Und was viele ja nicht wissen, in Mannheim ist auch die "Frau am Steuer" erfunden worden. Der Carl (Benz) hat ja gar nicht gewagt sein Auto zu fahren, es war seine Frau, die Berta, die damit von Mannheim nach Ladenburg gefahren ist. Insofern kommt alles aus Mannheim, was irgendwie mit Hü und Hott mit dem Auto zu tun hat.
Und die zweitwichtigste Erfindung?
Das ist das Halbliter-Schoppe-Dubbeglas. Das nimmt man, wenn man viel trinken will. Das Halbliter-Schoppe-Dubbeglas besitzt Vertiefungen, die übers ganze Glas verteilt sind. Und wenn man in der Pfalz etwas essen tut, e Woscht zum Beispiel, dann ist das meist mit einer gewissen Fettmenge umgeben. Dank der Dubbe hat man das Glas trotzdem immer noch fest in der Hand.
Haben die Pfälzer eigentlich auch den Humor erfunden?
Ich weiß gar nicht, wer den Humor erfunden hat. Der Humor war wahrscheinlich schon immer da, schon seit dem Urknall. Aber die Pfälzer müssen auf jeden Fall viel Humor haben, denn sie werden immer wieder mit sehr viel Stereotypen und Klischees belegt. Und das spätestens seit in den 80er Jahren dieser große, dicke Pfälzer do war. Ich weeß net, ob sich da noch jemand dran erinnert. Und jetzt gibt's ja diesen Bärtigen, diesen Problembären. Und auch damit müssen die Pälzer kämpfen, das ist ja nur ein kleiner Ausschnitt ihres Universums.
Zur Person: Chako Habekost wird 1967 als Christian Habekost in Mannheim geboren. Schon seine Schulkameraden begeistert er mit seinem Humor. Nach Studium und Doktorarbeit beginnt seine Karriere als Kabarettist und Comedian. Sein aktuelles Programm trägt den Titel "De Allerärgschd" (Der Allerschlimmste). Bekannt wird er u.a. durch seine Auftritte in der ARD-Show "Hallervordens Spott-Light". Außerdem macht er karibische Musik.
Worin liegt für dich der Unterschied zu anderen Dialekten, zum Beispiel zum Schwäbischen?
Der liegt ja schon in der Stellung des Unterkiefers. Der Schwabe hat mehr so eine Kieferstellung, die einer Schublade gleicht. Ich glaube, dass ein Dialekt die Mentalität und die Mentalität den Dialekt bedingt. Und wenn man genau hinhört beim Schwäbischen, isch das halt ein bisle mehr mit Ordnung und ein bisle mehr mit Geradeaus verbunden, während der Pälzer sich 'mol zurücklehnt und sagt, is doch egal, lassen' doch äfach mache.
Wann und von wem wurde dein kabarettistisches Talent zum ersten Mal entdeckt?
Ich war - wahrscheinlich wie viele meiner Kollegen - schon früh der Klassenkasper. Ich hab schon ziemlich den Affen gemacht. Ich konnte es mir aber auch leisten, weil ich nicht so viele Schwierigkeiten hatte, in der Schule mitzukommen. Und in der Familie hatte ich eine sehr junge Schwester, die über alles gelacht hat, was ich gemacht habe. Und meine Schwester ist auch heute noch da. Wenn ich Zweifel habe an einer Nummer, dann spiele ich sie ihr vor. Und dann denke ich: Ich bin der Größte. Aber trotzdem sollte man die Nummer auch noch ein paar anderen Leuten vorspielen. Meine Schwester ist das tollste Publikum, aber nicht unbedingt unbefangen.
Lesen Sie im zweiten Teil des Interviews, wie Chako Habekost zu seinem Dokortitel kam und was er von Kurt Beck und Julia Klöckner (Spitzenkandidaten bei der rheinland-pfälzischen Landtagswahl) hält.
Die Fragen stellte Björn Lilienthal
Letzte Änderung am: 03.03.2011, 16.15 Uhr