Der neue Tatort-Kommissar Richy Müller"Man hinterlässt so eine Duftspur"
Als jugendlicher Außenseiter in dem Film "Die große Flatter" wurde Richy Müller 1979 berühmt, aber auch auf die Rolle des wilden Rebellen festgelegt. Erst in den 90er-Jahren konnte er dieses Image ablegen. Jetzt tritt der Schauspieler als neuer Tatort-Kommissar Thorsten Lannert auf den Plan. Bei "SWR1 Leute" beantwortete der 52-Jährige die wichtigsten Fragen rund um seine Rolle im neuen Tatort.
Der Tatort ist der älteste und auch immer noch beliebteste laufende Krimi im deutschsprachigen Raum. Wie wird man Tatort-Kommissar?
Also, es war nie mein Ziel. Ich weiß ja nicht, warum mich der SWR ausgewählt hat. Aber ich habe das für mich mal so erklärt, dass man, wenn man ein neues Format machen will, jemanden sucht, der eine Eigenenergie hat. Und das habe ich ja über die 30 Jahre immer wieder gelebt, dass ich eben meinen Weg gegangen bin und nicht den Weg des geringsten Widerstandes. Oft war das auch bitter und mit viel Kraftaufwand und Tränen, aber es stärkt auf Dauer. Und ich glaube, diese Eigenenergie wollte der SWR haben.
Wie haben Sie sich vorbereitet? Sind Sie mal in ein Polizeipräsidium gegangen?
Ne, das ist überhaupt nicht meine Art zu arbeiten. Ich versuche immer, die Dinge in mir zu finden. Es sei denn, ich muss jemanden nachspielen, sagen wir, Helmut Kohl, dann müsste ich mir natürlich angucken, wie er agiert, wie er spricht oder so. Ich musste in diesem Fall in mir finden, wo mein Polizist steckt - auch wenn ich privat nie Polizist geworden wäre.
Sie haben ja früher schon mal beim Tatort mitgespielt, da waren Sie aber eher in anderen Rollen zu sehen ...
Aber nicht in den bösen. Ich hab ja nur zwei gemacht. Im ersten war ich so ein junger Typ, der durch seinen Boxtrainer benutzt wird, also ein dummer Junge. Im zweiten, das war 1990, habe ich einen betrogenen Mann gespielt: Er hatte eine Frau, die für die Stasi gespitzelt hatte.
Die beiden Tatort-Folgen für 2008 sind bereits abgedreht – hat das richtigen Spaß gemacht?
Ja, doch. Zumal man ja auch erstmal ein bisschen unwissend ist. Man ist plötzlich mit einem Sender "verheiratet" und man weiß nicht, wie die arbeiten. Man hinterlässt so eine Duftspur, und guckt, ob die aufgenommen wird. Jetzt, im Nachhinein, bin ich sehr zufrieden. Ich weiß noch, als ich das erfahren habe – da hab ich's ein paar Leuten erzählt. Und einer davon sagte: "Dann musst du aber gucken, dass das ein gutes Drehbuch wird." Und da habe ich gesagt: Wie macht man das?
Haben Sie da Einfluss gehabt?
Nein, überhaupt nicht. Aber ich glaube, mein Einfluss lag darin, dass ich durch die Gespräche die Phantasien der Leute angeregt habe – also durch meine Begeisterung für die ganze Sache. Ich bin ja nicht in der Lage, ein Thema vorzugeben. Würde ich auch ungern sein, ich will ja nicht verantwortlich sein für das ganze Ding. Ich will für meine Arbeit verantwortlich sein und so viel gute Energie hineinstecken wie möglich. Und jetzt im Nachhinein glaube ich, uns ist was ganz Schönes gelungen.
Stimmt es, dass auf die Farbe Blau verzichtet wurde?
Ja. Ich finde, man sollte das Farbkonzept des Regisseurs beibehalten. Gerade diese fehlende Farbe Blau gibt dem Tatort irgendwie etwas Sonniges. Das war mir auch ganz wichtig, dass man trotz der Schlechtigkeit, in der man sich als Kriminalhauptkommissar der Mordkommission befindet, doch Hoffnungsträger und Optimist ist. Und dass man das auch spürt, wenn man da zuschaut.
Sie fahren im neuen Tatort bei einer wilden Verfolgungsjagd das geliehene Auto der Staatsanwältin zu Schrott. Sind Sie das Auto selbst gefahren?
Ich bin's selbst gefahren, so lange es darum ging, schnell zu fahren. Zum Zerstören gibt es dann die Spezialisten, die Stunt-Männer. Und die kriegen Geld dafür und werden dann eben eine halbe Stunde verzurrt, damit sie sich nicht weh tun.
Es gibt in jedem Jahr zwei Tatorte mit Ihnen, wie sehr füllt Sie das aus?
Es sind zweimal fünf Wochen im Jahr, aber das ist eben der Beruf des Schauspielers: Man braucht ziemlich viel Regenerationszeit - also ich brauche das. Es gibt Leute, die machen ein Ding nach dem anderen, ich könnte das nicht. Ansonsten wird sich das weiter fortführen wie bisher: Ich werde wahrscheinlich viele Debütfilme machen, weil mich die am meisten interessieren, weil in den Geschichten relativ viel Substanz drinsteckt. Ansonsten werd ich abwarten, was man mir anbietet.
Die Rolle des Richy hat Sie lange Zeit festgelegt, sie mussten dagegen ankämpfen – haben Sie keine Angst, dass das beim Tatort wieder passiert?
Nein, das passiert einem nur einmal. Und es ist so vehement gewesen mit dem Richy. Ich glaube, die Leute werden vielleicht sagen: "Richy, du spielst den ganz gut" oder "Es hat mir nicht so gefallen", aber es wird nicht passieren, dass man mich mit Thorsten Lannert so in Verbindung bringt. Es ist eine Arbeit in meiner Laufbahn, die ich so gut wie möglich mache. Aber dafür bin ich zu lange Richy Müller.
Der Beitrag ist die gekürzte Fassung eines Gesprächs, das Marion Mühlenkamp mit Richy Müller in der Sendung "SWR1 Leute" führte. Webfassung: Sandra Kaupmann
Letzte Änderung am: 09.03.2008, 21.45 Uhr




