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Neuer Lena-Odenthal-Tatort "Der glückliche Tod" "Für Kinder ist Tod etwas Geheimnisvolles"

Interview mit Regisseurin Aelrun Goette

Menschliche Extremsituationen sind immer wieder Gegenstand von Aelrun Goettes Filmen. 2007 erhielt sie für ihr Drama "Unter dem Eis" den Grimme-Preis. Im SWR-Tatort "Der glückliche Tod" inszeniert sie eine bewegende Geschichte über Tod und Sterbehilfe.

SWR.de: In Ihrem Tatort "Der glückliche Tod" geht es um das Für und Wider von Sterbehilfe. Wie haben Sie sich dem Thema angenähert?

Aelrun Goette: Ich habe mich mit den konkreten Fakten auseinandergesetzt. In unserem Film steht eine Mutter im Mittelpunkt, deren Tochter eine tödliche Krankheit hat. Deshalb habe ich mich mit einer Mutter getroffen, die in einer solchen Situation ist. Im Gespräch mit ihr habe ich versucht herauszufinden, wie es sich für jemanden anfühlt, der das Thema nicht nur von außen diskutiert, sondern der sich jeden Tag persönlich mit dieser Frage auseinanderzusetzen hat, weil das eigene Kind um sein Leben kämpft. Ich habe von dieser Frau gelernt.

Was haben Sie beim Gespräch mit dieser Mutter erlebt?

Wenn man sich mit Menschen beschäftigt, die in Extremsituationen sind, ist das Überraschende, dass sie oft ganz anders sind, als man sich das vorstellt. Man glaubt, sie seien verzweifelt und überfordert. Ich aber habe eine Frau getroffen, die mit einer unglaublichen Bewusstheit und einer beeindruckenden Stärke in diesem Leben mit ihrer todkranken Tochter steckt. Diese Erfahrung habe ich auch gemacht, als ich zum Beispiel mit Kindern über den Tod gesprochen habe.

Es ist im Film berührend, mit welcher Offenheit die Kinder mit dem Tod umgehen. Wie erarbeitet man so eine Szene mit den jungen Schauspielern?

Die Szenen mit den Kindern können einen irritieren, weil sie so intensiv sind. Das Inszenieren war aber gar nicht so schwer. Ich begegne meinen Schauspielern immer mit großer Offenheit, auf Augenhöhe. Natürlich habe ich im Vorfeld mit den Kindern über den Tod gesprochen. Sie waren dem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen.

Wenn man mit Kindern offen spricht, also nicht die eigene Angst vor dem Sterben auf sie überträgt, sondern sie in ihrer Neugier abholt, dann merkt man, dass diese Angst eben die eigene ist und nicht die der Kinder. Für Kinder ist Tod etwas ganz Geheimnisvolles, ähnlich geheimnisvoll wie die Frage, was hinter dem Universum kommt.

Haben Sie eine persönliche Haltung zur Sterbehilfe?

Grundsätzlich hat jeder Mensch das Recht über sein eigenes Leben. Wenn man das akzeptiert, dann folgt draus, dass er auch das Recht auf seinen selbst bestimmten Tod hat. Natürlich muss das im Konkreten genau betrachtet werden, weil das auch immer die Gefahr des Missbrauchs beinhaltet. Darum geht es ja auch häufig in den bundesweiten Diskussionen zum Thema.

Ich habe den Tatort ganz bewusst so entwickelt, dass der Zuschauer die Gelegenheit bekommt, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Tatort-Kommissarin Lena Odenthal zeigt sich in diesem Film ungewöhnlich verletzlich. Wie war es, diese neue Seite an ihr herauszukitzeln?

Meine Aufgabe ist es, die Tiefen im Schauspieler zum Blühen zu bringen. Das funktioniert natürlich nur dann, wenn man Vertrauen aufbaut, einen Weg miteinander geht, und der Schauspieler die Sicherheit gewinnt, dass die Regisseurin die Stärke besitzt, ihn durch die Szenen zu führen.

Die Arbeit mit Ulrike Folkerts war sehr intensiv. Wir haben uns lange über das Thema verständigt und viel über ihre persönliche Haltung zum Thema Sterbehilfe gesprochen. Das haben wir dann ins Drehbuch eingearbeitet, um eine Entwicklung der Figur deutlich zu machen. Und ich wollte ihr das Vertrauen geben, das jemand braucht, der seit so langer Zeit eine Figur gestaltet. Die Frage war, wie viel Nähe die Figur Odenthal im Rahmen dieser persönlichen Geschichte eigentlich zulassen kann und will.

Die Rolle der verzweifelten Mutter spielt Susanne Lothar…

Mir war von Anfang an klar, dass die Rolle der Mutter Susanne Lothar spielen muss und ich habe mich sehr gefreut, dass sie diese schwierige Rolle angenommen hat.
Susanne Lothar ist eine sehr freie Schauspielerin, die neben ihrem großen Können eine beeindruckende Leichtigkeit im Spiel hat und dadurch bis ins Herz einer Figur eindringt. Sie hat eine Energie ans Set gebracht, von der alle sofort angesteckt wurden, weil sie eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema gewagt hat.

Sie verkörpert eine Mutter, die ihr Kind töten will, um es zu erlösen. In Ihren Filmen geht es immer wieder um Menschen in Grenzsituationen. Was fasziniert Sie an solchen Figuren?

Ich würde die Frage gerne als Gegenfrage stellen: Was soll einen denn sonst interessieren, wenn man Filme macht? Ich finde nichts faszinierender als menschliche Abgründe. Extremsituationen, in denen der Mensch nicht mehr auf Erfahrungen zurückgreifen kann sondern einfach gefordert ist, sich den existenziellen Dingen des Lebens zu stellen. Wenn ich mit meinen Schauspielern an so einem Stoff arbeite, lerne ich als Mensch sehr viel, weil es auch ein ständiges Ringen darum ist, wie man sich selbst verhalten würde.

Es ist schon so, dass ich den Abgründen immer treu bleibe. In diesem Tatort habe ich aber zum ersten Mal ein wie ich finde sehr tröstliches Ende gefunden. Meine Haltung zum Leben verändert sich. Das versuche ich immer wieder in meine Filme hinein zu packen und mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen.

Die Fragen stellte: Isabell Gössele

Letzte Änderung am: 30.09.2009, 14.00 Uhr

Neuer Lena-Odenthal-Tatort "Der glückliche Tod"

Programmtipp

Tatort"Tatort"Der glückliche Tod

Lena Odenthal ermittelt gegen einen Schweizer Sterbehilfeverein.

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